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D: Ex-Söldner würde „jederzeit“ wieder töten

Im "Overath-Prozess" sprach der Hauptangeklagte nach dem Dreifachmord an einer Anwaltsfamilie vom Auftrag einer neonazistischen Organisation.

Der wegen dreifachen Mordes an einer Anwaltsfamilie im bergischen Overath angeklagte Ex-Söldner Thomas A. würde seine Tat sofort wiederholen. Auf die Frage des Vorsitzenden Richters am Kölner Landgericht, Paul Schwellenbach, ob er eine solche Tat wieder begehen würde, antwortete A. am Mittwoch ohne Denkpause: „Natürlich, jederzeit.“ Der 45-Jährige erklärte zudem am vierten Verhandlungstag, er habe im Auftrag einer neonazistischen Organisation gehandelt. „Ich hatte keine andere Möglichkeit, ich musste die Operation durchziehen.“

Thomas A. ist angeklagt, am 7. Oktober vergangenen Jahres in Overath einen Rechtsanwalt, dessen Ehefrau und Tochter mit Schüssen aus einer Pump-Gun ermordet zu haben. Die ehemalige Freundin des Ex-Söldners, die 19 Jahre alte Jennifer D., ist als Mittäterin angeklagt. Der 45-Jährige hat die Tat gestanden. Laut Anklage war er wütend darüber, dass der Anwalt bei einem Streit um Mietschulden von 10.000 Euro die Gegenseite vertreten hatte.

Der Angeklagte stellte jedoch vor Gericht die Morde als politisch motiviert dar. In Hand- und Fußfesseln hinter seinem Verteidiger sitzend betonte er vor der Vierten Großen Strafkammer, er habe eigentlich den Anwalt und dessen Tochter als Vertreter des Juristenstandes töten und die Frau am Leben lassen wollen. Zwei Mal habe er ihr gesagt: „SS, legen Sie sich auf den Boden, oder ich erschieße Sie!“ Da die Ehefrau des Rechtsanwalts ihn jedoch nicht ernst genommen habe und ihn habe angreifen wollen, habe er sie erschossen. „Die hat einfach meinen Befehl verweigert“, rechtfertigte er sich.

Die Tatwaffe war nach seinen Worten „immer geladen“. Dass es eine Pump-Gun war, erklärte er damit, dass diese von jedem Mitglied seiner neonazistischen Gruppe zu bedienen gewesen wäre. Außerdem sei die Pump-Gun die einzige Schusswaffe, „die die zu Exekutierenden schlagartig töten könne, ohne Quälerei“, sagte der 45-Jährige. In der Anwaltskanzlei sei er „sehr sachlich“ vorgegangen: „Ich wollte nicht, dass es zu dramatischen Szenen kommt.“

Jennifer D. habe während der Tat wohl „unter dem Schock des Geschehens“ gestanden. Der Angeklagte sagte, sie habe „wohl nur funktioniert“. Die 19-Jährige hatte vor Gericht gesagt, sie habe bis zum Betreten der Kanzlei nichts von dem Vorhaben ihres Freundes gewusst. Aus einer in der Kanzlei gefundenen Geldbörse der Opfer nahm der Ex-Söldner nach der Tat 90 Euro. Das Geld hätten sie gebraucht, um für ihr Fluchtfahrzeug Benzin zu kaufen, sagte er.

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