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Corona-Todesfälle in Wiener Pflegeheim: Keine Nachschärfung bei Maßnahmen

Die Pflegewohnhäuser in Wien führen Corona-Screenings seit April durch.
Die Pflegewohnhäuser in Wien führen Corona-Screenings seit April durch. ©APA/HELMUT FOHRINGER
In einem privaten Wiener Pflegewohnheim verstarben in den letzten Tagen neun Bewohner. Laut Expertin sei die Nachschärfung der geltenden Besucherregelungen deswegen aber nicht notwendig.
Todesfälle in Wiener Pflegeheim
Drei weitere Personen verstorben

Nachdem seit Anfang Juni neun Bewohner eines privaten Wiener Pflegewohnheims im Zusammenhang mit dem Coronavirus gestorben sind, hat die stellvertretende Landessanitätsdirektorin Ursula Karnthaler am Donnerstag betont, dass die vorgegebenen Schutzmaßnahmen in allen Häusern "sehr konsequent" umgesetzt würden - allerdings: "Ein Restrisiko bleibt immer."

Covid-Todesfälle in Wiener Heim: "Restrisiko bleibt"

"Covid-19 gibt es noch. Und somit gibt es immer ein Risiko, egal wie gut man die Maßnahmen umsetzt", sagte Karnthaler. Die Bewohnerstruktur in den Heimen sei zudem sehr unterschiedlich: "Es gibt Häuser, wo fitte und rüstige Bewohner einziehen und das Freizeitangebot von Kartenspielen bis Yoga in Anspruch nehmen. Und es gibt Häuser, wo eher sehr viele Hochbetagte mit hohem Pflegebedarf leben."

In den betroffenen Stationen der privaten Einrichtung in Liesing würden Menschen der letzteren Kategorie leben. Das Risiko, im Zusammenhang mit einer Coronavirus-Infektion zu sterben, sei umso höher, je älter die Personen seien und je mehr Grunderkrankungen sie hätten.

Corona-Screenings in Wiener Sozialeinrichtungen seit April

Karnthaler verwies darauf, dass in Wien die Sozialeinrichtungen - der überwiegende Teil davon sind Pflegewohnhäuser - seit Mitte April systematisch gescreent werden. Das heißt, Bewohner und Personal werden ohne konkreten Anlassfall durchgetestet. Bei bisher 18.500 vorgenommenen Untersuchungen seien 110 Bewohner und 24 Mitarbeiter positiv getestet worden. Das entspreche einer Quote von 0,7 Prozent. Von rund 90 stationären Pflegeeinrichtungen wurden laut der stellvertretenden Sanitätsdirektorin bisher nur in acht Infektionsketten festgestellt. Das Haus in Liesing ist darin schon inkludiert.

Durch diese Screenings habe man auch die Infektion der Mitarbeiterin in Liesing - sie ist vermutlich Auslöserin der dortigen Infektionskette - zufällig entdeckt. Die Frau hatte keine Symptome. Danach seien sofort alle notwendigen Maßnahmen eingeleitet worden. Das Problem: "Bis dahin erfolgte Infektionen konnte man nicht mehr ungeschehen machen", betonte Karnthaler.

Kein Bedarf an Nachschärfung bei Besucherregeln

Bedarf für eine Nachschärfung oder Adaptierung der geltenden, laut Stadt ohnehin schon recht strikten Besucherregelungen sieht die Expertin nicht. Es sei in solchen Einrichtungen stets "eine Gratwanderung zwischen Schutz und Freiheit, um den Menschen ein schönes Leben zu ermöglichen".

Patientenanwältin verteidigt Einrichtung

Die Wiener Patientenanwältin Sigrid Pilz sieht nach den neun seit Anfang Juni aufgetretenen Todesfällen in einem privat geführten Wiener Pflegewohnheim keinen Anlass zur Kritik an der Einrichtung. Das Coronavirus sei "unverschuldet" in das Haus getragen worden. "Es ist dann alles getan worden, um weitere Infektionen zu vermeiden", meinte Pilz im Gespräch mit der APA.

Die Patientenanwältin hatte sich am Donnerstag selbst einen Überblick über die Lage in der Einrichtung in Liesing verschaffen wollen. Sie habe sich über den Infektionsausbruch an Ort und Stelle von der Einrichtungsleitung informieren lassen, sagte sie. Ihr Fazit: "Ich bin nicht die Gesundheitsbehörde. Aber mir wurde glaubhaft und nachvollziehbar dargelegt, dass man versucht hat, das Beste zu machen. Eine weitere Verbreitung konnte aber nicht mehr verhindert werden."

Dass eine infizierte Mitarbeiterin ohne Symptome das Virus in die Pflegeeinrichtung getragen habe, sei schlicht und einfach Pech gewesen: "Sie hat kein Risikoverhalten an den Tag gelegt." Danach seien sofort alle nötigen Maßnahmen von Isolation über die Verlegung von Bewohnern bis zur Verhängung eines Besuchsverbots unternommen worden, sei ihr berichtet worden. Sie sehe keinen Grund, daran zu zweifeln. "Ich bin bekannt dafür, Gesundheitseinrichtungen zu kritisieren, wenn es notwendig ist", aber in diesem Fall sehe sie keinen Anlass dafür, versicherte die Patientenanwältin.

Pilz wies prinzipiell auf die "schwierige Balance zwischen rigidem Schutz und der Möglichkeit der Kommunikation" im Pflegebereich hin. Zu Recht habe sie in den vergangenen Wochen viele Beschwerden von Bewohnern und Angehörigen über die strikten Ausgangs- bzw. Besuchsregeln bekommen.

Für das Personal selbst sei die Lage auch schwierig: "In der Pflege ist Nähe das Grundprinzip." Und es sei eine große Herausforderung, stets Distanz etwa zu dementen Menschen zu wahren, die zugleich noch schlecht hören und sehen. Denn die Betroffenen bräuchten neben der Körperpflege auch Berührung und Menschlichkeit und verstünden teilweise auch die Notwendigkeit von Schutzmaßnahmen nicht. Sie sehe bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Heimbetreibers in Liesing hier eine große Sensibilität: "Ich habe ihnen dafür auch meine Hochachtung ausgesprochen."

(APA/Red)

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