Deserteursdenkmal in Wien: Doch am Ballhausplatz?

Heldenplatz oder Ballhausplatz - wo wird das Denkmal stehen?
Heldenplatz oder Ballhausplatz - wo wird das Denkmal stehen? ©APA/Sujet
Zum Nationalfeiertag am 26. Oktober solle der Standort für das künftige Denkmal für NS-Wehrmachtsdeserteure feststehen, so Wiens Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (S). Mit dem Ballhaus- und dem Heldenplatz sind noch zwei Areale im Rennen.
Denkmal am Heldenplatz
Wiener Stadtregierung fixiert Pläne

Das Personenkomitee “Gerechtigkeit für die Opfer der NS-Militärjustiz”, das in die Verhandlungen involviert ist, hatte von Beginn an den Heldenplatz favorisiert. Nun spricht sich der Verein aber doch vorrangig für den Ballhausplatz aus.

Geldmacher führte im Wesentlichen zwei Argumente ins Treffen, warum der Verein seine Meinung geändert hat. Einerseits sei die – sollte es der Heldenplatz werden – von Rot-Grün angedachte Fläche zwischen Burgtor und Völkerkundemuseum ein “Nicht-Ort” und gehöre gewissermaßen emotional gar nicht mehr zum Heldenplatz: “Das ist eher ein Notausgang Richtung Burggarten.” Dies komme “überhaupt nicht infrage”, stellte Geldmacher klar.Andererseits gebe es am Heldenplatz ein “Überangebot” an möglichen Inhalten und Projekten.

Deserteursdenkmal: Ballhausplatz “Kompromiss”

Der Obmann des Komitees verwies etwa auf die in Aussicht gestellte Umgestaltung der Krypta am Äußeren Burgtor, eine etwaige Tiefgarage, um das Areal autofrei zu bekommen, oder den seitens der Nationalbibliothek gewünschten Tiefenspeicher. Da müsse man infolge diverser Interessen wegen des Denkmals womöglich noch jahrelang herumstreiten. Mitunter auch deshalb, da der Heldenplatz von der – im ÖVP geführten Wirtschaftsministerium angesiedelten – Burghauptmannschaft verwaltet wird.

Aus diesen Gründen sei der Ballhausplatz als “tragfähiger Kompromiss” die beste Lösung. “Der Ballhausplatz bezeichnet das Epizentrum der historischen und aktuellen österreichischen Staatlichkeit. Jeder Staatsgast würde das Denkmal passieren; dies wäre eine exzellente Gelegenheit, um die Abkehr des demokratischen Staates Österreich von den Zielen und Mitteln eines verbrecherischen Regimes deutlich zu machen, zu dem das österreichische Staatsgebiet zwischen 1938 und 1945 gehörte”, heißt es in einem zweiseitigen Argumentarium des Personenkomitees.

Geldmacher forderte den Kulturstadtrat jedenfalls auf, möglichst rasch eine Entscheidung zu treffen: “Die Zeit der Arbeitskreise ist vorbei.”

Entscheidung noch im Oktober

Ein Sprecher Mailath-Pokornys versicherte, dass die Standortentscheidung auf jeden Fall bis zum 26. Oktober fallen werde. Sowohl Ballhaus- als auch Heldenplatz seien noch im Rennen. Es werde noch Gespräche geben – auch mit der Burghauptmannschaft bzw. dem Wirtschaftsministerium. Anfang Juli hatte es geheißen, dass die Stadt hinsichtlich der Denkmalrealisierung “in Richtung Heldenplatz” arbeite.

Ist der endgültige Standort einmal fixiert, soll der KÖR (Kunst im öffentlichen Raum) die weiteren Schritte von der Ausschreibung bis zur Umsetzung abwickeln.

(APA)

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