Der Bauer und der Bobo - Kritik und Trailer zum Film

"Falter"-Leser und Follower von Chefredakteur Florian Klenk verfolgen seit zweieinhalb Jahren die Geschichte des durch seine Social-Media-Auftritte bekanntgewordenen "Wutbauerns" Christian Bachler und des Wiener Stadtzeitungsjournalisten - eine Recherche, die sich zu einer Freundschaft entwickelte. Nachdem Klenk bereits das Buch dazu schrieb, kommt mit "Bauer und Bobo" nun der flankierende Dokumentarfilm in die Kinos. Dieser zeichnet sich durch die positive Grundhaltung aus, mit der Klenk und Bachler an die Thematik herangehen.

Das ist multimediale Verwertung par excellence: "Falter"-Leser und Follower von Chefredakteur Florian Klenk verfolgen seit zweieinhalb Jahren die Geschichte des durch seine Social-Media-Auftritte bekanntgewordenen "Wutbauerns" Christian Bachler und des Wiener Stadtzeitungsjournalisten - eine Recherche, die sich zu einer Freundschaft entwickelte. Nachdem Klenk bereits das Buch dazu schrieb, kommt mit "Bauer und Bobo" am Donnerstag der flankierende Dokumentarfilm in die Kinos.

Der Bauer und der Bobo - Kurzinhalt zum Film

Kurt Langbeins Doku ist dabei auch schlicht und einfach der Film zum Buch, liefert die Bilder zu einer durchaus berührenden Geschichte, an deren Beginn das umstrittene "Kuhurteil" steht, als ein Innsbrucker Gericht einen Bauern zu einer Schmerzensgeldzahlung verurteilte, nachdem eine seiner Kühe eine Touristin zu Tode getrampelt hatte. Klenk befand das Urteil für richtig - ganz anders als der hörbar steirische Bergbauer Christian Bachler. Der setzt in einem Social-Media-Video zu einer Brandrede gegen den Schnösel aus Wien an und lädt diesen zu sich auf den Hof ein, um einmal das Leben der Bauern von heute kennenzulernen - und Klenk nimmt an.

Aus dem "Praktikum" wurde persönliche Nähe, die sich vor allem dann bewies, als Klenk über Ecken erfuhr, dass Bachlers Hof ob hoher Schuldenlast vor der Zwangsversteigerung stand. In Windeseile ließ der Journalist seine Kontakte und Kanäle spielen und setzte eine Spendenkampagne für den "Wutbauern" auf, an der sich letztlich in Rekordzeit 12.000 Menschen beteiligten, die insgesamt über 400.000 Euro beisteuerten.

Aber alles hat seinen Preis, und so wird Bachler für eine Woche als Praktikant im "Falter" verpflichtet. Allerdings darf man sich den 1983 geborenen Bergbauern keineswegs als Opfer einer ruchlosen Hauptstadtpresse vorstellen, die einen unbedarften Landbewohner vorführt. Anders als beim Buch oder dem von Klenk als Autor klarerweise dominierten Social-Media-Auftritt, beherrscht Christian Bachler die Kamera mit der selbstverständlichen Präsenz eines Wuchteldruckers, der gleich zu Beginn mit Weisheiten wie "Die Kuh macht keinen Gesprächskreis" Pflöcke einschlägt. Er trägt über die Monate des Drehs hinweg T-Shirts mit Aufdrucken wie "Lieber verrückt als einer von Euch", "Sei muuhtig", "Bauer to the people", "Muhvistar" oder "Ackerdemiker".

Der Bauer und der Bobo - Die Kritik

Der "Wutbauer" ist nicht blöd, im Gegenteil. Bachler ist eloquent, digital affin und aktiv, ungeachtet manch formelhafter Rhetorik gleichsam der Bobo unter den Bauern. Er vergleicht seine Berufskollegen, die im gewohnten Zug mittrotten, mit den Bewohnern der Matrix. Dank dieses charismatischen Protagonisten gelingt Klenk eine Reportage, in der auf viele Missstände der Landwirtschaft im neuen Jahrtausend emotional griffig hingewiesen wird. Der Teufelskreis aus EU-Förderungen, hohen Kreditvergaben der Raiffeisenbank und dem steten Druck in Richtung Produktivität wird anhand des konkreten Einzelschicksals deutlich.

Doch auch wenn die Attitüde eines Tabubruchs vorherrscht, hat man als aufmerksamer Medienkonsument die Nöte von kleinbäuerlichen Betrieben in Zeiten einer industriellen Landwirtschaft in unzähligen TV-Dokumentationen bereits en détail erfassen können. Auch wären die von Klenk als Appendizes eingestreuten kleinen Exkurse über den gescheiterten Versuch eines Besuchs bei einem konventionellen Schweinebauern oder über die rurale Vergangenheit seiner eigenen Familie verzichtbar.

Doch was "Bauer und Bobo" aus dem "Am Schauplatz"-Allerlei heraushebt ist die positive Grundhaltung, mit der Klenk und Bachler an die Thematik herangehen. Die Neo-Volksmusikformation Alma liefert den passenden Soundtrack dazu, so dass man am Ende aus dem Kinosessel aufsteht mit dem Gefühl: Schaß, aber mir packen des scho. Und das ist ja auch was.

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(APA/Red)

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