38 Buslenker am Wiener Reumannplatz ohne WC-Möglichkeit

©APA / Pixabay (Sujet)
Ein Streit zwischen den Wiener Linien und der Österreichischen Postbus AG hat aktuell zur Folge, dass für die Fahrerinnen und Fahrern zweier Bus-Linien am Reumannplatz in Favoriten keine offizielle Möglichkeit besteht, ein WC aufzusuchen.

"Kein Pausenraum, kein WC, Notdurft nur im Fast-Food-Lokal oder im Freien - das ist derzeit der Arbeitsalltag für 38 Buslenkerinnen und Lenker der Linien 68A und 68B im Jahr 2022 mitten in Wien," kritisierte Robert Wurm, Betriebsratsvorsitzender der Österreichischen Postbus AG, in einer Aussendung. Er nannte diese Zustände "unmenschlich". Ursache sei ein Streit zwischen den Wiener Linien und dem Postbus-Unternehmen über Räumlichkeiten und Pausenzeiten.

"Absurd und menschenverachtend": Sozialräume und Toiletten dürfen nicht mitbenutzt werden

Robert Wurm kritisiert die Wiener Linien scharf: "Unsere Buslenkerinnen und Buslenker sind auf den Linien 68A und 68B seit Jahren im Auftrag der Wiener Linien unterwegs. In ganz Österreich dürfen unsere Lenkerinnen und Lenker in so einem Fall die Sozialräume und Toiletten des Auftraggebers mitbenützen. Warum das seit 26. April 2022 am Reumannplatz auf einmal nicht mehr möglich sein soll, ist für uns völlig absurd und menschenverachtend."

Schon im Lockdown ein Problem: Wiener Linien-WC's geschlossen

Kein neues Problem: Bereits mitten in der Pandemie hätten die Wiener Linien den Lenkerinnen und Lenkern den Zugang zu den Toiletten am Reumannplatz wegen Umbauarbeiten untersagt. Ein Ausweichen auf umliegende Lokale sei nicht möglich gewesen, weil deren WC's pandemiebedingt geschlossen waren. Im August 2021 hätten die Wiener Linien und der Zentralbetriebsrat der Österreichischen Postbus AG dann eine Vereinbarung zur gemeinsamen Benutzung geschlossen. "Vor zwei Wochen haben die Wiener Linien diese Vereinbarung aber plötzlich einseitig und ohne Vorwarnung wieder gekündigt," beanstandet Wurm.

Postbus-Lenkerin nutzte Aufenthaltsraum: Auslöser für WC-Verbot?

Laut Betriebsrat argumentierten die Wiener Linien den einseitigen Widerruf der Vereinbarung so, dass sich eine Lenkerin nach Aufsuchen der WC-Anlage erlaubt habe, sich kurz im Aufenthaltsraum niederzusetzen.

Der Betriebsrat will das nicht gelten lassen: "Ich bin überzeugt, dass die beiden Unternehmen hier eine Lösung finden. Aber wenn nicht, können die Wiener Linien unseren Lenkerinnen und Lenkern nicht von heute auf morgen einfach den Kloschlüssel wegnehmen und ausrichten, dass sie selbst schauen sollen, wo sie ihre Notdurft verrichten. So kann man mit Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern im Jahr 2022 in Wien nicht umgehen. Egal ob es sich um die eigenen Mitarbeiterinnen handelt oder um die Mitarbeiterinnen des Auftragnehmers", so Zentralbetriebsrat Wurm.

Adäquate Pausen- und Sanitärräume: Betriebsrat forderte auch klarere Gesetze

Außerdem beklagt der Betriebsrat, dass es künftig klarere gesetzliche Regelungen dazu benötige, wer den Buslenkerinnen und Buslenkern adäquate Pausen- und Sanitärräume zur Verfügung stellen müsse. "Es kann nicht sein, dass der Arbeitnehmerschutz vor lauter Kostendruck komplett unter die Räder kommt, sodass unsere Lenkerinnen und Lenker nicht einmal ihre grundlegendsten menschlichen Bedürfnisse stillen können", kritisiert Wurm.

Autobus-WC-Affäre: FPÖ kündigt rechtliche Schritte an

Über die geschlossenen Toiletten und Aufenthaltsräume für Busfahrerinnen und Busfahrer im Auftrag der Wiener Linien am Reumannplatz echauffierte sich am Mittwoch auch die FPÖ Wien in einer Aussendung. Man wetterte über offenbar "irrelevanten Arbeitnehmerschutz". Die Freiheitlichen forderten, den gesetzeskonformen Zustand umgehend herzustellen und kündigen rechtliche Schritte durch eine Anzeige beim Arbeitsinspektorat sowie bei der Gewerbebehörde an.

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