Bilanzverlust von 19,643 Millionen Euro am Wiener Burgtheater

Der Betrieb des Burgtheaters ist nicht gefährdet.
Der Betrieb des Burgtheaters ist nicht gefährdet. ©APA
Um sechs Millionen Euro höher als bisher vonseiten der Bundestheater kommuniziert ist der Bilanzverlust des Wiener Burgtheaters 2012/13. Der Betrieb ist jedoch weiterhin gesichert: "Das Burgtheater lebt - und das wird es auch weiterhin tun", verkündete die interimistische Direktorin Karin Bergmann bei einer Pressekonferenz am Freitag.
Bilanz genehmigt
19 Millionen Verlust

Bergmann sprach von einem “Neustart”. Im weitreichenden, rund 100 Punkte umfassenden Maßnahmenkatalog, der in der kommenden Saison “Ergebnisverbesserungen” in der Höhe von 4 Millionen Euro bringen soll, sind auch Preiserhöhungen vorgesehen, die bei den besten Sitzplätzen im Schnitt rund 10 Prozent betragen. Dadurch sowie durch zusätzliche Sponsoreneinnahmen sollen 0,6 Millionen Euro aufgebracht werden. Gespart werden soll auch bei den Produktionskosten (0,8 Millionen), Sachkosten und Personalkosten (je 1,4 Millionen). Die Anpassung großer Brocken wie der “Jungen Burg” auf ein gutes Maß oder der Wegfall des Spielbetriebs im Kasino am Schwarzenbergplatz könnte aufgrund langfristiger Verträge nicht kurzfristig helfen, bleibt jedoch weiterhin in Diskussion. Bei der Jugendarbeit werde man über andere Formen und Strukturen nachdenken, für das Kasino möchte Bergmann kämpfen, so lange es geht.

Waren bisher die durchschnittlichen Produktionskosten an der Burg also doch zu hoch? “Es gab an der Burg keine goldenen Löffel”, so Bergmann. “Aber es gab extrem gute und vielleicht manchmal luxuriöse Bedingungen, was große Produktionen betrifft”, meint die Neo-Theaterleiterin.

Genug Produktionen im Burgtheater

Der entlassene Direktor Matthias Hartmann hatte zuletzt immer wieder darauf hingewiesen, dass mit dem vorhandenen Budget der gesetzliche Auftrag des Burgtheaters kaum mehr zu erfüllen sei. Wie sieht das Bergmann? “Für das nächste Jahr sehe ich die Erfüllung unseres Grundauftrags gesichert. Wir werden genug Produktionen in Burgtheater und Akademietheater haben, um unsere Abonnenten bedienen zu können. Und man muss natürlich eine gewisse Anzahl an Neuproduktionen zeigen, um attraktiv zu bleiben.” Der Zuspruch des Publikums sei jedenfalls weiterhin groß, die Krise mache sich an der Theaterkasse nicht bemerkbar. Langfristig seien jedoch Vorgaben wie die Erhaltung eines Ensembles und des Repertoirebetriebs immer schwieriger zu erfüllen. “Und ich gehe davon aus, dass der gesetzliche Auftrag nicht geändert werden wird.”

Die Republik habe sich durch den Amtsantritt der derzeit per Ausschreibung gesuchten künftigen Direktion mit der Saison 2016/17 selbst einen Termin gesetzt, bis zu dem die Budgetfrage langfristig gelöst sein müsse, glaubt Bergmann. “Ein neuer Direktor oder eine neue Direktorin wird klare Bedingungen verlangen. Sonst müsste er eine Gelddruck-Maschine mitbringen. Da wären dann Theater-Oligarchen gefragt”, lacht die interimistische Direktorin, die sich zwar über persönliche Angriffe in den vergangenen Wochen “schmerzhaft berührt” und “bestürzt” zeigt und traurig über Aussagen von geschätzten Kollegen wie Donaufestival-Chef Tomas Zierhofer-Kin ist, der das Burgtheater als “Geldvernichtungsmaschine” bezeichnet hat, aber keinen Zweifel daran lässt, ernsthaft ihre Bewerbung für den definitiven Posten zu überlegen: “Die Libido überwiegt. Natürlich will man nach den ganzen Aufräumarbeiten dann auch einmal säen und ernten.”

In der nächsten Saison wird es etwa eine Uraufführung von Ewald Palmetshofer geben, und auch ein in Österreich noch nie gezeigtes Stück von Elfriede Jelinek hofft Bergmann anbieten zu können. Handelt es sich dabei etwa gar um Jelineks “Burgtheater”? Bergmann stutzt kurz lacht laut: “Nein, aber Ihr Gedankengang ist vielleicht auch überlegenswert.”

Erheblich größerer Bilanzverlust

Gründe für den erheblich größeren Bilanzverlust für 2012/13 seien Risikovorsorgen für Vorgänge der Vergangenheit (darunter etwa die laufenden Arbeitsprozesse gegen Hartmann und Stantejsky), die 3 Millionen umfassen, sowie 3 Millionen Euro die zu erwartenden Steuernachzahlungen aufgrund formaler Versäumnisse der früheren Geschäftsführung (die bisher höher bewertet wurden) und 5 Millionen, die für eine am 1. April angelaufene Sonderprüfung des Finanzamtes zurückgestellt wurden. Ohne Rückstellungen auch dafür “hätten wir sonst keinen uneingeschränkten Bestätigungsvermerk der Wirtschaftsprüfer bekommen”, sagte der kaufmännische Geschäftsführer Thomas Königstorfer.

Eine unbefristete Patronanzerklärung der Bundestheater-Holding über 10 Millionen sei ein weiterer wesentlicher Faktor für das positive Testat gewesen. Die Burg-Probebühne wurde um 7,5 Millionen Euro an die Holding-Tochter Art for Art verkauft. (APA)

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