Aufregung um das Burgtheater: Hartmann ist "Ätsch-Bätsch-Spiel leid"

Burgtheater: Hartmann ist "dieses Ätsch-Bätsch-Spiel leid"
Burgtheater: Hartmann ist "dieses Ätsch-Bätsch-Spiel leid" ©APA/HERBERT PFARRHOFER
Nachdem ein Endbericht die entlassene Burgtheater-Vizedirektorin schwer belastet hat, steht nun fest, dass das Minus aus eigener Kraft ausgeglichen werden soll. Direktor des Hauses, Matthias Hartmann, hat sich ebenfalls zu Wort gemeldet.
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Das in der Burgtheater-Bilanz für 2012/13 drohende Minus von 8,3 Mio. Euro soll aus eigener Kraft ausgeglichen werden. “Ja, das Burgtheater kann das und wird das auch aus eigener Kraft schaffen müssen”, sagte Holding-Chef und Burgtheater-Aufsichtsratsvorsitzender Georg Springer bei der heutigen Pressekonferenz. Dies werde aber längere Zeit in Anspruch nehmen.

Burgtheater soll Minus selbst ausgleichen

Das wichtigste sei, die Finanzierung des laufenden Betriebes sicherzustellen. Das werde mit Sicherheit gelingen. Wie man mit “Altlasten” umgehen werde, sei im Detail noch nicht klar. Das Problem sei jedoch sicher nicht “mit einem Schlag” zu lösen. “Der Aufsichtsrat war nicht bereit, noch einmal eine Kapitalherabsetzung zu machen”, so Springer.

Als wahrscheinlichste Variante gilt ein “Sale-and-lease-back” der derzeit im Eigentum des Burgtheaters befindlichen Probebühne im Arsenal an die Holding-Tochter “Art for Art”. Dies dürfte einige Millionen Euro bringen, allerdings müsste künftig für die Benutzung Miete gezahlt werden. Eine neue Eigentümerstruktur dafür sei “keine Ankündigung, aber eine von zahlreichen Überlegungen, die nun angestellt werden”.

Stantejsky nach Enbericht belastet

Einschnitte, die den Spielbetrieb beeinflussen würden, sollen so lange es geht vermieden werden. Daher wurde über eine mögliche Schließung der Spielstätte Kasino zumindest im Aufsichtsrat offenbar nicht diskutiert. Die nächste Aufsichtsratssitzung ist allerdings bereits morgen, Freitag, am späten Nachmittag. Der von Stantejsky verschuldete Fehlbetrag der Bilanz wird auf bis zu 2,7 Mio. Euro beziffert und sei durch falsche Buchungen, aber auch durch völlig unrealistische Gastspielkalkulationen erklärbar. Dazu könnten Steuer-Nachforderungen für ausländische Gastkünstler durch Nichteinbehalt der zwanzigprozentigen Abzugssteuer (“Ansässigkeitsbescheinigungen”) von bis zu 5 Mio. Euro kommen.

Stantejsky sei Gelegenheit zur Stellungnahme in mündlicher Form eingeräumt worden, hieß es auf der Pressekonferenz. Diese Möglichkeit habe sie jedoch nicht wahrgenommen. Der Endbericht sei ihr unmittelbar vor der Pressekonferenz via E-Mail übermittelt worden.

5,6 Millionen Euro des möglichen Bilanzverlusts von 8,3 Mio. Euro sind jedoch nicht auf vermutete Malversationen, sondern auf die geänderte Abschreibungsmethodik bei Produktionen zurückzuführen, die bereits 2011/12 zu einem Jahresverlust von 3,7 Mio. Euro geführt hatte. Damals wurde das Minus mit einem Kapitalschnitt ausgeglichen.

Hartmann ist “dieses Ätsch-Bätsch-Spiel leid”

Im Gegensatz zu Bundestheater-Holding-Chef Georg Springer, der eine Mitverantwortung an der Finanzmisere im Burgtheater einräumte, wies der Direktor des Hauses, Matthias Hartmann, weiter jede Verantwortung von sich. Er habe mit seiner Unterschrift die künstlerische Verantwortung übernommen, sagte Hartmann. Die kaufmännische Verantwortung sieht er daran nicht automatisch gekoppelt.

“Ich bin dieses Ätsch-Bätsch-Spiel leid”, ärgerte sich Hartmann im Verlauf der Pressekonferenz über diese Verknüpfung. Vielmehr sei von künstlerischer Seite alles geschehen, um die Zahlen zu verbessern. “Das Gerücht der hohen Produktionskosten stimmt nicht”, so der Direktor, der das Bilanzminus ohne die künstlerischen Erfolge doppelt so hoch ansetzen würde. “Das Burgtheater muss für diese Leistung gewürdigt werden.” Er habe an allen Stellschrauben gedreht, die ihm zugänglich seien. “Ich habe alles getan, was in meiner Macht stand.”

Im Hinblick auf die entlassene Vizedirektorin Silvia Stantejsky und mögliche strafrechtliche Tatbestände sagte Hartmann, er habe es schon bisher vermieden, über die ehemalige kaufmännische Geschäftsführerin etwas Negatives zu sagen. “Ich werde bei diesen Mutmaßungsspielen nicht mitmachen.” Sie sei bei seinem Amtsantritt bereits viele Jahre am Haus tätig und “bestens beleumundet” gewesen. “Es gab überhaupt keinen Grund, daran zu zweifeln.”

(APA)

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