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Debatte über Natascha-Berichte

Im Fall Natascha Kampusch ist eine Diskussion über die Medien-Berichte entbrannt. Dürfen Sachverhalte aus dem Privatbereich der jungen Frau medial erörtert werden, weil öffentliches Interesse besteht?

Oder müssen Beiträge, wie etwa jenes Interview mit der jungen Polizistin, die Kampusch unmittelbar nach deren Flucht gesprochen hatte, aus Rücksicht auf das Opfer zurückgehalten werden? Während Medienexperten das Verhalten der Presse in der Kampusch-Causa scharf kritisieren und Journalistenverbände an „Fairness und Menschlichkeit“ appellieren, stößt der Tadel bei Pressevertretern auf Unverständnis.

Angemessen, nicht menschenverachtend 

„Ich halte die gesamte Berichterstattung in Österreich für dem Ereignis angemessen“, sagte Christoph Kotanko, Chefredakteur des „Kurier“, am Dienstag im Gespräch mit der APA. „Nacheilendes Moralisieren halte ich für völlig entbehrlich.“ Menschliche Fairness in der Berichterstattung sei „für alle selbstverständlich“ und es habe keinen einzigen Fall gegeben, in dem hier dagegen verstoßen wurde, zeigte sich Kotanko überzeugt. Im Vergleich dazu, wie etwa deutsche, französische oder US-amerikanische Medien mit einem solchen Sensationsfall umgegangen wären, sei in Österreich die Berichterstattung keinesfalls überdimensional oder gar menschenverachtend.

Dieser Überzeugung ist auch Oliver Voigt, Herausgeber und Vorsitzender der „News“-Geschäftsführung, der in der bisherigen Berichterstattung „die Form gewahrt“ sieht. Schließlich sei „das, was da passiert ist, dermaßen skandalös, grauenhaft und unvorstellbar“, dass es eine „Welt-News“ darstelle, die es abzufeaturen gelte. Die nächste Ausgabe der Wochenmagazins „News“ werde das Thema daher auch auf über 30 Seiten „stark und breit“ behandeln. Auf die Frage, ob „News“ Bilder vom „Verlies“ abdrucken wird, obwohl sich Kampusch in ihrem Schreiben an die Öffentlichkeit indirekt dagegen verwehrt hat, dass ihr „Lebensraum“ in die Öffentlichkeit gezerrt wird, meinte Voigt: „Die Bilder sind schließlich schon erschienen.“

„Standard“-Chefredakteur Gerfried Sperl sieht das anders und meinte: „Hätten wir das vorher gewusst, wir hätten die Bilder (vom Keller, Anm.) nicht abgedruckt.“ Insgesamt hält er die Berichterstattung aber für angemessen. Skandalös findet er hingegen das Verhalten der Polizei in Zusammenhang mit jener Polizistin, die nach ihrem Zusammentreffen mit dem Entführungsopfer in Interviews über den höchst persönlichen Lebensbereich betreffende Kontakte zwischen Kampusch und ihrem Peiniger berichtet hatte, was von der Polizei wiederum im Nachhinein als „persönlicher Eindruck“ der Beamtin abgetan wurde. „Dass sie (die Polizistin, Anm.) ihre Eindrücke der Öffentlichkeit mitteilt und dadurch ein Persönlichkeitsbild prägt, ist ein dramatischer Fehler und eigentlich ein Skandal in der Polizei“, so Sperl.

Die Frage lautet daher: Wann spricht Kampusch selbst, schließlich sind laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstitutes Oekonsult mehr als 90 Prozent der Österreicher auf das erste Foto und das erste Interview gespannt.

Keine 70.000 von der Krone

Empört reagiert der stellvertretende Chefredakteur der „Kronen Zeitung”, Christoph Biro, auf jene Informationen, wonach Österreichs größte Zeitung jenem Polizisten, der ein Bild von Kampusch herbeischafft, 70.000 Euro bietet. „Das ist absoluter Unsinn”, lautete sein knapper Kommentar gegenüber der APA.

Keine 200.000 von “Österreich”

Für ein Natascha-Interview haben sich bereits mehr als 70 Medien angemeldet. Die Fellnerzeitung “Österreich“ soll für das erste Gespräch angeblich 200.000 Euro geboten haben, was Wolfgang Fellner gegenüber der APA am Dienstag allerdings wütend zurückwies. Diese Unterstellung sei „völliger Unsinn, unseriös und unfair“, sagte er. Prinzipiell würde seine Tageszeitung, die am Freitag erstmals erscheint, für Interviews überhaupt nichts zahlen.

Etwas anderes sei es hingegen, wenn es darum geht, der Kampusch einen Neustart zu ermöglichen. In diesem Fall sei er bereit, mit anderen gemeinsam etwas zu spenden. Hilfe bietet er dem Opfer auch an, sollte sie „einen Job oder eine Wohnung“ suchen.

Der „Standard“ würde ebenfalls kein Geld für ein Gespräch mit Österreichs prominentestem Entführungsopfer hinlegen – „wir würden aber, sollte das nötig sein, Spendenaufrufe veröffentlichen“, so Sperl. Zu einem Spendenaufruf und einer angemessene Spende würde sich auch der „Kurier“ bereit erklären, der aber nicht daran denkt, „in die Versteigerung einzutreten“, so Kotanko. Voigt hingegen räumt ein, „gerne gutes Geld“ zu investieren, aber sicher nicht in den kolportierten Höhen.

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