AA

16. Jahrestag von Tschernobyl

Mit Kranzniederlegungen und Ansprachen hat sich die Ukraine am Freitag an die verheerende Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor 16 Jahren erinnert.

In Kiew fand die erste Gedenkfeier um 1.24 Uhr Ortszeit statt, genau zu dem Zeitpunkt, als am 26. April 1986 der Reaktorblock Vier explodierte. Die Katastrophe hatte weite Teile Osteuropas radioaktiv verseucht.

Am Vormittag legten Präsident Leonid Kutschma und Regierungschef Anatoli Kinach Blumen am Ehrenmal der „Helden von Tschernobyl“ nieder, während ein Militärorchester einen Trauermarsch spielte. Parlamentsvorsitzender Iwan Pljuschtsch rief die internationale Gemeinschaft zu weiteren Hilfen bei der Beseitigung der Folgen des Unglücks auf. „Tschernobyl ist nicht die Schuld der Ukraine, sondern ihr Elend“, sagte er nach Angaben der Agentur Interfax. Der letzte Block des Unglücksreaktors war erst im Dezember 2000 nach finanziellen Zusagen aus dem Westen abgeschaltet worden.

Die bisher folgenschwerste Katastrophe in der zivilen Nutzung der Kernenergie traf Millionen von Menschen, auch wenn das genaue Ausmaß der durch die Radioaktivität ausgelösten Krankheiten und Todesfälle umstritten ist. Die ukrainischen Behörden haben 4.299 Todesfälle als direkte Folge des Unglücks anerkannt. Die Gesamtzahl der Todesfälle in den vergangenen zehn Jahren, die mit der Tschernobyl-Katastrophe in Verbindung gebracht werden, beläuft sich nach inoffiziellen Schätzungen auf 170.000.

16 Jahre nach dem Unglück verseucht der Katastrophen-Reaktor von Tschernobyl seine Umgebung noch immer mit radioaktivem Material. Der Betonmantel über dem Reaktor habe mittlerweile Löcher und Spalten, die sich über eine Gesamtlänge von einem Kilometer erstreckten, sagte der Chef der ukrainischen Kommission für Radioaktive Sicherheit, Dmitri Grodsinski, der russischen Tageszeitung „Iswestija“.

  • VIENNA.AT
  • Chronik
  • 16. Jahrestag von Tschernobyl
  • Kommentare
    Die Kommentarfunktion ist für diesen Artikel deaktiviert.