Skandal: Dirk Bach nach seinem Tod von ultrakonservativer Plattform im Internet verhetzt

Schauspieler und Moderator Dirk Bach wie man ihn kannte und liebte
Schauspieler und Moderator Dirk Bach wie man ihn kannte und liebte ©EPA
"Jetzt brennt er in der ewigen Homo-Hölle," lautet der schockierende Titel eines Artikels über den am Montag verstorbenen Schauspieler Dirk Bach, der dieser Tage auf dem Blog "kreuz.net - katholische nachrichten" zu lesen ist.  Auf der Seite wird der Tod des 51-Jährigen in menschenverhetzenden Worten auf seine Homosexualität zurückgeführt.
Herzversagen vermutet
Fans und Kollegen unter Schock
Dirk Bach ist tot

Der Tod von Dirk Bach, der am 1. Oktober 2012 völlig überraschend (angeblich an Herzversagen) starb, erschütterte nicht nur Deutschland. Fans und Kollegen des kultigen 51-Jährigen, der aus der deutschen Comedy- und TV-Szene nicht mehr wegzudenken war, waren bestürzt und kondolierten zu Tausenden auf Facebook und Co.

Hetze gegen Dirk Bach auf kreuz.net

Umso größer war der Schock über einen pietät- und geschmacklosen Artikel, der am Dienstag auf einem angeblich katholischen Online-Portal namens kreuz.net auftauchte. “kreuz.net” hat allerdings nichts mit der römisch-katholischen Kirche zu tun. Darin wird der Verstorbene massiv verbal angegriffen und auf radikalste Weise gegen ihn gehetzt. Bach sei “ein homosexueller Sittenverderber”, der “an der Homo-Unzucht gestorben” sei. Mit haarsträubenden homophoben Behauptungen zum Lebenswandel von Dirk Bach und dem “Schicksal” Homosexueller setzt sich die Hetze gegen Bach fort. “Homo-Perverse haben im Vergleich zur sexuell gesunden Bevölkerung eine um zwanzig Jahre geringere Lebenserwartung”, “Praktisch alle Homos nehmen Rauschgifte” und ähnliche Behauptungen dieser Art ziehen sich durch den Post.

Die Reaktionen auf den Artikel waren entsprechend – ein wahrer “Shitstorm” brach in der Kommentar-Sektion der Seite los. Andere User resignierten – einer postete: “Dieser Artikel ist einfach traurig und daneben. Ich glaube man erreicht mehr, wenn man diese unfassbar dumme Seite ignoriert und nicht noch mit Content belädt.”

Nicht zum ersten Mal fällt Online-Portal negativ auf

Recherchen von VIENNA.AT zeigen: Das Portal ist kein unbeschriebenes Blatt, wenn es um Diskriminierung, Verhetzung oder etwa auch Antisemitismus oder Muslimenfeindlichkeit geht. Auch der deutsche Verfassungsschutz hat die Seite bereits im Visier – einer DPA-Meldung vom März 2012 zufolge betrachtet der Verfassungsschutz die “erzkonservative christliche Nachrichtenseite” als verfassungswidrig.

Die katholische Kirche äußerte sich ebenfalls bereits mehrfach zu kreuz.net – und betont nachdrücklich, mit dem Portal nichts zu tun zu haben. Schon im Februar 2009 distanzierte sich Berichten der APA zufolge die Bischofskonferenz von dem “erzkonservativen Internetportal”, das ein “Ausdruck einer geradezu sektiererischen Hetzpropaganda” sei. Der Leiter des Medienreferats Paul Wuthe meinte dazu: “Nicht überall, wo katholisch drauf steht, ist auch katholisch drin.”

Petition gegen erzkatholische Seite

Auch organisierter Protest gegen kreuz.net hat sich bereits formiert: Die Seite: Watch Kreuz.net ruft dazu auf, eine Petition gegen die Seite zu unterzeichnen. Man wolle ein Gegengewicht zu deren vulgären und rechtlich bedenklichen Publikationen sein, heißt es dort. 

Ein näherer Blick auf die Seite lässt jedenfalls keinen Zweifel daran, dass es sich um kein seriöses, sondern ein richtiggehend gefährliches Portal handelt – sämtliche Artikel sind anonym verfasst, sachliche Formulierungen sucht man hier vergeblich. Der Grundtenor ist aggressiv. Der verstorbene Schauspieler Dirk Bach ist nur ein besonders prominentes von vielen Opfern, gegen die das Portal bereits gewettert hat – auch wenn es sonst eher Homosexuelle, Juden und Aidskranke generell trifft.

(DHE)

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