Benoit Gratton:“ Ich wurde nicht angehört!“

Turbulente Zeiten bei den Vienna Capitals. Daher ist es Zeit den Kapitän zu Wort kommen zulassen. Thomas Muck bat die Nummer 25 der Capitals zum Interview. Dabei spricht der Kanadier über den Heimsieg über die Graz 99ers, seine Sperre, den Strafsenat und über den Fanprotest.

Vienna Online: Benoit, nochmals Glückwunsch zum 4:1-Heimsieg im letzten Spiel gegen die Graz 99ers. Wie war das Spiel aus deiner Sicht? Wie würdest du den Sieg beurteilen?

Benoit Gratton: Es war ein solides Spiel von uns. Wir waren sehr müde vom anstrengenden Programm der letzten Tage und Wochen. Jeder wurde daher auch eingesetzt. Mit den vielen Ausfällen benötigen wir daher auch jeden Spieler.

Die jungen Spieler haben wirklich sehr gut gespielt. Martin Ulmer hat eine sensationelle Leistung abgeliefert. Am Ende war es eine tolle Teamleistung und die hat am Ende den Ausschlag gegeben.

Vienna Online: Im Moment spielt die Mannschaft, trotz der vielen Ausfälle, mit viel Energie und Kampfkraft. Denkst du sind solche Willensleistungen über einen längeren Zeitraum möglich?

Benoit Gratton: Für einen kurzen Zeitraum ist es okay. Natürlich benötigen wir einige Leistungsträger zurück in die Mannschaft. In etwa zwei Wochen könnten wir zwei oder drei Spieler zurück haben. Das wäre ein gewaltiger Sprung nach vorne für uns. Die Situation ist schwierig aber wir haben genug Energie, für solche Leistungen!

Hoffentlich haben wir das Verletzungspech dann abgelegt und bleiben den Rest der Saison gesund!

Vienna Online: In den letzten Spielen konnte man den Eindruck gewinnen, dass einige junge Österreicher mit starken Leistungen überzeugen. Wie sieht der Kapitän die Situation?

Benoit Gratton: Wenn ich ganz ehrlich möchte ich eines ganz klar sagen. Langsam werde ich müde wenn ich immer von „den jungen Österreichern“ höre. Wir sind ein Team! Es ist völlig egal ob ein Spieler als Japan, den USA, Kanada oder Österreich kommt. Wir sind eine Mannschaft – egal wer woher kommt!

Langsam geht es mir auf die Nerven. Ich lese es in der Zeitung, sehe es im Fernsehen und jeder spricht darüber. Aber uns ist egal – denn wir sind eine (Anm.: Gratton betont dieses Wort besonders) Mannschaft. Wir benötigen jeden!

Wie gesagt wir haben gegen Graz sehr gut als Mannschaft gespielt. Österreicher und Legionäre. Das benötigst du als Mannschaft!

Vienna Online: Du wurdest vor kurzem wegen Schiedsrichterkritik für zwei Spiele gesperrt. Du warst sehr verärgert darüber. Wie war es aus deiner Sicht?

Benoit Gratton: (blickt ernst). Das Spiel in Villach … Ich meine es hätte einen Penalty für uns geben müssen. Ich habe die Hände in die Höhe gegeben und der Schiedsrichter hat mir darauf eine Zehn-Minuten-Strafe geben. Weil wir nur einen kleinen Kader in Villach hatten wollte ich mit dem Schiedsrichter reden. Mein Ziel war es nur eine Zwei-Minuten-Strafe zu bekommen.

Im Gespräch will der Schiedsrichter ein böses englisches Wort mit „F“ gehört haben. Aber ich habe weder das „F-Wort“ noch danach das „Y-Wort“ danach gesagt. Wie gesagt, dass habe ich so nicht gesagt. Da lasse ich mich darauf vereidigen. Ich würde so etwas nie zu einem Schiedsrichter sagen.

Danach habe ich meinen Schläger zerbrochen. Okay, vielleicht war das ein Fehler! Aber ich war so wütend, dass ich meinen Schläger zerbrach.

Jemand hat mir gesagt, ich hätte einen Fan mit der abgebrochenen Schlägerschaufel getroffen. Sie soll in die Zuschauerränge geflogen sein. Aber ich habe niemanden getroffen! Ich habe die gesamte Situation genau gesehen! Der Zuschauer hinter der Spielbank ist erschrocken (Anm.: Gratton deutet, dass sich der Fan ruckartig nach hinten bewegt hätte). Aber ich habe ihn nicht getroffen.

Aber ich möchte noch etwas sagen. Wenn dir etwas vorgeworfen wird, dann erwarte ich mir schon, dass ich mich auch verteidigen kann. Ich konnte vor dem Strafsenat nicht reden und konnte sich sagen wie die Situation aus meiner Sicht war.

In der NHL ist die Situation anders. Da wird eine Telefonkonferenz einberufen. Der Schiedsrichter und der Spieler können ihre Version der Dinge erläutern. In Österreich aber hast du drei Personen die entscheiden. Sie sprechen aber nur mit dem Schiedsrichter. Ich hatte keine Möglichkeit meine Argumente vorzubringen. Aber es hätte auch mein Coach oder andere Spieler die am Eis waren als Zeugen gehört werden können. Aber warum nicht? Ich denke, dass wäre eine Frage die ihr Journalisten stellen solltet!

Vienna Online: Du hast Villach und die Halle angesprochen. Dort gab in der Vergangenheit immer wieder kleinere Probleme. Denkst du, dass die Zuschauer zu nahe und ungeschützt an die Spielerbank kommen?

Benoit Gratton: Nein, dass denke ich nicht! Die Atmosphäre dort ist wirklich gut. Die Fans sind laut und sehr intensiv. Ich denke aber, dass sie eine Plexiglaswand hochziehen sollten –  wenn du unsere Halle siehst und dann ihre dann merkst du den Unterschied.

Aber ganz ehrlich. Für mich ist das keine große Sache!

Vienna Online: Abschließende Frage. Vor dem Spiel gegen die Graz 99ers gab es einen Fanprotest. Wie hast du ihn mitbekommen? Wie lautet deine Meinung dazu?

Benoit Gratton: Es ist immer sehr gut Fans an deiner Seite zu haben. Wenn du auswärts in Villach oder Klagenfurt spielst merkst wie groß ihr Einfluss auf das Spiel und den Schiedsrichter ist.

Wir haben tolle Fans und das ist gut so!

Das Gespräch führte Thomas Muck
In Kooperation mit sportreport.at

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