Angeklagter wollte nicht „Buhmann“ sein

Foto: Bilderbox
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Im Wiener Straflandesgericht wird am Dienstag der Mordprozess gegen einen Fleischhauer wiederholt, der seine Freundin in der Nacht zum 15. Oktober 2005 in Wien-Favoriten erwürgt, zersägt und über Monate hinweg im Kühlschrank abgelegt haben soll.

Der OGH hat das Urteil der ersten Instanz – lebenslange Haft – aus formalen Gründen aufgehoben und eine Neudurchführung des Verfahrens angeordnet.

„Wer mich bedroht, der verliert!”, hatte der 31-jährige Fleischer die Polizisten nach seiner Festnahme wissen lassen. Seinen Angaben zufolge soll seine Freundin Ulrike H. (32) nachts mit einem Messer neben seinem Bett erschienen sein. Da habe er „leider falsch gehandelt”, hatte der Mann im ersten Rechtsgang angegeben. Er habe einen Würgegriff angewandt, um ihr das Messer zu entwenden. Zwei bis drei Minuten habe er die Frau gewürgt. Als sie sich nicht mehr rührte, will sich der Mann zunächst eine „angeraucht” haben. Anschließend zerstückelte er die Tote seinen Angaben zufolge im Badezimmer.

„Es tut mir Leid, dass ich Ihnen die unappetitlichen Details nicht ersparen kann“, entschuldigte sich Staatsanwältin Michaela Schnell, bevor sie auf die Zerstückelung des Opfers zu sprechen kam. Damit versuchte sie die Darstellung des Angeklagten zu widerlegen, er habe in Panik in einer Notwehrsituation gehandelt: „Wäre es Notwehr gewesen, hätte er ja die Polizei rufen können.“

Der 32-Jährige ließ das nicht gelten. Ihm hätte man als Vorbestraftem nicht geglaubt: „Es herrscht eine Voreingenommenheit, auch bei offiziellen Stellen.“ Er wäre auf jeden Fall „der Buhmann“ gewesen, also habe er die Leiche „zerlegt“, um so seiner Festnahme zu entgehen, erläuterte er: „Wenn i zur Polizei gangen wär’, würd i a da sitz’n. Der Freiheitsdrang jedes Menschen ist das Natürlichste an sich.“


Er habe nichts verborgen, meinte der Fleischer auf einen entsprechenden Vorhalt des Richters: „Auf dem Kühlschrank und auf den Verpackungsfolien (in die er die Leichenteile wickelte, Anm.) waren ja meine Fingerabdrücke!“ Er habe „Federn g’habt, dass mir was passiert“, erklärte er sein Handeln: „Auch ausgebildete Menschen verfallen in Panik!“

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