Boulevard erhält Großteil der Regierungsinserate

Die Tageszeitung "Österreich" von Herausgeber Wolfgang Fellner bekommt am meisten Regierungsinserate unter den Österreichischen Medien.
Die Tageszeitung "Österreich" von Herausgeber Wolfgang Fellner bekommt am meisten Regierungsinserate unter den Österreichischen Medien. ©APA/HANS PUNZ
Im Vorjahr investierte die Regierung 47 Millionen Euro für WErbung und Inserate in Medien. Fast die Hälfte der Inseratensumme gingen dabei ein die großen Boulevardmedien.

Die Regierung hat im Vorjahr gut 47 Millionen Euro für Werbung und Inserate in Medien ausgegeben, heuer waren es im ersten Halbjahr knapp 25 Millionen Euro. Gegenüber den Jahren davor hat die Regierung ihre Ausgaben in der Coronakrise, die auch die Medien hart getroffen hat, mehr als verdoppelt. Besonders stark profitieren von den Inseraten die großen Boulevardmedien. Sie haben - gemeinsam mit ihren Online-Ablegern - im Vorjahr fast die Hälfte der Inseratensumme erhalten.

Inseratengelder für gefällige Berichterstattung

Bei den aktuellen Korruptionsermittlungen geht es um den Verdacht, Vertraute des damaligen Außenministers Sebastian Kurz im Finanzministerium hätten ab 2016 Inseratengelder genutzt, um gefällige Berichterstattung im Sinne des zum Sprung an die Parteispitze ansetzenden ÖVP-Jungstars zu finanzieren. Kurz weist das ebenso zurück wie die Mediengruppe "Österreich", deren Herausgeber Wolfgang Fellner von der Korruptionsstaatsanwaltschaft als Verdächtiger geführt wird.

2016 gab das Finanzministerium 1,8 Millionen Euro für Inserate aus

Laut den der APA vorliegenden Medientransparenzdaten aus 2016 hat das Finanzministerium in diesem Jahr 1,8 Millionen Euro für Inserate ausgegeben - etwa ein Zehntel der gesamten Inseratenausgaben der Regierung (19 Millionen Euro). Mehr inseriert haben damals unter anderem das Innen- und Verteidigungsministerium (je 2,5 Millionen Euro) sowie das Kanzleramt (2,4 Millionen Euro). Am meisten Geld geflossen ist vom Finanzministerium an "Österreich" (411.000 Euro), die "Kronen Zeitung" (323.000 Euro) und die Gratiszeitung "Heute" (162.000 Euro).

Inseratenausgaben deutlich angehoben

Seither hat das Finanzministerium seine Inseratenausgaben deutlich angehoben, wie aus den vom Rundfunk-Regulator RTR veröffentlichten Zahlen hervorgeht: auf 3,6 Mio. Euro 2017, 7,2 bzw. 7,4 Mio. Euro in den Jahren 2018 und 2019 und schließlich 8,9 Mio. Euro im Vorjahr. Am meisten Geld ging in all diesen Jahren allerdings an die "Kronen Zeitung" (1,3 bis 1,6 Mio. Euro). "Österreich" lag hinter "Heute" am dritten Platz.

Größter Inserent im Vorjahr war Sebastian Kurz

Größter Inserent unter den Regierungsmitgliedern war im Vorjahr der für Medien zuständige Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP). Sein Ressort war in den Jahren davor hinter dem Finanzministerium gelegen, nahm in der Coronakrise aber 21 Mio. Euro in die Hand - fast die Hälfte des gesamten Inseratenaufkommens der Regierung. Besonders stark profitiert haben im Vorjahr die drei großen Boulevardmedien "Kronen Zeitung", "Österreich" und "Heute". Sie haben laut einer APA-Auswertung (inklusive ihrer Onlineseiten und Tochterfirmen) 19,8 Mio. Euro bekommen - fast die Hälfte der gesamten Regierungsinserate.

"Österreich" und "Heute" liegen im Spitzenfeld

Das Medienhaus Wien hat außerdem ausgewertet, wie viel Geld die Zeitungen pro Leserin und Leser erhalte haben. Hier liegen die Gratistitel "Österreich" und "Heute" mit 8,22 bzw. 6,86 Euro im Spitzenfeld. Dazwischen liegen mit 7,4 Euro je Leser die "Vorarlberger Nachrichten" (inklusive Neue Vorarlberger Tagezeitung). Danach folgen "Die Presse" (6,18 Euro), die "Salzburger Nachrichten" (4,54 Euro) und die "Kronen Zeitung" (3,94 Euro). Die in Kärnten und der Steiermark starke "Kleine Zeitung" erhält 3,57 Euro je Leser, "Der Standard" liegt mit 2,43 Euro je Leser am Schluss der Tabelle.

Leserzahlen bei Heute und Österreich litten unter Pandemie

Zu beachten ist allerdings, dass die Leserzahl der vor allem an Haltestellen aufliegenden Gratistitel "Österreich" und "Heute" durch die Pandemie massiv gelitten hat, was die Berechnung zu ihren Ungunsten verzerrt. Außerdem sind in die Berechnung nur die Inserate der Regierung in Printmedien eingeflossen. Die Bundesregierung ist allerdings nicht der einzige "Big Spender" am Medienmarkt. In Summe haben öffentliche Stellen im Vorjahr 222 Mio. Euro in Print, Online und TV inseriert. Darunter neben den 47 Mio. Euro der Bundesregierung 24 Mio. Euro von der Stadt Wien, 16 Mio. Euro von der Wirtschaftskammer und weitere 16 Mio. Euro von Bundesfirmen sowie 11 Mio. Euro von Firmen im Einflussbereich der Gemeinde Wien.

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