Casper begrüßte Wien im "Hinterland": Umjubeltes Konzert im Gasometer

Tanzen als ob keiner guckt: Casper live in Wien.
Tanzen als ob keiner guckt: Casper live in Wien. ©dpa/Sujet
Am Samstagabend hieß es für Wien "Willkommen im Hinterland": Im ausverkauften Gasometer gastierte der deutsche Rapper Benjamin Griffey alias Casper und brachte seine laut jubelnden (und überwiegend ziemlich jungen) Wiener Fans zum Tanzen und Schwitzen.
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Es war wohl gut, dass das Konzert am Wochenende stattfand – hätte sonst ein Teil des Publikums vielleicht gar nicht kommen können, weil es am nächsten Tag Schule gehabt hätte.

Ja, der Altersschnitt bei Konzerten von Casper ist meist deutlich im Bereich 16 Plus. Ändert jedoch nichts daran, dass der 31-Jährige Jung und Alt bei seinen Shows mitzureißen weiß. So auch in Wien, bei seinem ausverkauften Konzert im Gasometer.

Bilderbuch als Support

Auf seiner aktuellen “Hinterland” Tour 2014 wird Casper von der heimischen Band Bilderbuch begleitet, die am Samstag als Support-Act die Menge auf den Abend einstimmen sollten.

Die Wiener Formation, die heuer immerhin vier Nominierungen für den Amadeus Austrian Music Award einheimsen konnte, zeigte sich jedoch mehr lauwarm als heiß. Zu gekünstelt und distanziert wirkte die Bühnenpräsenz, Interaktion mit dem Publikum blieb größtenteils aus, und Frontmann Maurice Ernst präsentierte sich lieber in sich versunken, während es den Zuschauern selbst überlassen blieb, ob sie bei den Songs mitgingen oder nicht. Immerhin wurden die Lebensgeister doch noch bei der letzten Single “Maschin” geweckt, es war aber deutlich, dass die Menge schon ungeduldig auf die Hauptperson des Abends wartete.

Casper, der Entertainer

Kein Halten gab es dafür, als die ersten Piano-Klänge von “Im Ascheregen” angestimmt wurden. Der Einzige, der noch hemmungsloser tanzte als die tobenden Fans war wohl Casper selbst – mit weiten Sprüngen sauste er auf der Bühne auf und ab, um auch jede Seite der Halle aufzuwecken. Entertainment wird bei Casper Live groß geschrieben. Wie viele Kalorien der Rapper selbst wohl pro Konzertabend verbrennt, kann man sich nur staunend fragen.

Das musikalische Konzept von Casper funktionert live allemal: E-Gitarre, sanfte Klavierklänge, ein lauter Bass, getragen von dem markanten, rauchigen Sprechgesang – der deutsche Rapper, der auch viele Jahre in den USA gelebt hat, versteht es, sich und seine Musik zu inszenieren. Unterstützt wurde er dabei von der hervorragenden Bühnenperformance seiner Band.

Wien als “schönstes Publikum”

In der ersten Hälfte des gut zweistündigen Konzerts bekam man einige Auszüge seines aktuellen Albums “Hinterland” zu hören. Laut stimmte die Menge bei “Alles endet (aber nie die Musik)”, “Ganz schön okay” oder  “20qm” ein – wobei sich gerade bei Letzterem die Wiener Fans nicht als besonders Takt-affin entpuppten. “Wien, das könnt ihr doch wirklich besser!”, tadelte Casper und konnte sich das laute Lachen nicht verkneifen, als die Menge erst beim dritten Anlauf dem Rhythmus der Snare Drum klatschenderweise folgen konnte. Soviel zum Thema Musik-Stadt.

Taktgefühl oder nicht, Casper lobte die volle Halle trotzdem. “Gestern erst, als wir in Zürich waren, hab ich noch gesagt: Die Wiener können die Texte sicher besser als die Schweizer – und ich hatte mal wieder recht!” Lauter Jubel. “Außerdem sind die Wiener das schönste Publikum, schöne Menschen in einer schönen Stadt!” Noch viel mehr zustimmender Jubel.

Neue und viele ältere Hits

Den Zusehern wurde keine Pause gegönnt: Es wurde gesprungen, gesungen, aber auch das Herz ausgeschüttet. Die ebenso emotionalen autobiografischen Texte sind auch ein Markenzeichen des Rappers. Wird Caper dafür ab und an vielleicht von bösen Zungen kritisiert (oder gar abwertend als „Emo-Rapper” bezeichnet), dankte ihm das Wiener Publikum am Samstag auch emotionalere Songs wie „Auf und Davon”, “So Perfekt” oder „Lux Lisbon”.

Große Effekte oder lange Reden braucht Casper nicht. Authentisch und lebensfroh gibt sich der sympathische “Hipster-Rapper”, der keinen Moment auf sein Publikum zu vergessen schien. Auch bei den letzten vier Zugabe-Nummern wurden nochmal alle Energie-Reserven hervorgeholt: “Wien, jetzt will ich euch alle noch mal so richtig durchdrehen sehen!” Bitte gerne, “Jambalaya” lud als letzter Song des Abends geradezu dazu ein.

Nach vielen Dankesworten verabschiedeten Casper und Co. sich schließlich von der Bühne. Verschwitzt, teilweise überschüttet mit Bier, aber zufrieden gingen die Fans nachhause – in dem Wissen, dass der Hype um einen Musiker manchmal sogar zurecht ein Hype ist.

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