Ägypten: Erneut zahlreiche Tote bei Schießerei in Kairo

Unruhen in Ägypten nach Sturz Mursis halten an.
Unruhen in Ägypten nach Sturz Mursis halten an. ©EPA
Nach Tagen vergleichsweiser Ruhe eskaliert die Lage in Ägypten. Bei Gefechten vor dem Hauptquartier der Republikanischen Garden starben am Montag nach Angaben aus Sicherheits- und Medizinerkreisen mindestens 42 Menschen und 322 weitere wurden verletzt.

Die salafistische Nour-Partei kündigten daraufhin an, sich mit sofortiger Wirkung aus den Verhandlungen über die politische Zukunft des Landes zurückzuziehen. Nach Militärangaben kam es zu den Zusammenstößen, als Angreifer versuchten, den Offiziersclub der Republikanischen Garde zu stürmen. Zuvor hatte es in Kairo Gerüchte gegeben, dass sich der vom Militär gestürzte Präsident Mohammed Mursi dort aufhalten könnte. Ein Offizier wurde nach Armeeangaben dabei getötet, 40 Soldaten wurden verletzt. Das Militär nahm nach eigenen Angaben etwa 200 Bewaffnete fest. Sie hätten unter anderem Schusswaffen und Brandsätze bei sich gehabt, hieß es in der Stellungnahme der Armee.

Die unbewaffneten Anhänger der islamistischen Vereinigung seien beim Gebet erschossen worden. Der Sprecher der Organisation, Gehad al-Haddad, schrieb im Kurznachrichtendienst Twitter, Polizei und Armee hätten versucht, einen Sitzstreik der Mursi-Anhänger mit Gewalt aufzulösen. Die islamistischen Muslimbrüder riefen die Ägypter zum Aufstand gegen die Militärmachthaber auf, die Mursi in der vergangenen Woche abgesetzt hatten. “Die Partei Freiheit und Gerechtigkeit ruft das große ägyptische Volk auf, sich gegen die zu erheben, die die Revolution mit Panzern und gepanzerten Fahrzeugen stehlen wollen und dabei auch über Leichen gehen,” hieß es auf der Facebook-Seite der Bruderschaft.

Die Armee berichtete im staatlichen Fernsehen von einem Angriff einer “terroristischen Gruppe” auf das Gebäude.

Parteizentrale geschlossen

Die ägyptische Justiz ordnete zugleich am Montag die Schließung der Zentrale der Partei für Freiheit und Gerechtigkeit an. In dem Gebäude in der Hauptstadt Kairo seien Messer, brennbare Flüssigkeit und andere Waffen gefunden worden, die gegen Demonstranten eingesetzt werden sollten, erklärte ein Vertreter der Sicherheitskräfte am Montag. Die Partei für Freiheit und Gerechtigkeit ist der politische Arm der islamistischen Muslimbruderschaft.

Salafisten verlassen Gespräche

Die radikal-islamischen Salafisten zogen sich als Reaktion auf die blutigen Zusammenstöße am Montag aus den politischen Gesprächen zur Regierungsbildung zurück. Der Sprecher der Nour-Partei (Partei des Lichts), Nader al-Bakkar, erklärte über Twitter: “Wir haben als Reaktion auf das Massaker vor dem Club der Republikanischen Garde beschlossen, uns mit sofortiger Wirkung aus allen Verhandlungen zurückzuziehen.” Die Salafisten hätten sich zur Teilnahme an den Beratungen bereit erklärt, um Blutvergießen zu verhindern. “Nun fließt das Blut in Strömen”, fügte er hinzu.

Die ultra-konservative Nour-Partei hatte sich ursprünglich an der Suche nach einer neuen Führung in Ägypten beteiligt. Die Gespräche verliefen bisher jedoch erfolglos, weil sich die Salafisten laut Medienberichten gegen Favoriten wie den Friedensnobelpreisträger Mohammed El-Baradei und den Sozialdemokraten Siad Bahaa El-Din gestellt hatten und eine politisch neutrale Persönlichkeit verlangten.

El-Baradei forderte eine unabhängige Untersuchung der tödlichen Zusammenstöße. “Gewalt erzeugt Gegengewalt und sollte scharf verurteilt werden”, warnte er über den Kurznachrichtendienst Twitter. Ein friedlicher Übergang sei der einzige Weg für Ägypten.

Am Sonntagabend hatten in Kairo erneut Zehntausende Anhänger wie auch Gegner des gestürzten Präsidenten Mursi demonstriert. Gegner der durch das Militär beendeten Herrschaft der Islamisten strömten in großer Zahl auf dem Tahrir-Platz im Zentrum Kairos zusammen. Die Militärführung hatte den Präsidenten nach tagelangen Massenprotesten am vergangenen Mittwoch nach nur einem Jahr im Amt abgesetzt. Kritiker werfen Mursi vor, Ägypten zu islamisieren und machen ihn für die Wirtschaftsprobleme verantwortlich. Zum Übergangspräsidenten wurde der Chef des Verfassungsgerichtes, Adli Mansour, ernannt.

(APA/ red.) 

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