Asthma-Spray als Gamechanger bei Covid-19? Ärztekammer zuversichtlich

Das Asthma-Spray sollte spätestens drei Tage nach Auftreten von Covid-Symptomen genommen werden.
Das Asthma-Spray sollte spätestens drei Tage nach Auftreten von Covid-Symptomen genommen werden. ©REUTERS
Asthma-Sprays mit dem Wirkstoff Budesonid haben laut einer Studie das Potenzial, schwere Covid-19-Erkrankungen zu verhindern. Die Österreichische Ärztekammer will den Einsatz der Mittel forcieren.
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Johannes Steinhart, Vizepräsident der Österreichischen Ärztekammer, hat das Gesundheitsministerium aufgefordert, den Einsatz des Wirkstoffs Budesonid gegen Covid-19 "tatkräftig zu unterstützen". Bei einer im Fachmagazin "The Lancet" publizierten Studie konnte durch Einsatz des inhalierten Wirkstoffs, auf dem einige gängige Asthmasprays basieren, die Wahrscheinlichkeit von schweren Verläufen um 90 Prozent reduziert werden.

Asthma-Spray drei Tage nach Symptombeginn nehmen

"Das kann ein bedeutender Fortschritt für uns sein, weil die Behandlung mit dem Wirkstoff drei Tage nach Symptombeginn erfolgt. Das macht einen Riesenunterschied", sagte Steinhart, auch Bundeskurienobmann der niedergelassenen Ärzte. Schon jetzt würden in Spitälern Steroide zur Behandlung eingesetzt werden. "Doch drei Tage nach Symptombeginn kommt niemand ins Spital, da sind die Erkrankten zu Hause oder suchen ihren Hausarzt auf", betonte Steinhart.

Das Mittel kommt bei Covid-19 in Österreich bereits zum Einsatz, erläuterte die Lungenfachärztin Judith Löffler-Ragg von der Medizinischen Universität Innsbruck, allerdings erst bei starken Beschwerden wie krampfartigem Husten: "In Einzelfällen ist es bereits im klinischen Einsatz. Und zwar ist das ein inhalatives Cortison, das anti-entzündlich wirkt", berichtete Löffler-Ragg im "Ö1 Mittagsjournal" am Montag.

Long-Covid vermeidbar

In der Oxford-Studie wurde Budenosid wesentlich früher, als Post-Expositions-Prophylaxe verabreicht, ergänzte Bernd Lamprecht, Vorstand der Klinik für Lungenheilkunde am Kepler Klinikum Linz, in der Radiosendung. "Das heißt, jemand wird positiv getestet, und bekommt dann ein Medikament mit dem Ziel, einen schweren Verlauf möglichst zu verhindern." Das mache einen Riesenunterschied, so Johannes Steinhart, Vizepräsident der Österreichischen Ärztekammer und Bundeskurienobmann der niedergelassenen Ärzte, in einer Aussendung.

Dass der sofortige Schutz vor einer schweren Erkrankung auch helfen könnte, Long-Covid-Erkrankungen zu vermeiden, sei perspektivisch ebenfalls ermutigend. In der Studie wurde Budesonid sieben Tage lang genommen, bei zwei Inhalationen pro Tag.

Ärztekammer: Müssen jede Möglichkeit nutzen

"Wir müssen jede Möglichkeit nutzen, um Tote, Erkrankungen und Long-Covid-Fälle zu minimieren, bis wir endlich durchimpfen können. Das wird ja bekanntlich leider noch dauern, da wir einen gravierenden Impfstoffmangel haben", sagte Steinhart. "Das Ministerium sollte sich bei Budesonid um die Unterstützung von entsprechenden Folgestudien, internationale Vernetzung und standardisierte Therapieoptionen kümmern", forderte Steinhart abschließend.

Finanziert wurde die Studie an der Universität Oxford von AstraZeneca. Die Ergebnisse seien vielversprechend - mit Einschränkungen, sagte Lamprecht gegenüber dem ORF. Die betreffen etwa das Alter. In der Studie war das Durchschnittsalter 45 - in diesem Alter würden selten schwere Covid-19-Verläufe beobachtet, sagte Lamprecht. "Dort kommen sie zwar auch vor, aber nicht so häufig wie bei älteren Menschen oder Menschen mit anderen Grunderkrankungen."

Breitere Studie notwendig

Die Studienautoren weisen darauf hin, dass die Ergebnisse der Untersuchung mit relativ wenigen Patienten in einer breiter angelegten Studie bestätigt werden müssen. Man brauche "dringend" eine große Phase-III Studie mit etwa 1.000 Patienten, meinte dazu der Leiter des Zentrums für klinische Studien des Universitätsklinikums Jena, Frank M. Brunkhorst, gegenüber der Nachrichtenagentur dpa.

(APA/red)

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