138-facher Autodieb verursachte in Wien 500.000 Euro Schaden

Innenministerin Johanna Mikl Leitner berichtete bei einer Pressekonferenz in Wien Details zum Autodieb
Innenministerin Johanna Mikl Leitner berichtete bei einer Pressekonferenz in Wien Details zum Autodieb ©APA/HERBERT NEUBAUER
Wie bereits berichtet, gelang es Wiener Kriminalisten, einen Autodieb zu schnappen, der in Wien seit November 2010 sein Unwesen trieb. Der Mann ist ein tschechischer Staatsbürger, der als Teil einer mazedonischen Automafia-Gruppierung 138 Fahrzeuge gestohlen haben soll.
Shefik N. und sein Werkzeug
Pressekonferenz zum Thema
Autodieb gefasst

Ein bedeutender Schlag gegen die internationale Autoschieberszene: Mindestens 138 Autos soll der Autodieb im Laufe der Monate gestohlen haben, wie Innenministerin Johanna Mikl-Leiter am Montagvormittag bei einer Pressekonferenz in Wien bekanntgab. Zugeschlagen haben soll der 56-jährige gebürtige Tscheche vor allem im westlichen Wien, in den Bezirken Ottakring und Hernals.

Auf frischer Tat ertappt wurde der Autodieb schließlich bei einem Coup in der Rosensteingasse in Hernals, wo er den Kriminalisten nach längerer Observierung ins Netz ging. Es stellte sich heraus, dass der 56-Jährige Teil einer Bande aus Mazedonien war. Durch die Fahrzeuge, die er in Wien 16 und 17 gestohlen hat, entstand ein Schaden von rund einer halben Million Euro, wie Mikl-Leitner angab. An ihrer Seite standen jene Ermittler, denen es gelang, den Tschechen dingfest zu machen.

Autodieb im November 2010 fast geschnappt

Bei seinen Raubzügen hatte der mutmaßliche Autodieb übrigens spezielle Vorlieben – er hatte es speziell auf Pkws der Marke VW Golf und Skoda, die dunkel lackiert waren. Auf Beutezug ging er vorwiegend in der Nacht, nachdem er in einem Hotelzimmer Stellung bezogen und die gewünschten Fahrzeuge ausgiebig ausgekundschaftet hatte. Alles, was er für die Autoeinbrüche brauchte, erstand der 56-Jährige im Internet. Wenn er zuschlug, war der Täter stets mit einem Fahrrad unterwegs.

“Bereits im November 2010 hatten wir fast schon Erfolg, doch da ist uns der Täter davongeradelt”, erinnerte sich Oberst Georg Rabensteiner, der mit den Ermittlern vom Landeskriminalamt Wien (Außenstelle West, Gruppe Bahmer) dem Täter schon länger auf der Spur war. Denn im Bereich Ottakring und Hernals waren bereits damals zahlreiche Kraftfahrzeugdiebstähle gemeldet worden. Als die Beamten den mutmaßlichen Autodieb im November 2010 in der Hasnerstraße in Ottakring erblickten, nützte dieser, der wie immer mit dem Fahrrad unterwegs war, eine Reihe von Pollern, die den Polizeistreifen die Weiterfahrt unmöglich machten. Dass er gerade noch entkam, jagte dem Tschechen offenbar Angst ein, denn die Diebstahlsserie wurde erst im August 2011 fortgesetzt.

Details zum Vorgehen des Diebes

Die Vorgangsweise war dabei immer die selbe. Der Autodieb mietete sich ein Hotelzimmer, kundschaftete tagsüber abgestellte Pkw aus und rückte ihnen dann ab 2.00 Uhr mit professionellem Werkzeug zu Leibe. Rabensteiner präsentierte dabei sichergestellte Gegenstände, wie etwa einen “Kraftschlüssel”, einen dicken Metallrohling, mit dem man ein Autoschloss problemlos aufdrehen kann. Oder aber auch ein On-Board-Diagnose-Tool, das Wegfahrsperren deaktiviert. “Dauert nicht länger als eine Minute”, so der Ermittler. Detail am Rande: All diese Utensilien seien um wenig Geld im Internet erhältlich.

Am 12. Jänner 2012 dann ein entscheidender Ermittlungserfolg: An der slowenisch-kroatischen Grenze flog ein Pkw mit tschechischen Kennzeichen und gefälschen Papieren auf. Rasch stellte sich heraus, dass der Gesuchte von Brünn aus operierte. Die Ermittler intensivierten nochmals den Kontakt zu ausländischen Behörden und erhielten die Mitteilung, dass ein Mitglied einer aus Tschechien agierenden Tätergruppe mit einer Reisegruppe auf dem Weg nach Wien sei.

Shefik N. ist nicht geständig

Die Kriminalisten observierten den Mann und konnten ihn schließlich in flagranti am 3. Februar 2012 um 02.10 Uhr in der Rosensteingasse in Wien-Hernals festnehmen. In seinem Hotelzimmer stellten die Beamten Kennzeichen, Zulassungspapiere, Autobahnvignetten, Gestellnummerplaketten und Einbruchswerkzeug aller Art sicher. Durch umfangreiche Ermittlungen konnten die Fahnder rund um ihren erst kürzlich zum “Kriminalisten des Jahres 2011” gekürten Chefinspektor Friedrich Bahmer dem Beschuldigten 138 Kraftfahrzeugdiebstähle nachweisen. Die Gesamtschadenssumme beträgt jüngsten Angaben zufolge mehr als 450.000, – .

Der 56-jährige Shefik N. ist zu den Straftaten nicht geständig. Die Kriminalisten gehen von der Möglichkeit aus, dass der mutmaßliche Autodieb deutlich mehr als die bekannten 138 Pkws gestohlen haben könnte. 

  • VIENNA.AT
  • Wien
  • 138-facher Autodieb verursachte in Wien 500.000 Euro Schaden
  • Kommentare
    Kommentare
    Grund der Meldung
    • Werbung
    • Verstoß gegen Nutzungsbedingungen
    • Persönliche Daten veröffentlicht
    Noch 1000 Zeichen