125 Jahre Wiener Volkstheater: "Was soll das Volk im Theater"?

Tag der offenen Tür im Wiener Volkstheater.
Tag der offenen Tür im Wiener Volkstheater. ©APA/Sujet
Am Sonntag (14.9.) feiert das Volkstheater Wien sein 125-jähriges Bestehen. Mit Tag der Offenen Tür, Buchpräsentation, Ausstellungseröffnung und Jubiläumspremiere ist es ein dichter Feiertag. Jedoch herrscht aktuell nicht nur Feierstimmung im Haus.
Eigene Spenden-Kampagne

Intendan tMichael Schottenbergdazu: “Ich freue ich mich daher, dass der Geburtstag noch in meine Ägide fällt.” Bei der Gründung des Theaters 1889 “hat man einem Volk ein Theater überantwortet und ihm damit Gutes gewünscht und getan”, so Schottenberg.

“Es war eine Antwort auf das k.u.k. Hofburgtheater, ein Theater für das Volk, zu moderaten Preisen, mit frecheren Stücken.” Mit der damaligen Zielsetzung könne man sich heute durchaus noch identifizieren, wenngleich die Jagd nach neuen Stücken mittlerweile keine einfache, auch Marktgesetzen unterworfene Angelegenheit geworden sei.

Tag der offenen Tür

Der Tag der Offenen Tür wird u.a. mit einer Ausstellung zu den Architekten Ferdinand Fellner und Hermann Helmer, die das 970-Plätze Haus im Stil des Historismus errichtet haben, einem Film von Titus Hollweg (“Wir machen Theater, solange wir können!”, TV-Ausstrahlung am Sonntag um 10.15 Uhr in 3sat), Kulissenführungen, Lesungen in den Logen, Ausschnitten aus legendären Inszenierungen, Theateranekdoten und einem Historiker-Referat im ehemaligen “Führerzimmer” begangen.

Regisseur Andy Hallwaxx nimmt sich in einer Probe Ludwig Anzengrubers Volksstück “Der Fleck auf der Ehr” vor, mit dem das Haus eröffnet wurde. “Vom Requisitenkeller zum Schnürboden, von der Kantine bis zum Rangfoyer – kein Ort bleibt unbespielt”, wirbt das Haus.

125 Jahre Volkstheater: Renovierung nötig

“Was soll das Volk im Theater? – 125 Antworten aus 125 Jahren Volkstheater” heißt das Geburtstagsbuch, das an diesem Tag um 11 Uhr in der Roten Bar präsentiert wird. Die Antworten von 125 Persönlichkeiten reichen vom bündigen “Das Theater bevölkern!” von Thomas Schulte-Michels, der am Sonntagabend bei der Premiere von “Die Vögel” von Aristophanes den Spielbetrieb der Jubiläumssaison eröffnen wird, bis zu einer am Morgen des 24. Dezember abgeschickten Mail aus dem Häupl-Büro, in dem bedauernd mitgeteilt wird, “dass Herr Bürgermeister Ihrer freundlichen Einladung aus terminlichen Gründen nicht Folge leisten kann”.

Taube Ohren bei der Politik sind auch mit dafür verantwortlich, dass großflächige Plakate zum Start der Saison weniger Feier-, als Alarmstimmung verbreiten. Die Sujets zeigen Gesichter, denen die Augen fehlen. “Auch wenn Sie es nicht sehen wollen”, heißt es in großen Lettern dazu: “Keine Renovierung. Kein Theater. Tun wir was!” – “Wir weisen seit Jahren die verantwortlichen Gremien darauf hin, dass dieses Haus renoviert gehört. Sonst verliert man über kurz oder lang die Spielkonzession”, sagt Schottenberg.

Dramatisch unterfinanziert

Mit dieser “Bewusstseins-Kampagne” wolle man in Erinnerung rufen, dass man wie andere Theater dramatisch unterfinanziert sei, nur mit Mühe den Spielbetrieb aufrechterhalten und die auf 35 Mio. Euro veranschlagte und längst notwendige Generalsanierung (die letzte fand 1981 statt) aus Eigenem nicht tragen könne. Die Aufbringung eines namhaften Sockelbetrags von rund 10 Prozent sei aber “die Grundbasis, dass Stadt und Bund überhaupt ihre Ohren öffnen. Das ist aber nur möglich, wenn uns alle Menschen helfen, denen dieses Haus so sehr am Herzen liegt wie uns.”

Schottenberg ist seit 2005/06 künstlerischer Direktor des Volkstheaters und übergibt mit Ende der Saison die Leitung an Anna Badora, Intendantin des Grazer Schauspielhauses. Hätte er sich nicht auch einfach in aller Ruhe auf seine drei geplanten Abschluss-Inszenierungen konzentrieren und die Zores der Nachfolgerin überlassen können? “Ich finde das einen richtigen Zeitpunkt: Wann, wenn nicht jetzt, wenn wir so viele positive Aufmerksamkeit haben? Ich halte das für einen Akt der Selbstverständlichkeit. Ich möchte ja nicht ein Haus übergeben, das nicht mehr bespielbar ist. Das wäre mir zu Tode peinlich.” Er hoffe sehr, eine erste Renovierungs-Etappe bereits im Sommer, vor Beginn der neuen Intendanz, zu bewerkstelligen. “Das wäre das Schönste!”

125 Jahre Volkstheater: Tag der offenen Tür mit Vorträge, Führungen auf und hinter die Bühne, Ausstellungen, Filmen, Probenausschnitten und Lesungen. Am Sonntag, 14. September, 10-15 Uhr, Eintritt frei;

(Wolfgang Huber-Lang/APA)

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