100-Jahr-Jubiläum: Neue Glocken für Wiener Kirche am Steinhof

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Weihegottesdienst mit eigens komponierter Messe - Seit dem Ersten Weltkrieg hatte die Otto Wagner Kirche keine Glocken mehr.

Wiens größtes Jugendstiljuwel, Otto Wagners Kirche am Steinhof, feiert kommenden Sonntag ihr einhundertjähriges Bestehen. Als Geburtstagsgeschenk wird der Bau erstmals seit dem Ersten Weltkrieg wieder Glocken erhalten. Die drei Exemplare aus der Tiroler Glockengießerei Grassmayr wurden heute, Montag, angeliefert und werden am 7. Oktober in einem großen Festgottesdienst geweiht. Zu diesem Anlass kommt auch Paul Koutniks „Steinhof Jubiläumsmesse“ zur Uraufführung.

Das erste Mal ertönen werden die drei neuen Glocken allerdings erst am offiziellen Jubiläumstag, dem darauffolgenden Montag, im Rahmen eines Orgelkonzerts. Die größte findet im Westturm Platz und wurde von den beiden Landeshauptleuten Erwin Pröll (V) und Michael Häupl (S) gestiftet. Sie trägt die Inschrift „Der Friede bleibe in unserem Land“. Die mittlere und die kleinste Glocke werden im Ostturm hängen.

In den beiden Türmen waren nur wenige Jahre lang die Vorgänger der heutigen Glocken zu finden. „Im ersten Weltkrieg wurden sie aus dem Turm entfernt für die Waffenproduktion“, berichtete der Kustos der Kirche, Paul Keiblinger, im APA-Gespräch. Seither blieb die Kirche glockenlos und mithin stumm. Die Glockenweihe hat für den Kustos deshalb große Bedeutung: „Das ist der letzte Akt der Renovierung.“

Diese hatte im Jahr 2000 begonnen und insgesamt 11,6 Mio. Euro gekostet. Bei den Arbeiten wurden etwa die berühmten Koloman-Moser-Fenster des Baus durch Schutzglas vor Wetter und Vandalismus gesichert und die 1.800 Quadratmeter große Fassade aus zwei Zentimeter dicken Carrara-Marmorplatten erneuert. Vor allem erhielt die berühmte Kuppel wieder ihre Vergoldung.

Sie ist das Wahrzeichen des am 8. Oktober 1907 von Thronfolger Franz Ferdinand eröffneten Jugendstil-Sakralbaus, an dem Otto Wagner seit 1904 gearbeitet hatte. Sie krönte, auf einer Anhöhe gelegen, die damalige „Niederösterreichische Landes-Heil- und Pflegeanstalt Am Steinhof“ und thront heute über dem Psychiatrischen Zentrum Baumgartner Höhe.

Der Besuch des Kunstwerks ist für Interessierte nach wie vor schwierig: Die Kirche bleibt außer samstags ab 15.00 Uhr für die Öffentlichkeit gesperrt – gegen Voranmeldung sind Führungen aber möglich. Man habe leider die Erfahrung gemacht, dass die Kirche als Toilette verwendet werde, wenn sie ohne Aufsicht geöffnet sei, bedauert Kustos Keiblinger.

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