Der Dalai Lama in Wien: Tibet wünscht den Dialog mit China

Der Dalai Lama bei der Pressekonferenz in Wien.
Der Dalai Lama bei der Pressekonferenz in Wien. ©APA
Im Rahmen einer Pressekonferenz im Hotel Hilton begann der Wien-Besuch des 14. Dalai Lama. Wichtige Anliegen des religiösen Oberhauptes Tibets waren dabei die "Rückbesinnung zu inneren Werten", sowie die Menschenrechtslage in seiner Heimat.
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Mit knapp einer Stunde Verspätung eröffnete der Journalist und “Furche”-Herausgeber Heinz Nussbaumer die Pressekonferenz – der Flug seiner Heiligkeit aus Belgien hatte leider Verspätung gehabt. Unter Blitzlichtgewitter und in Begleitung einer tibetischen Delegation schaffte es der Dalai Lama schließlich doch ins Hilton Hotel am Stadtpark.

“Ich spreche zu Ihnen als menschliches Individuum. Und in unserer heutigen Zeit ist es wichtiger denn je, sich der Menschlichkeit bewusst zu sein. Alles hängt davon ab, unser aller Zukunft,” stellte sich der Friedensnobelpreisträger der Presse selbst vor, und bekräftigte damit auch eine seiner Kernbotschaften: Mehr Mitgefühl, mehr Wärme, die Rückbesinnung auf die menschlichen Grundwerte.

“Ich bin nur der religiöse Boss!”

Auch betonte er, seine politische Funktion gänzlich abgelegt zu haben, und stellte dabei gleich seinen Mitredner, Lobsang Sangay, seit 2011 Ministerpräsidenten der tibetischen Exilregierung, mit einem kleinen Scherz vor: “Politisch gesehen ist Lobsang Sangay der Boss des Dalai Lama, umgekehrt bin ich der religiöse Boss!”

Natürlich kamen auch buddhistische Prinzipien, nach denen der Dalai Lama selbst sein Leben richtet, nicht zu kurz: “Zeit ist auch so ein vager Begriff. Sie ist keine absolute Größe, sondern Veränderung und Bewegung – die Dinge ändern sich von Moment zu Moment. Wir können die Zeit selbst nicht bestimmen, aber die Art, wie wir sie nutzen. Durch Technologie ist unser Leben so viel schneller geworden – aber wesentlich dabei ist die innere Ruhe und Ausgeglichenheit. Und die ist unter unseren eigenen Kontrolle.”

Wie er selbst diese innere Ruhe bewahrt: “Meine Quelle der inneren Ruhe sind 8 bis 9 Stunden gesunder Schlaf!”, so der Dalai Lama lachend.

Dalai Lama betrübt über Menschenrechtsverletzungen in Tibet

Weniger vergnügt zeigte sich das religiöse Oberhaupt Tibets, als die Menschenrechtslage in Tibet angesprochen wurde. Das sonst meist lächelnde Gesicht des Dalai Lama wurde dabei ernst und schwer. “Tibet verfolgt eine rein gewaltfreie Politik. Denn der Grundsatz unseres Glaubens ist, dass die geistige Kraft viel stärker ist als Waffengewalt!”

“Die Besetzung Tibets ist nicht akzeptabel, die chinesische Regierung lässt keinerlei Raum für Proteste, was auch ein Grund ist, wieso es zu Selbstverbrennungen von Mönchen überhaupt erst kommen kann. China muss sich bereit für den Dialog zeigen,” hakt Sangay ein. Der Dalai Lama stimmte dem zu: “Nur durch Dialog kann eine Lösung gefunden werden.”

Der Dalai Lama dazu weiters: “Wir wollen eine Win-Win Situation für beide, Tibet und China. In den letzten Monaten haben sich 35 Tibeter selbst verbrannt, 27 starben dabei. Das zeigt die angespannte Situation und wie unerträglich die Situation ist für die Tibeter. Hungerstreik und öffentliche Proteste sind von Seiten Chinas nicht erlaubt – sie werden mit Erschießungen gewaltsam niedergeschlagen. Chinas Regierung muss mit uns in den Dialog eintreten – wir sind jederzeit dazu bereit, China derzeit nicht.”

Sangay stellt klar, wie die nächsten Schritte aussehen sollten: “Wir fordern einen EU-Abgesandten, der sich die tatsächliche Lage in Tibet ansieht, und auch die wahren Gründe der Selbstverbrennungen ermittelt.”

Kundgebung am Wiener Heldenplatz für Tibet

Neben dem Vortrag in der Stadthalle und einem wissenschaftlichen Symposium an der Uni Wien wird der Dalai Lama am Samstag, dem 26. Mai, auch persönlich bei der großen Solidaritätskundgebung am Heldenplatz eine Rede halten.

Sangay zur Kundgebung: “Wir erwarten morgen Tausende Teilnehmer. Wir hoffen, dass diese Nachricht in die ganze Welt hinausgetragen wird – keine Gewalt, sondern Friede ist unser Ziel für Tibet.”

Auch der Dalai Lama betont die Wichtigkeit der Veranstaltung: “Die Lösung des Problems durch Gewalt, Unterdrückung und Hardliner wird vom Rest der Welt nicht toleriert – das wollen wir China zeigen. Es soll auch ein Signal nach China sein: Die Tibet-Frage kann nicht mit Gewalt gelöst werden, sie muss realistisch gelöst werden. Und sie soll den Menschen in Tibet Hoffnung geben: Der Rest der Welt hat sie nicht vergessen!”

Die Kundgebung findet am Samstag ab 14:30 Uhr am Heldenplatz statt.

(ABE)

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