Das „Papamobil“ als moderner Tragesessel

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Das "Papamobil" war ein Geschenk der DaimlerChrysler AG. Weltweit stehen 60 Modelle bereit.

Zumindest was die Beförderung betrifft, hat Papst Benedikt XVI. schon immer auf profane Werte vertraut: War es einst ein VW-Golf, mit dem der junge Joseph Ratzinger weltliche Wege befuhr, ist es auch bei seinen Besuchen deutsche Wertarbeit, auf die er baut. Das „Papamobil“, also jenes Gefährt, das den Päpsten seit dem 20. Jahrhundert den Tragesessel ersetzt, stammt aus der Schmiede von Mercedes-Benz.

Rund 60 „Papamobile“ soll es derzeit weltweit verstreut geben. Bei Auslandsreisen werden mehrere Fahrzeuge mitgeführt. Meist sitzen im Fahrzeug der Ortsbischof und der päpstliche Privatsekretär. Der Wert des Gefährts ist Geheimsache. Kenner schätzen ihn auf 300.000 bis 400.000 Euro. Geschäfte hat die DaimlerChrysler AG aber vordergründig nicht mit dem Vatikan gemacht, der Wagen ist ein Geschenk. Wichtiger als der gesicherte Platz im Himmel war aber wohl die Tatsache, dass der Mercedes-Stern Millionen Fernsehzuschauern bei Papstbesuchen nicht entgehen kann.

Das aktuellste Fahrzeug – das auch in Österreich zum Einsatz kommen wird – ist jenes auf Basis der Mercedes-Benz M-Klasse, mit dem sich Papst Johannes Paul zum Weltjugendtag 2002 in Toronto gezeigt hat. Mit dem V8-Motor von 4,3 Liter Hubraum und einer Leistung von maximal 272 PS war der ML 430 als Basisfahrzeug des neuen Papstwagens angemessen motorisiert. Wie schon die Vorgängerfahrzeuge der G-Klasse wurde die päpstliche M-Klasse in Perlmutt lackiert und innen weiß ausgestattet. Im Notfall macht es 80 km/h.

 

Schon seit 75 Jahren bevorzugen die Päpste deutsche Automobile, wenn auch andere Hersteller den vatikanischen Fuhrpark mit ihren Modellen versorgten. Das Wort „Papamobil“ ist aus den zwei lateinischen Begriffen „papa“ für Papst und „mobile“ für Auto zusammengesetzt, was im Deutschen schlicht „Papstauto“ heißt. Die klimatisierte Kabine des Geländewagens besteht aus zentimeterdickem Panzerglas. Die sich weit nach unten ziehenden Scheiben ermöglichen den jubelnden Mengen an den Straßenrändern eine perfekte Sicht auf den Heiligen Vater. Auch die Sonderkarosserie hält möglichen terroristischen Angriffen Stand.
Jahrhunderte lang fuhren die Päpste in Kutschen oder ließen sich erhöht auf einem Tragesessel („Sedia gestatoria“) über Plätze und durch Kirchen tragen. Der letzte Papst, der diesen noch in Anspruch nahm, war Papst Paul VI. (1963-1978). Als Papst Johannes Paul II. im Spätherbst 1980 zu seinem ersten Deutschlandbesuch eintraf, stellte ihm Mercedes für diesen Anlass ein neu entwickeltes Fahrzeug zur Verfügung, einen Mercedes-Benz 230 G. Neu war zum einen die Wahl des Basisfahrzeugs als Geländewagen, da auch Wegstrecken abseits von befestigten Straßen befahren werden mussten. Der Sonderaufbau war eine aus Kunststoff gefertigte und abnehmbare Kabine.
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