2,8 Mio. veruntreut: Ab Montag Prozess gegen Ex-Anwalt in Salzburg

Salzburg - Nach der mutmaßlichen Veruntreuung von 2,8 Mio. Euro an Klientengeldern und acht Jahren Flucht im Ausland steht Ex-Wirtschaftsanwalt Friedrich L. (59) am kommenden Montag und Dienstag vor einem Salzburger Schöffengericht.
Wegen “Beitragstäterschaft” mitangeklagt ist seine Lebensgefährtin Brigitte H. (40), die sich mit dem Salzburger im Herbst 2001 nach Italien abgesetzt hatte. Das Paar wurde im Juli 2009 in der Toskana verhaftet und zum Jahreswechsel in die Heimat ausgeliefert.

14 geschädigte Privatpersonen und drei Immobilienfirmen werden den Prozess wohl mit großem Interesse verfolgen. Denn der ehemalige Rechtsanwalt soll sich mit ihrem Geld bereichert haben, wie der Vorwurf der Staatsanwaltschaft lautet. Ende 1999 sei der Advokat, der “privat ein aufwendiges Leben führte”, zahlungsunfähig geworden. Um finanzielle Löcher zu stopfen und den Kontokorrentrahmen des Kanzleibetriebskontos nicht zu überschreiten, habe er ab diesem Zeitpunkt das großteils für die Abwicklung von Kaufverträgen anvertraute Mandantengeld “rechtswidrig auf seine Konten überwiesen oder in bar abgehoben”.

Dennoch sei es Friedrich L. nicht gelungen, seine Schulden abzubauen, steht in der 47 Seiten langen Anklageschrift. 2001 habe das Kanzleikonto einen negativen Saldo von 3.786.271 Schilling (275.159 Euro) aufgewiesen. Im Juli 2001 hatte der Wirtschaftsanwalt “nach seiner Einschätzung nur mehr zwei Möglichkeiten: Entweder bei der Rechtsanwaltskammer Selbstanzeige zu erstatten, verbunden mit einem Straf- und Konkursverfahren, oder unterzutauchen”. L. entschied sich für Letzteres. Den Plan zur Flucht habe er “um den 14. September 2001” gefasst, zusammen mit seiner neuen Liebe Brigitte H. (40), einer Köchin und Bürokauffrau aus Oberösterreich.

“Zu diesem Zeitpunkt war klar, dass das neue Leben im Ausland mit den veruntreuten Treuhandgeldern finanziert wird. Brigitte H. sicherte ihm zu, ihn bei der Verbringung der Gelder zu unterstützen”, konstatiert die Salzburger Anklagebehörde. Ab September 2001 kam es dann “zu massiven Zugriffen auf die Treuhandgelder”, insgesamt soll er alleine ab diesem Zeitpunkt rund 27.200.000 Schilling (1,98 Mio. Euro) behoben und ins Ausland transferiert worden – nach Deutschland, England, Italien und Liechtenstein.

Sehr weit war das Paar allerdings nicht gereist. Es ließ sich am 21. Oktober 2001 in der Toskana nieder, rund 700 Straßenkilometer von der Stadt Salzburg entfernt. Mit im Gepäck: Ein Koffer mit rund 25 Mio. Schilling (1,82 Mio. Euro) in bar. Unter falschen Identitäten bauten sie sich ein neues Leben auf, gründeten eine Kapitalgesellschaft, kauften ein Haus um rund 520.000 Euro in Lucolena bei Florenz, verkauften es 2005 und erwarben eine Liegenschaft in Reggello. Das Paar lebte laut Anklage “von den veruntreuten Geldern, der Vermietung einer Segeljacht und Appartements im Haus in Reggello und dem Verkauf von Olivenöl”.

Bereits Ende Oktober 2001 teilte die Bundespolizeidirektion Salzburg Brigitte H. am Telefon mit, dass nach den beiden intensiv gefahndet wird. Am 7. Dezember 2001 berichtete die TV-Sendung “Aktenzeichen XY” von dem per internationalen Haftbefehl gesuchten Paar. “Sie wussten davon, stellten sich aber nicht der Behörde”, steht in der Anklage. Erst am 30. Juli 2009 klickten in Reggello die Handschellen. Die italienische Finanzpolizei nahm das Duo bei einer Kontrolle der Pension fest. Es wurde inhaftiert und einige Monate später nach Salzburg ausgeliefert.

Friedrich L. sitzt in U-Haft, seine Freundin kam auf Kaution von 3.000 Euro frei. Die beiden haben laut Staatsanwaltschaft 781.000 Euro von 2001 bis zur Festnahme in Italien verbraucht. Von den veruntreuten Geldern sichergestellt wurden 30.000 Euro bei einer Bank in Bozen, 640.000 Euro auf einem Stiftungskonto in Liechtenstein und eine Inhaberaktie von dem Hauskauf in Reggello “im Wert von mindestens 525.000 Euro”. Der Verbleib der restlichen Gelder ist ungeklärt.

Der Ex-Wirtschaftsanwalt habe anfangs Brigitte H. erklärt, bei den veruntreuten Geldern handle es sich um Schwarzgeld. H. habe aber zahlreiche Geldbehebungen durchgeführt. Auch die professionelle Vorgehensweise bei der Flucht würden auf einen gemeinsamen Tatplan hindeuten, meint die Anklagebehörde. Friedrich L. ist nach den Angaben seines Anwaltes Raimund Danner gänzlich geständig, H. zum Teil. Sechs Zeugen und ein Buchsachverständiger sind beantragt. Im Falle einer Verurteilung wegen teils versuchter, teils vollendeter Veruntreuung droht den beiden eine Freiheitsstrafe von einem Jahr bis zu zehn Jahren.

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