Bauchschuss wegen Bruder-Ehre nach Streit um Matratze: Prozess in Wien

Der Fall wurde am Wiener Straflandesgericht verhandelt
Der Fall wurde am Wiener Straflandesgericht verhandelt ©VIENNA.At/Alexander Blach
 Am Wiener Straflandesgericht hat sich am Donnerstag ein 27-jähriger Tschetschene wegen versuchten Mordes verantworten müssen. Laut Anklage hatte der Mann am 17. März 2013 einen Landsmann in Wien-Simmering mit einem Bauchschuss niedergestreckt. Auslöser war der Streit um eine Matratze.
Opfer erlag Verletzungen
Zwei Verdächtige festgenommen
Bauchschuss in Simmering

Das Opfer, das den Bauchschuss schwer verletzt überlebte, hatte zuvor den Bruder des Beschuldigten nach einem Streit um eine Matratze verprügelt. Weil der die Ehre des Bruders verteidigen wollte, griff der Asylwerber schließlich zur Waffe.

“Bauchschuss war keine Absicht”

Es sei seinem Mandanten lediglich darum gegangen, den Mann zur Rede zu stellen, so der Verteidiger von Kaschen K. Dass der 27-Jährige seinem Kontrahenten schließlich seitlich in den Bauch schoss, sei nie beabsichtigt gewesen. Vielmehr sei das Knie das Ziel gewesen, um “ihm zu zeigen, was Schmerzen sind”.

Die Tatsache, dass die auf Dauerfeuer eingestellte Waffe jedoch defekt war, sei dem Angeklagten bewusst gewesen. “Er ist überhaupt kein gewalttätiger Mensch, seine Bekannten beschreiben ihn als sehr nett und hilfsbereit”, sagte der Verteidiger.

Ehre des verletzten Bruders verteidigt

Als jedoch sein Bruder mit Blessuren nach Hause kam, verlor K. die Nerven. “Sag mir, wer das war, oder du bist nicht mehr mein Bruder”, forderte der 27-Jährige, weil er die Version, sein Bruder sei in der U-Bahn von Albanern zusammengeschlagen worden, für unglaubwürdig hielt.

Der Angeklagte bekannte sich zum Vorwurf der absichtlichen schweren Körperverletzung für schuldig.

Die Verhandlung wurde am Vormittag mit der Einvernahme von Zeugen fortgesetzt. Auch das Opfer, das den Bauchschuss erlitt, sollte dabei zu Wort kommen.

“Wir waren befreundet, haben uns oft besucht”

Am Tag vor dem Schussattentat war der 40-jährige Tschetschene Adam K. in einem Park in Wien mit Hussein K., einem Landsmann, aneinandergeraten – es ging um 50 Euro für eine Matratze. Es folgte eine Rangelei, beide steckten ein paar Schläge ein, dann reichte man sich die Hände. Der 40-Jährige berichtete im Zeugenstand, dass er wegen des Vorfalls schon eine “Vorahnung” hatte, dass danach noch mehr kommen sollte.

“Wir kannten uns, waren befreundet. Wir hatten nie zuvor Probleme miteinander, haben uns oft gegenseitig besucht”, so der 40-Jährige zur Beziehung seiner Familie zu jener des Angeklagten. Zwischen Hussein K. und ihm habe es eine Auseinandersetzung gegeben, allerdings keine heftige. “Nach der Rauferei haben wir uns die Hände geschüttelt, wie das unter echten Männern üblich ist.”

Der Bauchschuss: Tathergang

Doch in der darauffolgenden Nacht läutete es plötzlich an der Wohnungstür von Adam K. Vor ihm stand Kaschen K., der Bruder von Hussein, und forderte den 40-Jährigen auf mitzukommen. “Das ganze hat nicht länger als 30 Sekunden gedauert”, so das Opfer. “Ich bin nicht hier um zu reden”, habe der Beschuldigte gesagt – und gefeuert. “Danach ist er sofort weggelaufen. Als ich mich aufgerappelt hatte, sah ich, dass ich ein Loch im Bauch habe.”

Zuvor hatte der Angeklagte beteuert, in Panik gehandelt zu haben und keinerlei Erfahrung mit Schusswaffen zu haben. Dagegen sprach der Umstand, dass der 27-Jährige für den Racheakt extra eine Pistole um 200 Euro ankaufte und erst mehrere Stunden nach der Rauferei bei Adam K. aufgetaucht ist.

(apa/red)

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