Augarten-Entscheidung - Hurch: „Fühlen uns vor den Kopf gestoßen“

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„Total enttäuscht und eigentlich sprachlos“ hat Viennale-Direktor Hans Hurch gegenüber der APA auf die Entscheidung gegen das Filmkulturzentrum und für den Konzertsaal der Sängerknaben im Wiener Augarten reagiert.

„Wir haben gewusst, dass die Entscheidung vor Weihnachten fallen soll“, meinte Hurch, „aber mit so einer Kaltschnäuzigkeit haben wir nicht gerechnet.“ Er bewertete die Entscheidung als „Endpunkt der politischen Unkultur, die zu diesem Projekt geführt hat“. Wirtschaftsminister Martin Bartenstein (V) habe lieber ein „Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende“ forciert – „das ist die alte ’Speed kills’-Mentalität.“

„Wir fühlen uns vor den Kopf gestoßen“, sagte Hurch angesichts der Tatsache, dass die Projektentwicklung „nicht nur einfach abgekürzt, sondern abgeschnitten“ wurde. Er zeigte sich überzeugt, dass „niemand mit dem Projekt glücklich wird – außer einigen Politikern und den Sängerknaben“. Eines sei sicher: So schnell werde man keinen Sponsor mehr finden, der sich wie das Ehepaar Christian und Ingrid Reder als Mäzen für ein solches Projekt zur Verfügung stelle. Die Zumtobel-Tochter und ihr Mann hätten sechs Millionen Euro für das Filmzentrum bereitgestellt. „Bund und Stadt haben eine große Chance vertan.“

Die Reaktion des Kulturministeriums, dass man “über das Vorgehen nicht informiert“ gewesen sei, bezeichnete Hurch als „frivolen Zynismus“. Ministerin Claudia Schmied (S) hätte „ein dreiviertel Jahr Zeit gehabt, in irgendeiner Form Stellung zu beziehen oder sich für etwas einzusetzen“, so der Viennale-Chef. „Die müssen sich jetzt gar nicht wundern.“ Filmarchiv-Leiter Ernst Kieninger schlug gegenüber der APA in dieselbe Kerbe: „Es kann doch nicht sein, dass eine kulturpolitische Entscheidung nur im Wirtschaftsministerium getroffen wird.“ Wie man heute sehe, sei das kulturpolitische Engagement „eindeutig zu kurz gekommen“.

„Ich bin sehr neugierig auf die Begründung, welches qualitative Moment für die Entscheidung ausschlaggebend war“, so Kieninger. Hier sei es schließlich nicht nur um ein Bauprojekt, sondern um ein Stadtentwicklungsprojekt gegangen. Man habe sich bemüht, die Anrainer und Bewohner der Gegend in den politischen Prozess einzubinden, doch dieser Prozess sei nun „politisch totgemacht“ worden. „Für uns ist das doppelt schade“, so Kieninger. Einerseits habe man die demokratische Projektgenese sehr befördert, andererseits sei man auch mit der Finanzierung auf Augenhöhe mit dem Augartenprojekt gewesen. Und schließlich war es das Filmarchiv, das 2001 die Flächenwidmung erwirkt habe. „Die Sängerknaben sind erst später auf den Plan getreten.“

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