Bankraub-Prozess: Brüder größtenteils geständig

Drei Brüder müssen sich am Landesgericht St. Pölten seit Montag, dem 17.1.2011, als mutmaßliche Serienbankräuber verantworten. Zum Prozessbeginn bekennen sie sich großteils schuldig für die ihnen zur Last gelegten 14 Überfälle in Ober- und Niederösterreich sowie in der Steiermark.
Bilder vom Prozessauftakt
Den versuchten Mord an einem Sicherheitsbeauftragten einer Bank, mit dem es beim letzten Überfall in Blindenmarkt (Bezirk Melk) im Dezember 2009 zu einem Schusswechsel kam, bestreiten die beiden Beteiligten.

“Wie lange muss man wohl arbeiten, um 1,2 Millionen Euro zu verdienen?”, fragte Staatsanwältin Michaela Obenaus-Zimmel in ihrem Eingangsvortrag – und gab gleich selbst die Antwort: 30, 40 Jahre wohl, für alle Normalverdiener. “Es geht aber auch anders”, verwies sie auf die drei Beschuldigten und die Serie von Überfällen, die ihnen zur Last gelegt werden.

Begonnen habe alles im Herbst 2005. Der 45-jährige Halbbruder, der teils in Deutschland und teils in Österreich lebte, und der 27-jährige Oberösterreicher hätten Geld gebraucht – “und zwar schnell”. Vor allem der 45-Jährige sei nach dem Konkurs seiner Firma und seiner Scheidung in schweren finanziellen Nöten gewesen. Daraufhin habe sich der 27-Jährige in den Räumlichkeiten der Firma seines Halbbruders maskiert und mit einer Softgun bewaffnet das Postamt in der nahe gelegenen Pluscity in Pasching überfallen. Die Beute hätten die beiden Brüder dann geteilt.

Bis 2009 folgten zwölf weitere Überfälle und ein Versuch. Über 40 Bankangestellte und Kunden seien in dieser Zeit mit Waffen bedroht und teilweise auch verletzt worden, so die Anklägerin. “Das Maß an Brutalität hat sich gesteigert.” Zur Tarnung seien Kennzeichen für die Fluchtautos gestohlen wurde, um Beute und Waffen zu verstecken, hätten die Beschuldigten, “die sich im Laufe der Jahre ganz beängstigend entwickelt haben”, einen Safe in Wien angemietet.

Im Herbst 2009 sei nach einer “waffenmäßigen Aufrüstung” – der 27-Jährige, der während des Vortrags immer wieder den Kopf schüttelte, soll u.a. ein Maschinengewehr besorgt haben – die Wahl ganz kurzfristig auf die schon einmal überfallene Raika-Filiale in Blindenmarkt gefallen. Der 25- und der 27-Jährige sollen mit einem gemieteten Opel mit gestohlenen Kennzeichen unterwegs gewesen sein, der Wagen voller geladener Waffen, die laut Staatsanwältin für eine Geiselnahme einer ganzen Filiale gereicht hätten.

Während der Ältere im Auto wartete, soll der Jüngere die Bank überfallen haben. Als ihn danach ein privater Sicherheitsbeauftragter stellen wollte, habe er sofort geschossen und der Wachmann das Feuer erwidert. “Es ist allein dem glücklichen Zufall zu verdanken, dass er (der Wachmann, Anm.) nicht getroffen wurde”, so Obenaus-Zimmel. Der 25-Jährige erlitt einen Oberkörper-Durchschuss, sprang aber trotzdem noch ins Auto und sein Bruder brauste davon. Auch aus dem Pkw sollen noch einige Schüsse gefallen sein, was die Angeklagten bestreiten. Auf einem Autobahnparkplatz, wo die Kennzeichen gewechselt werden sollten, kam es dann zur Festnahme durch die Cobra. Vor allem der 27-Jährige dürfte sich dagegen erheblich gewehrt haben, ein Beamter erlitt einen Wadenbeinbruch.

  • VIENNA.AT
  • Chronik
  • Bankraub-Prozess: Brüder größtenteils geständig
  • Kommentare
    Kommentare
    Grund der Meldung
    • Werbung
    • Verstoß gegen Nutzungsbedingungen
    • Persönliche Daten veröffentlicht
    Noch 1000 Zeichen