Bill Gilligan:“ Unsere Schiedsrichter machen das Spiel langsam!“

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Die Erste Bank Eishockey Liga befindet sich in einer kurzen Pause. Das Nationalteam probt für die bevorstehende Weltmeisterschaft im kommenden Frühjahr. Im Gespräch mit Thomas Muck verrät Teamchef Bill Gilligan, dass es ihm eine Ehre ist das Team betreuen zu dürfen – trotz Doppelbelastung Vereinstrainer und Nationalteam.

Weiters analysiert er die Niederlage ‚seiner’ Grazer 99ers bei den Vienna Capitals und spricht Klartext über die Situation der österreichischen Schiedsrichter.

Vienna Online: Herr Gilligan ihre Graz 99ers haben bei den Vienna Capitals mit 3:2 nach Verlängerung verloren. Wie war das Spiel aus ihrer Sicht?

Bill Gilligan: Es war ein sehr hektisches Spiel. Phasenweise war es aber eine sehr gute Partie. Von unserer Seite waren aber diese Abschnitte im Spiel zu kurz. Die vielen Ausschlüssen, auf beiden Seiten, haben das Spiel leider sehr hektisch gemacht. Beide Teams hatten dadurch Phasen mit Vorteilen. Wir haben unsere Möglichkeiten in der Überzahl nicht nutzen können und haben nicht das Siegestor gemacht. Am Ende sind wir mit dem Punkt nicht unzufrieden. Aber es hätte für uns mehr sein können.

Vienna Online: Ab dem zweiten Abschnitt gab es, bei beiden Teams, erhöhten Diskussionsbedarf über die Schiedsrichterleistung. Sie haben im internationalen Eishockey sehr viel gesehen. Wie würden sie die Leistung einstufen?

Bill Gilligan: Ich will nicht nur über die heutige Leistung urteilen. Aber ich möchte prinzipiell sagen, dass in unserer Liga viel zu viele Kleinigkeiten gepfiffen werden. Ein Beispiel dafür ist wenn ein Spieler eine Schwalbe macht wird er dafür nie bestraft. Im internationalen Vergleich fehlt uns daher die nötige Härte. Denn wenn wir mit dem Nationalteam spielen wird anders gespielt. Es wird schneller, aggressiver und körperbetonter agiert. Das müssen wir unserer Liga einführen um international leichter bestehen zu können. Aber noch eines. Die gefährlichen Dinge auf dem Eis wie ein ‚Check von hinten’ oder ein ‚Check gegen den Kopf’ die dürfen wir nicht tolerieren und müssen wir weiter energisch bekämpfen.

Das Spiel sollte in der Regel etwas mehr und flüssiger laufen. Die Spieler sollen das Spiel entscheiden – nicht die Schiedsrichter durch zu kleinliche Regelauslegung.

Vienna Online: Coach, würden sie sagen, dass im internationalen Vergleich nach ‚zero- tolerance’ gepfiffen wird?

Bill Gilligan: Ich sage es so: Der Schwerpunkt wird bei uns auf die falschen Dinge gelegt. Mit der Einführung der neuen Regelinterpretation sind die Schiedsrichter zu weit gegangen und sie haben dadurch phasenweise den Überblick verloren. Dadurch ist das Spiel in unserer Liga langsamer und langweiliger geworden.

International wird anders gepfiffen als in Österreich. Du brauchst du nicht in die National Hockey League (NHL) schauen. Denn die sowieso ein ganz anderes Thema.

Vienna Online: Wie können wir in Österreich das Niveau der Schiedsrichter auf internationales Niveau heben?

Bill Gilligan: Das müssen wir alle gemeinsam anschauen was wir besser machen können. Es gibt Personen in der Schiedsrichterabteilung die mit dieser Aufgabe betraut sind. Sie müssen schauen was international gemacht wird. Dann können sie das Niveau anheben!

Es wird immer Spiele geben wo nach dem Spiel beide Teams mit der Schiedsrichterleitung nicht einverstanden sind. Das sind Emotionen die zum Sport gehören. Aber ich persönlich glaube, dass die Schiedsrichter eine bessere Führung benötigen. Nicht alles ist schlecht an der Situation. Die positiven Dinge müssen verbessert werden und an den Schwachstellen muss gearbeitet werden. Meiner Meinung nach müssen sie einfach eine neue Richtlinie bekommen. Auch die Schiedsrichter müssen die Initiative ergreifen um das Spiel damit besser zu machen.

Vienna Online: Wir befinden uns nun in der ersten Ligapause. Wie würden sie bislang die Leistung der Nationalspieler einschätzen und was erwarten sie von den nächsten Spielen des Nationalteams?

Bill Gilligan: Ich habe viele neue, junge Spieler einberufen. Für mich geht es darum zu sehen welche Alternativen wir haben. Als Teamchef ist es wichtig zu sehen wie diese Spieler in Spielsituationen reagieren. Ich denke der „Telenor Hockey Cup“ (Anm.: vom 12.-14. November in Szekesfehervar/Ungarn) ist die ideale Plattform für sie um sich zu präsentieren. Eishockey ist ein rasanter Sport und du weißt nie wie es in der Saison mit Verletzungen entwickelt. Daher ist es wichtig für mich zu sehen wie sich die Spieler am Eis und auch abseits davon präsentieren. Denn du kannst nie genug Alternativen haben.

Ich glaube es ist eine gute Möglichkeit für alle und ich freue mich auf das Turnier in Ungarn und die Zeit mit dem Nationalteam.

Vienna Online: Wie wichtig sind für sie die Resultate beim „Telenor Hockey Cup“? Sind die Rückschlüsse für sie da wichtiger?

Bill Gilligan: Wenn du als österreichisches Nationalteam spielst willst du immer gewinnen. Das ist deine Verpflichtung dem Land gegenüber! Natürlich ist es klar, dass ich bei einer Weltmeisterschaft wohl andere Spieler einberufen hätte.

Wenn wir auf dem Eis stehen werden wir in Szekesfehervar immer 100 Prozent geben. Hoffentlich werden wir erfolgreich sein.

Vienna Online: Coach, noch eine Frage zu ihrer Person. Während die Liga eine Pause einlegt sind sie mit dem Nationalteam unterwegs. Auf der einen Seite ist der Kräfteverschleiß aufgrund der Doppelbelastung gegeben – auf der anderen Seite die Ehre das Nationalteam zu betreuen zu dürfen. Wenn sie diesen beiden Aspekte beurteilen. Was überwiegt bei Ihnen?

Bill Gilligan: Die Wahrheit liegt in der Mitte! Es ist ein wenig von Beiden! Es ist schon harte Arbeit das Nationalteam zu betreuen und ich mache die Aufgabe sehr gerne! Um diese Zeit nehmen die Teams sowieso eine kurze Pause von einigen Tagen. Natürlich kostet es daher auch Kraft. Nicht nur für mich sondern auch für die Spieler die ich einberufen habe. Aber die Spieler und Trainer daheim trainieren danach auch wieder. Daher gleicht es sich auch wieder aus.

Ich freue mich sehr, dass ich in der kurzen Pause die Ehre habe die Nationalmannschaft betreuen zu dürfen. Denn das ist für einen Trainer und einen Spieler immer etwas besonders.

Das Gespräch führte Thomas Muck

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