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Crypto AG: BND und CIA spionierten auch Österreich aus

Die CIA soll bis 2018 ihre Finger bei der Crypto AG im Spiel gehabt haben.
Die CIA soll bis 2018 ihre Finger bei der Crypto AG im Spiel gehabt haben. ©APA/AFP/AFP FILES/SAUL LOEB
Laut der US-Zeitung "Washington Post" hörte der deutsche BND und die US-amerikanische CIA seit den 70er-Jahren vermeintlich sichere Kommunikation in über 100 Ländern ab. Auch Österreich soll Opfer gewesen sein.

Von der am Dienstagnachmittag bekanntgewordenen Abhöraffäre durch den US-Auslandsgeheimdienst CIA und den deutschen Bundesnachrichtendienst (BND) ist laut einem Medienbericht auch Österreich betroffen. Das geht aus einer von der US-Zeitung "Washington Post" veröffentlichte Darstellung der von den Geheimdiensten ausgespähten Länder hervor.

Keine Stellungnahme vom Verteidigungsministerium

Das Verteidigungsministerium in Wien wollte Mittwochfrüh zunächst auf APA-Anfrage keine Stellungnahme dazu abgeben. Laut Recherchen der "Washington Post", dem Schweizer Fernsehen SRF und dem deutschen TV-Sender ZDF sollen Deutschland und die USA mithilfe der Schweizer Firma Crypto AG für Verschlüsselungstechnik den rund 120 betroffenen Staaten manipulierte Technologie verkauft haben, um dann deren Kommunikation abhören zu können. Die "Operation Rubikon" soll demnach von 1970 bis 1993 gelaufen sein.

Crypto AG als Angelpunkt von BND und CIA

Die Schweizer Firma Crypto AG war den Medienberichten zufolge seit Ende des Zweiten Weltkriegs bis zum Beginn dieses Jahrhunderts einer der größten Anbieter für abhörsichere Kommunikation und verkaufte diese weltweit. Die größten Abnehmer für die manipulierten Verschlüsselungsgeräte waren Medien zufolge Saudi-Arabien und der Iran, die wichtigsten Gegenspieler des Westens - China und Russland - hätten allerdings nie darauf zurückgegriffen. Die Kunden hatten laut den Berichten nicht gewusst, dass BND und CIA die Technik manipulieren ließen.

Die Schweizer Regierung untersagte indes bis auf Weiteres die Generalausfuhrbewilligungen für Verschlüsselungstechnik der Nachfolgeunternehmen der Schweizer Firma. Die Schweizer Regierung ordnete zudem eine Untersuchung an.

In Österreich forderte der NEOS-Abgeordnete Douglas Hoyos via Twitter "dringende Aufklärung" und erklärte, eine parlamentarische Anfrage gestellt zu haben, um zu klären, ob auch Österreichs Regierung die "Spionagesoftware" verwendet hat.

ZDF: Österreich durchschaute Gerätemanipulation

Ob Österreich tatsächlich einer jener 120 Staaten war, der vom deutschen und US-amerikanischen Auslandsgeheimdienst jahrzehntelang abgehört wurde, ist dem deutschen TV-Sender ZDF zufolge unklar. Zwar steht laut einem an der Recherche zu "Cryptoleaks" beteiligten Redakteur fest, dass Österreich manipulierte Geräte gekauft hat. Doch hätten österreichische Stellen deren "Knackbarkeit" erkannt, erklärte der Journalist Ulrich Stoll am Mittwoch gegenüber der APA.

Der deutsche "Plan" sei "zu transparent" gewesen, weshalb einige Kunden, darunter Österreich und das damalige Jugoslawien, die "Lesbarkeit" der Maschine erkannt hätten, heißt es in einem Papier des US-Geheimdienstes CIA, aus dem das ZDF zitiert. Das entsprechende Sprachverschlüsselungsgerät (MCC 314) sei in den 1970ern an Österreich verkauft worden, so Stoll.

Unklar ist nur, wann Österreich durchschaute, dass die über die Schweizer Firma Crypto AG verkauften Maschinen manipuliert sind. Nicht geklärt sei auch, ob diese vor Entdeckung der Manipulation bereits abgehört wurden und ob sie auch nach dieser Entdeckung noch genutzt wurden. Ersteres sei zu vermuten, letzteres unwahrscheinlich, erklärte Stoll.

(APA/red)

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