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Barbara Prammer ist tot: Über die Frau im zweithöchsten Amt im Staat

Barbara Prammer ist am Samstag gestorben.
Barbara Prammer ist am Samstag gestorben. ©APA
Österreich verliert mit der am Samstag verstorbenen Barbara Prammer  eine der führenden Frauenpersönlichkeiten. Sie bekleidete als Nationalratspräsidentin seit 2006 das zweithöchste Amt im Staat.
Barbara Prammer verstorben
Nationalratspräsidentin hatte Krebs

Ihre Krebserkrankung hat Barbara Prammer im September des Vorjahres öffentlich gemacht, Details zu ihrer Erkrankung nannte sie allerdings nicht, um ihre Privatsphäre zu schützen. Am 1. Juli waren Komplikationen aufgetreten, sie musste sich wegen einer Infektion in stationäre Spitalsbehandlung begeben und den Zweiten Nationalratspräsidenten Karlheinz Kopf (ÖVP) ersuchen, die Amtsgeschäfte zu führen. Ihren 60. Geburtstag am 9. Jänner hatte Prammer noch mit einem Festakt im historischen Sitzungssaal des Parlaments mit 470 Gästen gefeiert.

Über die Chefin des Hohen Hauses

Seit fast acht Jahren war Prammer Chefin des Hohen Hauses. Seitdem hat sie beim Volk stetig an Beliebtheit dazugewonnen. War sie als Frauenministerin unter Viktor Klima noch bei weitem nicht der Liebling der Massen, war die langjährige SPÖ-Frauenchefin im APA/OGM-Vertrauensindex mittlerweile beständig die erste Verfolgerin von Bundespräsident Heinz Fischer.

Barbara Prammer hätte Bundespräsidentin werden können

Die im September öffentlich gemachte Erkrankung tat der Beliebtheit keinen Abbruch, im Gegenteil. Trotz ihrer Erkrankung blieb die als diszipliniert geltende Parlamentschefin im Amt. Zumindest bis zur Bekanntgabe ihrer Erkrankung galt Prammer lange Zeit – neben Sozialminister Rudolf Hundstorfer – als logische SPÖ-Kandidatin für die nächste Hofburg-Wahl.

Dass in ihr das Potenzial für ein Staatsoberhaupt schlummert, obwohl sie nicht als große Rednerin gilt, hat Prammer in den vergangenen Jahren jedenfalls angedeutet. Mit Ausnahme ihrer Dauer-Fehde mit dem früheren Dritten Präsidenten Martin Graf (FPÖ) kam die eher im linken Flügel der SPÖ angesiedelte Präsidentin mit allen Fraktionen ganz gut zurecht.

Politikerin setzte sich für Demokratiewerkstatt ein

Sie trieb die Öffnung des Parlaments weiter voran. Vor allem Jugendliche für die Werte der Demokratie zu sensibilisieren, war ihr ein großes Anliegen – ihr Lieblingsprojekt Demokratiewerkstatt ist mittlerweile fix etabliert. Den Umbau des Hohen Hauses brachte Prammer trotz einiger Probleme und Verzögerungen auf Schiene. Und auch als Buchautorin trat Prammer in Erscheinung.
Prammer stammt aus dem Hausruckviertel, konkret aus Ottnang. Die Politik lernte sie früh kennen. Ihr Vater war in der Kommunalpolitik aktiv. Nach der HAK-Matura studierte sie Soziologie, anschließend war die geschiedene Mutter eines Sohns und einer Tochter unter anderem im Arbeitsmarktservice als Frauenreferentin tätig.

Größere Schritte in die Politik

1991 folgte der erste größere Schritt hinein in die Politik, als Prammer in Oberösterreich Landtagsabgeordnete wurde. 1995 avancierte sie zur Landesrätin für Wohnbau und Naturschutz, als erste Frau in einer oberösterreichischen Landesregierung. Überregional bekannt wurde sie durch ihr Eintreten gegen den Bau des umstrittenen Traun-Kraftwerks Lambach.

Spätestens ab da galt Prammer als Zukunftshoffnung in der Partei. So holte sie dann auch Kanzler Viktor Klima (SPÖ) 1997 als Frauenministerin in sein Kabinett, das allerdings in einer eher heiklen Zeit, da in ihre Amtsperiode das Frauenvolksbegehren fiel, das von ihr freilich selbst unterzeichnet wurde.

Wort der Nationalratspräsidentin hatte Gewicht

Prammer war eine der wenigen prominenten Vertreterinnen der SPÖ, die auch nach der schwarz-blauen Wende in der Spitzenpolitik vertreten blieb. Sie nahm ihr Mandat im Nationalrat wahr und stieg nach dem Wechsel Heinz Fischers in die Hofburg zur Zweiten Nationalratspräsidentin auf, die damals formal höchste Position, die von der SPÖ vergeben werden konnte.
Mit dem Wahlsieg der SPÖ beim Urnengang 2006 kletterte Prammer eine Stufe höher auf das Präsidentenamt. Ihr Wort hatte in der Partei inzwischen Gewicht, auch wenn sie nicht zum engsten Kreis von Kanzler Werner Faymann (SPÖ) gehörte. (APA)

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