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Bauern kämpfen mit Bio-Auflagen der Handelsketten

Milchbauern zogen sich aus Bio-Projekt zurück
Milchbauern zogen sich aus Bio-Projekt zurück ©APA (Symbolbild)
Ein Wettlauf der Handelsketten um höhere Bio-Standards bringt laut Medienberichten immer mehr Bauern in Schwierigkeiten. Nachdem sich Osttiroler Milchbauern wegen schärferer Auflagen aus dem Bio-Projekt "Zurück zum Ursprung" des Diskonters Hofer zurückgezogen haben, soll es nun auch Probleme mit steirischen Milchbauern beziehungsweise südösterreichischen Geflügelmästern geben.

Beim Geflügel können laut dem Branchenmagazin “top agrar” südösterreichische Biobauern, die Vertragsbauern der Huber´s Landhendl sind, die neue zulässige Höchstdauer beim Transport zum Geflügelschlachthof aus geographischen Gründen nicht einhalten. Der Schlachthof liegt im oberösterreichischen Pfaffstätt (Bezirk Braunau/Inn) ist einfach zu weit von Kärnten und der Steiermark entfernt. Dort gibt es zwar Geflügelschlachthöfe, doch die gehören Mitbewerbern am Markt.

Auf die Zahl der Aussteiger wollte sich ein Geschäftsführer des Unternehmens gegenüber “top agrar” nicht festlegen. Immerhin sei man “Partner des gesamten Lebensmittelhandels”.

Auch unter steirischen Biobauern gärt es rund um die Hofer-Bioschiene. Grund ist laut einem Bericht des “Standard” (Dienstag) Post von der Obersteirischen Molkerei und der Bio Ernte Steiermark. 160 Milchbetriebe werden aufgefordert, ab Jänner dem Bioverband beizutreten. Wer das ablehnt, soll einen jährlichen Beitrag zahlen und je 0,2 Cent pro geliefertem Kilo Milch. Das komme in Summe dem Mitgliedsbeitrag gleich. Alle betroffenen Landwirte seien Lieferanten des Bioprojekts “Zurück zum Ursprung”.

Anders als 300 weitere steirische Biobauern mussten die nun angeschriebenen bisher nicht Teil des Verbands sein, so der “Standard”. Von Zwangsmitgliedschaft und Strafzahlung sei auf ihren Höfen die Rede. Einzelne Lieferanten sehen einen möglichen Verstoß gegen das Kartellrecht, da es keinem freistehe, das Angebot abzulehnen. Alternative Abnehmer gebe es für sie keine.

Die Obersteirische Molkerei liefert 90 Prozent ihrer Biomilch an “Zurück zum Ursprung”. Sie begründet den verpflichtenden Verbandsbeitritt damit, einheitliche Standards zu benötigen, um ihre Restmengen besser vermarkten zu können. “Es geht hier um Solidarität”, sagt Geschäftsführer Friedrich Tiroch.

Die eigentliche Wurzel dieser Maßnahme findet sich laut der Tageszeitung im Lebensmittelhandel. Dieser liefere sich auf dem Biomarkt einen Wettlauf um höhere Standards. Rewe habe die Richtlinien für Biomilchlieferanten bereits nachgeschärft – Hofer ziehe nach. Der Diskonter verlange künftig neben Weidehaltung Auslauf für die Kühe an 365 Tagen im Jahr. Sie sollen bei jedem Wetter zumindest zwei Stunden lang ins Freie. Parallel müssten sie ab 2022 weitgehend in Laufställen gehalten werden. Abgegolten werde der Mehraufwand für den Auslauf mit zwei Cent pro Kilo Milch. Dadurch blieben viele Bergbauen und Nebenerwerbsbauern auf der Strecke, wegen der hohen Investitionskosten die sich allzu lang nicht rechnen.

Bei der Bio Austria ist man dem “Standard” zufolge mit der Entwicklung nicht glücklich. Sie vom Tisch zu wischen sei aber nicht möglich, treffen Händler mit Lieferanten doch privatrechtliche Vereinbarungen über Standards. “Es ist fraglich, ob sich der Lebensmittelhandel der Verantwortung für kleine Betriebe immer bewusst ist”, sagt Verbandssprecher Markus Leithner: Es müsse auf regionale Gegebenheiten Rücksicht genommen werden, und es brauche weiterhin Ausnahmeregelungen für Kleinstbetriebe.

“Wir wollen kein Diktat über die Köpfe der Bauern hinweg. Aber wir können bei Tierwohl keine Kompromisse machen, wir zahlen ja auch den höchsten Milchpreis in Österreich”, sagt Werner Lampert. Der Gründer der Hofer-Marke “Zurück zum Ursprung” räumt ein, dass Bioverbände und Bauernkammern anfänglich “fuchsteufelswild” ob der höheren Auflagen gewesen seien. Nun aber arbeite man gemeinsam an vernünftigen Lösungen, denn “es gibt viele Wege nach Rom”.

Lampert verspricht Modelle des aufgelockerten Laufstalls, die sich bereits ab 40.000 Euro realisieren ließen. “Auf zehn Jahre umgelegt kann ein Bauer damit leben.” Bei den Biomilchkühen werde es keine Abstriche geben.

(APA)

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