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Bagdad: Ein Jahr nach dem Sturz Saddams

Es war ein starkes Symbol der Befreiung, als US-Marineinfanteristen am 9. April 2003 die Statue von Saddam Hussein unter dem Jubel der Iraker von ihrem Sockel stürzten.

Ein Jahr später ist die Hoffnung der Bevölkerung mehr als gedämpft. Der Unterdrückung durch das Regime folgte neue Angst: Gewalt und Unsicherheit halten die Menschen im Griff. Der Irak ist noch immer im Krieg.

„Wir haben das Sicherheitsgefühl so sehr verloren, dass ich sogar fürchten muss, dass meine Söhne nicht zurückkommen, wenn sie in die Schule gehen“, sagt der berühmte Maler Kasim el Sabti. Nach dem Sturz Saddam Husseins wurde der 9. April zum nationalen Feiertag erklärt. Zum Feiern ist den Irakern indes nicht zumute.

Überfälle und Anschläge sind an der Tagesordnung, der gewaltsame Widerstand gegen die Besatzungstruppen weitet sich zum Flächenbrand aus. Zum Aufstand militanter Sunniten gesellte sich mittlerweile der Kampf von Milizen des radikalen schiitischen Predigers Muktada el Sadr. Mehr als 460 Iraker und mehr als 40 ausländische Soldaten fielen den Gefechten – den heftigsten seit Ende der Hauptkampfhandlungen im Golfkrieg – in dieser Woche zum Opfer.

Die Besatzungskoalition betont, dass nur ein „winziger“ Prozentsatz der Bevölkerung zu den Waffen greift. Das Blutvergießen aber ist dennoch enorm. Auch befürchten Beobachter in Washington, dass der Widerstand weiter zunehmen könnte, dass sich auch Schiiten, die derzeit nicht der Einflusssphäre El Sadrs zuzurechnen sind, anschließen könnten. Eine breite schiitische Revolte gegen die Besatzung sei zwar derzeit nicht zu erwarten, die Lage müsse aber genau beobachtet werden.

Die jüngsten Kämpfe haben zudem deutlich gemacht, wie sehr die Ablehnung der Besatzungstruppen im Irak verbreitet ist. Die Gefechte mit zahlreichen Toten und der Angriff auf die Moschee in Falluja verstärken Verbitterung und Ärger in der Bevölkerung – auch bei jenen, die nicht mit den Aufständischen sympathisieren.

Dass nun auch Anhänger von Schiitenführer El Sadr zum bewaffneten Widerstand greifen, lässt die Alarmglocken noch lauter läuten. Die unter Saddam Hussein Jahrzehnte lang unterdrückten Schiiten profitierten schließlich vom Sturz des Regimes. Auch Anzeichen für eine mögliche Kooperation sunnitischer und schiitischer Widerstandskämpfer sind für die USA alarmierend. „Wir gehen davon aus, dass es eine Verbindung auf niedriger Ebene geben könnte“, erklärte US-General Ricardo Sanchez am Donnerstag. „Und wir müssen hart arbeiten, um sicherzustellen, dass es auf dieser Ebene bleibt.“

Trotz zunehmender Gefechte hält US-Präsident George W. Bush am Termin der Machtübergabe an die Iraker Ende Juni fest. Für die künftige irakische Regierung könnte die Gewaltwelle aber eine Beschränkung ihrer Befugnisse mit sich bringen – was wiederum den Unmut der Iraker hervorrufen und zu neuen Unruhen führen könnte. US-Kommandanten haben bereits erklärt, dass sie auch nach dem 30. Juni für die Sicherheitslage im Lande verantwortlich zeichnen werden.

Auch wenn viele Iraker die Entwicklungen im zurückliegenden Jahr begrüßen – die Arbeitslosigkeit ist gesunken, der Konsum steigt – und trotz allem ihre Hoffnung nicht begraben haben, bleiben die noch immer mangelhafte Strom- und Wasserversorgung und die fehlende Sicherheit laut Umfragen doch die Dreh- und Angelpunkte. Dass die Iraker die wirtschaftliche Verbesserung nicht genießen könnten, meint Talal Hussein el Saubai, Politologe an der Universität Bagdad, liege vor allem an „den Sicherheitsängsten“.

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