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10.000 Menschen beteten in der Wiener Stadthalle für Sebastian Kurz

Sebastian Kurz legte bei seiner Wahltour einen Zwischenstopp in der Wiener Stadthalle ein.
Sebastian Kurz legte bei seiner Wahltour einen Zwischenstopp in der Wiener Stadthalle ein. ©APA/Barbara Gindl
Am Wochenende fand das christliche Großevent "Awakening Austria" in der Wiener Stadthalle statt. Auch Ex-Bundeskanzler Sebastian war zu Gast und Tausende beteten für ihn.

Sowohl Sebastian Kurz als auch Kardinal Schönborn haben am christlichen Großevent "Awakening Austria" in der Wiener Stadthalle teilgenommen. Rund 10.000 meist junge Erwachsene waren mit dabei.

Nachdem Kurz sich beeindruckt über die Menge an Besuchern äußerte sprach der aus Australien stammende Leiter der Bewegung, Ben Fitzgerald, für den Ex-Bundeskanzler ein "Segensgebet": „Gott, wir danken dir so sehr für diesen Mann. Für die Weisheit, die du ihm gegeben hast. Für das Herz, das du ihm für dein Volk gegeben hast“, sagte er unter anderem. Die Besucher hoben die Hände und jubelten.

Tausende beteten für Sebastian Kurz in der Wiener Stadthalle

Der Sprecher von Sebastian Kurz meldete sich daraufhin auf Twitter zu Wort und erklärte, dass es sich um eine spontane Idee gehandelt hatte.

Das Video ging noch am selben Tag viral und zahlreiche meldeten sich bei Twitter zu diesem "Gebet" zu Wort. So auch Armin Wolf und Jan Böhmermann.

Kritik nach "Segensgebet"

Kritiker sehen darin einen Missbrauch der Religion für Wahlkampfzwecke. In sozialen Medien mussten sich Kurz und die Veranstalter des Großevents dafür einiges an Kritik gefallen lassen - und zwar auch von kirchlicher Seite. So warnte die Direktorin der evangelischen Diakonie, Maria Katharina Moser, vor einem "Missbrauch des Gebets" für Wahlkampfzwecke: "Die Kirchen sollten sich hüten, sich vor den parteipolitischen Karren spannen zu lassen, egal welcher Partei", schrieb sie auf Twitter.

Und ihr Kollege von der katholischen Caritas, Michael Landau, verwies angesichts der Inszenierung auf offener Bühne schlicht auf das Gebot des Matthäus-Evangeliums, im Privaten zu beten ("Du aber geh in deine Kammer, wenn du betest, und schließ die Tür zu") - "Von Stadthalle steht da nichts."


Kritik von Strolz

Gegründet wurde "Awakening Europe" von Fitzgerald, der selbst angibt, als früherer Drogendealer Jesus begegnet zu sein.

Der frühere NEOS-Chef Matthias Strolz reagierte auf die Kurz-Segnung auch mit Kritik an der katholischen Kirche: "Als kritischer Katholik am Rande der Kirche hab ich gestern einen Arschtritt bekommen", so Stolz auf Twitter. Er wisse noch nicht, wie er den nehmen solle: "Scheinheiligkeit, Doppelbödigkeit, Naivität, verunfalltes Pop-Event oder Aufforderung zum Austritt..."

Katholische Kirche versteht Kritik nicht

Die katholische Kirche kann die Kritik am "Segensgebet" für Ex-Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) nicht nachvollziehen. "Ganz klar ist mir die Kritik nicht", sagte Michael Prüller, Pressesprecher der Erzdiözese Wien, am Montag zur APA. "Wir sind als Christen aufgefordert, für Politiker zu beten", sagte er. Als "sehr befremdlich" bezeichnete indessen die FPÖ den Auftritt.

Eine parteipolitische Vereinnahmung konnte Prüller nicht erkennen. Das Gebet habe weder Kurz' Partei gegolten noch habe man für seinen Erfolg gebetet. Es habe sich außerdem um eine ökumenische Veranstaltung gehandelt, die katholische Kirche sei daran nicht offiziell beteiligt gewesen, wies er Kritik an der katholischen Kirche zurück. Es hätten lediglich Vertreter daran teilgenommen, darunter eben auch Kardinal Christoph Schönborn.

"Sehr befremdlich" findet dagegen die FPÖ den gemeinsamen Auftritt von Kurz und Prediger Fitzgerald. "Mit diesem sektenähnlichen Verhalten wurde eine klare Grenze überschritten. Wenn jemand wie Fitzgerald nach einer Drogendealerkarriere behauptet, Jesus getroffen zu haben und dann 10.000 Menschen in der Wiener Stadthalle auffordert, Sebastian Kurz zu huldigen, ist das nicht nur peinlich, sondern bedenklich", so Generalsekretär Christian Hafenecker in einer Aussendung. Er erinnerte Kurz daran, dass in Österreich die Trennung von Staat und Kirche gelebt werde. "Ein Spitzenpolitiker sollte sich daher für eine solche Aktion nicht hergeben", befand Hafenecker.

Kurz selbst überrascht

Altkanzler Sebastian Kurz hat seine Teilnahme am evangelikalen Großevent "Awakening Europe" verteidigt. Er selbst habe "nichts Verwerfliches gesagt", meinte der ÖVP-Chef bei einer Pressekonferenz am Montag. Vom "Segensgebet" des Predigers Ben Fitzgerald sei er selbst überrascht gewesen: "Ich wusste davon nichts." Kritik an dem Gebet für Kurz kommt vom evangelischen Bischof Michael Bünker.

"Wer das Video sieht, sieht mir vielleicht an, dass ich etwas überrascht und starr reagiert habe für meine Verhältnisse", sagte Kurz. Er sei immer wieder bei Religionsgemeinschaften zu Gast gewesen - bei Juden, Christen, beim islamischen Fastenbrechen - und habe am Sonntag gemeinsam mit Kardinal Christoph Schönborn an einer ökumenischen Veranstaltung in der Stadthalle teilgenommen. Den australischen Pastor habe er vorher nicht gekannt.

Scharfe Kritik von Liste JETZT

Der evangelisch-lutherische Bischof Michael Bünker hat sich indessen von der Veranstaltung distanziert. Die evangelischen Kirchen in Österreich seien nicht an dem Event beteiligt gewesen, betonte er in einer Aussendung. Es sei "selbstverständlich, dass wir für alle politischen Amtsträgerinnen und Amtsträger beten. Die Bibel beauftragt uns, sie ins Gebet zu nehmen". Dabei sei jedoch die Unterscheidung von Religion und Politik wichtig. "Es muss der Eindruck vermieden werden, dass dadurch einseitig Stellung genommen wird", warnte Bünker. Religion dürfe nicht für politische Zwecke missbraucht werden.

Schärfere Worte fand Liste JETZT-Abgeordneter Peter Pilz: "Es ist peinlich, wenn sich ein Altkanzler an fundamentalistische religiöse Sekten anbiedert und für sich beten lässt. Gefährlich wird es, wenn er den Religionskampf dieser Sekten unterstützt", hieß es in einer schriftlichen Stellungnahme gegenüber der APA. Pilz forderte von Kurz eine klare Distanzierung von den Zielen von "Awakening Europe".

Veranstalter sehen Nerv getroffen

Die Veranstalter des Segengebets sehen das starke mediale Echo als Bestätigung dafür, einen Nerv getroffen und ein Bedürfnis erfüllt zu haben. Eingeladen hätte man auch Politiker anderer Fraktionen.

Dass es just Kurz war, hängt laut Awakening Europe Österreich damit zusammen, dass er zur Zeit der Einladung Regierungschef gewesen sei: "Wir hätten auch jeden anderen Bundeskanzler eingeladen, ganz egal welcher Partei er oder sie zugehört", heißt es in einer Aussendung. Da Kurz nach erfolgter Zusage nicht mehr Bundeskanzler gewesen sei, habe man sein Kommen in keiner Weise kommuniziert: "Auch das sollte unterstreichen, dass es sich keineswegs um einen politischen Programmpunkt handelte."

Überdies sei bei Awakening Europa für alle Verantwortlichen Österreichs, also auch für alle Politiker mehrfach gebetet worden. Das Gebet für Kurz sei eine spontane Idee Ben Fitzgeralds und mit dem Altkanzler nicht abgesprochen gewesen.

(APA/Red)

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