Britney Spears ist „Not A Girl“

Es gibt Musik zum Film, Filme zu Videospielen, Videos zu Musik - doch „Not A Girl“ ist eine neue Kategorie: der Film zur Karriere, der Karriere von Britney Spears.

Auch wenn das häufig bemühte Lamento vom Pop-Star, der sich unbegabt durch Hollywood-Filme stottert, bei ihr nicht unbedingt stimmt. Spears zeigt in ihrem Debüt-Film, der am Freitag in den österreichischen Kinos anläuft, durchaus Talent, auch und gerade weil sie in dem Teenager-Roadmovie vor allem sich selbst spielt – oder eine Version von ihr.

Die Story ist nicht neu, doch niedlich: Drei Freundinnen unternehmen nach dem High-School-Abschluss einen Trip nach Los Angeles. Dort sucht jede ihr eigenes, kleines Glück: Die naiv- unschuldige Lucy (Spears) will ihre vor Jahren verschwundene Mutter wiedersehen, das Trash-Kid Mimi (Taryn Manning) hofft bei einem Vorsingen entdeckt zu werden, und das Party-Girl Kit (Zoe Saldana) besucht ihren Freund. Zahlreiche Pannen auf der Reise schweißen die drei entfremdeten Mädchen wieder zusammen.

Doch damit hört die Niedlichkeit auf: Dass sich Lucy in den gut aussehenden Musiker Ben (Anson Mount) verliebt, Kit von ihrem Freund betrogen wird, dieser Freund der Vergewaltiger von Mimi ist und sie dessen Kind dann noch verliert – das alles scheint doch arg konstruiert. Und nach einer Stunde wird der Film vollends zum Vorspann für ein Britney-Spears-Video.

Respekt gebührt vor allem den Image-Machern der 20-jährigen Pop-Prinzessin. Zunächst verwandelten sie das unschuldige Teenie-Idol in ein Sexsymbol und ließen es leicht bekleidet mit Schlange um den Hals auf der Bühne tanzen – zum vielsagenden Titel „I’m A Slave 4 U“. Immer wieder werden zudem Gerüchte um ihre Jungfräulichkeit gestreut – hat sie oder hat sie nicht? Und das Wirrwarr um die angebliche Trennung von ’NSYNC-Star Justin Timberlake tat ein Übriges.

Doch damit nicht genug: Wer ein Mega-Star vom Schlage Madonnas werden will, darf nicht nur nette Lieder singen: Es gibt ein Videospiel, in dem sich Britney wie Cyberheldin Lara Croft durch die Level boxt. Nun der erste Film – und mehr sollen folgen: „Ich würde gerne mehr Filme machen, neue Herausforderungen annehmen und mich verbessern“, sagte sie. Ein neues Projekt stehe schon vor der Tür:
„Ich habe die Rolle noch nicht, aber es ist ein fantastischer Regisseur.“

Madonna scheint das große Vorbild, wie sie sich vom „Material Girl“ über Filmrollen wie „Evita“ und stetige Wandlung ihrer selbst hin zur Ikone entwickelte. Doch dem widerspricht Britney zaghaft:
„Ich habe Respekt für das, was sie in ihrer Karriere erreicht hat. Aber ich möchte nicht genauso sein wie sie.“

Das hätte durchaus gut gehen können, hätten sich Filmemacher und Marketingstrategen auf Britney als Schauspielerin konzentriert. Doch die Versuchung war zu groß: Ein 90-Minuten-Kinostreifen eignet sich einfach zu gut als Werbung für die eigene Musik – Cross-Promotion nennt man das.

Die Grenzen zwischen High-School-Girlie Lucy und Pop-Star Britney verschwimmen zusehends. Lucy ist Madonna-Fan und Jungfrau, sie hat ihre erste Liebesnacht mit einem Musiker und träumt von einer Pop-Karriere. Außerdem schreibt Lucy Gedichte, und eins hat zufällig den gleichen Text wie Britneys neue Single „I’m Not A Girl, Not Yet A Woman“. Als dann Musiker Ben zu diesem Gedicht die passende Musik schreibt, zeigen wohl nur Teenie-Mädchen im Kino Rührung. Am Ende ist es dann Lucy/Britney, die mit eben jenem Lied beim Vorsingen die Plattenbosse begeistert. Ende gut, alles gut – Karriere gut?

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