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Bilderstreit zwischen Kunstfreiheit und politischer Haltung

Axel Krause wurde von der Ausstellung ausgeschlossen
Axel Krause wurde von der Ausstellung ausgeschlossen ©dpa-Zentralbild
Über 25 Jahre etabliert sich die Leipziger Jahresausstellung, Künstler zeigen ihre Werke ohne Probleme. Dann entzündet sich an einem AfD-wählenden Maler die politische Debatte mit voller Wucht. Axel Krause, Mitglied des Kuratoriums der von der AfD gegründeten Desiderius-Erasmus-Stiftung, wird wegen politischer Facebook-Beiträge von der Ausstellung ausgeschlossen, die Jahresausstellung abgesagt.

Von diesem Mittwoch an ist die Schau nun doch zu sehen - allerdings ohne die beiden Bilder von Krause. Die Debatte darüber strahlt über Leipzigs Grenzen hinaus. Das Ringen um den Umgang mit rechten Positionen ist derzeit ein zentrales Thema in der Kunstszene. Zuletzt unterband die sächsische Stadt Freiberg politische Diskussionen im Theater - auf Druck der AfD-Stadträte hin. Der Dresdner Autor Uwe Tellkamp ("Der Turm") löste im Vorjahr mit Äußerungen über Flüchtlinge eine Welle der Empörung aus. Die Kulturszene sucht einen Umgang mit rechten Standpunkten.

Die Meinungen darüber gehen auseinander. Auch die ausstellenden Künstler vertreten unterschiedliche Standpunkte, wie Nelly Schmücking berichtet, deren Werke in der Jahresausstellung zu sehen sein sollen. Einige der zunächst 37 ausgewählten Künstler kannten Krause bis vor Kurzem gar nicht, sagt die Leipzigerin. Wenige seien auf die Barrikaden gegangen, hätten sich gegen seine Teilnahme ausgesprochen. Doch der Ausschluss komme einer Stigmatisierung gleich, findet Schmücking. Das schüre noch mehr Hass. "Seine Positionen kann man mit einem guten Selbstbewusstsein locker abfedern", sagt Schmücking.

Und die Szene will sich wappnen und sicher auftreten: Susanne Hegmann, Vorstandssprecherin des Deutschen Künstlerbundes, berichtet von vielen Anfragen für Veranstaltungen zum Umgang mit politischen Positionen. Statt Positionen der AfD Raum zu geben, spricht sie sich für eine Debatte über ästhetische Werte aus. Die Bewahrung von Kunstfreiheit und kritischer Diskurse ist für den Deutschen Künstlerbund das wichtigste Anliegen, solange sich diese im Rahmen der Gesetze bewegt.

Diskurs und Diskussion sind Begriffe, die häufig fallen, wenn es um die Jahresausstellung geht. Maler Krause vermisst eben diese Debatte, fühlt sich unverstanden. "Eine offizielle Begründung für den Ausschluss habe ich noch nicht erhalten", sagt der 60-Jährige, der nach eigenen Angaben bereits in früheren Jahresausstellungen vertreten war. Seit 2016 ist er auf Facebook aktiv, warnt dort vor "illegaler Masseneinwanderung". In seinen Bildern nimmt er nach eigener Einschätzung keinen Bezug auf politische Themen, betreibt keine Propaganda. Krause wünscht sich mehr gesellschaftliche Akzeptanz. "Ich gehöre zu 25 Prozent der Menschen in Sachsen, die die AfD wählen, und ich werde behandelt wie jemand, der irgendeiner obskuren Sekte angehört", kritisiert er.

Ein Facebook-Beitrag, in dem er sich selbst als "entarteter Künstler" bezeichnet, sei der Auslöser für den Ausschluss Krauses von der Jahresausstellung gewesen, berichtet Rainer Schade, der seit 24 Jahren Vorsitzender des Vereins Leipziger Jahresausstellung ist. Das NS-Vokabular habe zu der Entscheidung geführt. Danach ging es hitzig zu. "Es hätte eine Kontroverse geben können", sagt Schade. Doch der Streit sei mit wüsten Beschimpfungen im Internet ausgetragen worden. "Offenbar leben wir in einer aufgeregten Zeit, in der ein Dialog nicht geführt wird", bedauert Schade.

Alfred Weidinger, Direktor des Museums der bildenden Künste in Leipzig, will daher zwischen den Fronten vermitteln: "Die Jahresausstellung hat viel zu Tage gebracht", sagt er. Die Debatte habe gerade erst begonnen. Um die Diskussionen nicht mit roher Sprache im Netz auszutragen, plant Weidinger eine Veranstaltungsreihe zum Thema im Museum. "Wir müssen die Ängste der Künstler definieren", fordert er. Strategien, wie die Szene reagiert, wenn AfD-Politiker in entscheidenden Gremien sitzen, müssten jetzt erarbeitet werden.

Doch ist die politische Meinung einer Person für die Bewertung ihrer Gemälde wichtig? Nach Weidingers Ansicht ist der Künstler von seinem Werk nicht zu trennen. Bei einer Ausstellung müsse daher ein Gemälde eingeordnet werden. Die Gesellschaft fordere das. "Das Museum muss Kunst wieder demokratisieren", findet Weidinger. Und dazu gehöre auch die Auseinandersetzung mit Werken eines AfD-nahen Künstlers.

Wegen Sicherheitsbedenken des Vereins sollte die 26. Jahresausstellung am Mittwoch ohne Eröffnungsfeier beginnen. Unabhängig von den ausgestellten Werken offenbart sie Ratlosigkeit über den Umgang mit rechten Standpunkten. Nicht nur ein Phänomen der Kunstszene, nicht nur in Leipzig.

(APA/dpa)

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