Demonstrant befindet sich nach Wiener Akademikerball noch immer in U-Haft

14 Demonstranten wurden festgenommen.
14 Demonstranten wurden festgenommen. ©APA
Einen Monat nach den Ausschreitungen bei den Demonstrationen gegen den von der FPÖ veranstalteten Akademikerball sitzt einer der Teilnehmer noch immer in U-Haft. Und Josef S. wird auch in den kommenden Wochen nicht freigelassen, wie VIENNA.AT von der Polizei erfahren hat.
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Kritik nach Ausschreitungen
Schaden in Millionenhöhe
Einsatz "nicht optimal"
Ausschreitungen bei den Demos

“Josef wurde am frühen Abend aus der demonstrierenden Menge herausgegriffen und sitzt seitdem in Untersuchungshaft. Nachdem lange kein konkreter Tatvorwurf feststand, wird ihm aktuell Landfriedensbruch, Körperverletzung, Sachbeschädigung und “Rädelsführerschaft” vorgeworfen”, beschreibt die Sozialistische Jugend (SJ) in einer Aussendung die Situation. Sie fordert die sofortige Freilassung des Deutschen.

“Josef hat keine Vorstrafen, es gibt keine schlüssigen vorgelegten Beweise seiner Schuld und die Rechtslage wird mehr als fantasievoll ausgelegt”, findet die SJ. Auch die FPÖ hat am Montag eine Aussendung zu “Josef” gemacht. Ihrer Meinung nach handelt es sich um einen “Krawallnacht-Terroristen” und “einen der aus Deutschland von den Veranstaltern eingeladenen Demotouristen”.

Festnahmen bei den Akademikerball-Demos

Josef S. ist nicht der einzige Teilnehmer der Demonstrationen, der festgenommen wurde: Laut Angaben der Polizei kam es zu 14 Festnahmen. Josef S. ist jedoch der einzige der Festgenommenen, der sich noch immer in U-Haft befindet. Und dort auch noch länger bleiben wird. Polizeisprecher Roman Hahslinger berichtet im Gespräch mit VIENNA.AT, dass der nächste Haftprüfungstermin auf den 10. März 2014 gelegt wurde. Hahslinger geht davon aus, dass aus Sicht der Staatsanwaltschaft Fluchtgefahr, Verabredungs- bzw. Verdunkelungsgefahr (z.B. Beeinflussung von Mitbeschuldigten, Beseitigung von Beweisen) oder die Gefahr eine neuerlichen Straftat besteht, denn sonst wäre die U-Haft nicht verlängert worden.

Mittlerweile hat Josef S. sowohl in Österreich als auch in Deutschland zahlreiche Unterstützer gefunden, die Spenden für seine Anwaltskosten sammeln. Besuchen durften diese Unterstützer, wie sie in mehreren Internet-Foren berichten, Josef S. im Gefängnis nicht. Lediglich seine Eltern seien aus Jena angereist, um ihren Sohn zu sehen.

Das ist bei den Ausschreitungen in Wien passiert 

Die Demonstrationen gegen den Akademikerball am 24. Jänner 2014 sind nicht friedlich geblieben. Es kam zu Ausschreitungen, bei denen 20 Personen verletzt wurden und ein Sachschaden in Millionenhöhe entstand. Bei 30 Geschäften in der Wiener Innenstadt kam es zu Schäden, in vielen Fällen wurden die Scheiben der Auslagen eingeschlagen. Auch bei der Polizeiinspektion Am Hof wurden alle Scheiben eingeschlagen. Elf Polizeiautos und zahlreiche geparkte Fahrzeuge von Privatleuten wurden beschädigt.2.000 Polizisten waren in dieser Nacht im Einsatz. Sie wurden zunächst für ihr “besonnenes Vorgehen” gelobt, später hießt es von Polizeipräsident Gerhard Prüstl jedoch, dass der Einsatz “nicht optimal” gewesen sei. Konkret meinte Pürstl damit die Situation am Stephansplatz, bei der die Deeskalationsversuche der Beamten nicht fruchteten.Politische Versuche, den Akademikerball im kommenden Jahr zu verbieten, bzw. am Veranstaltungsort in der Hofburg zu verbieten, sind bislang gescheitert. Die FPÖ pocht auch ihren Vertrag mit der Hofburg und will auch 2015 dort feiern.
(SVA)

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