Fahrlässig

©APA/FRANZ NEUMAYR
Gastkommentar von Johannes Huber. In der Pandemie sind die Landeshauptleute Stelzer und Haslauer viel zu weit gegangen mit ihren Beschwichtigungen. Sie haben es auf einen Lockdown und viele Opfer ankommen lassen.

Wien kann sich glücklich schätzen, Michael Ludwig zum Bürgermeister zu haben. Der Sozialdemokrat macht nicht alles gut und Praktiken, wie Inseratenkorruption, muss man ihm zum Vorwurf machen, in der Corona-Pandemie bemüht er sich jedoch, bestmögliches im Sinne der Volksgesundheit zu leisten. Um Ostern, als die dritte Welle ihren Höhepunkt erreichte, begann der 60-Jährige, auf den Rat von Expertinnen und Experten zu hören. Ergebnis davon waren und sind der Lockdown in der Ostregion, eine bis heute recht gut funktionierende PCR-Teststrategie – und letzten Endes wohl die Tatsache, dass die Bundeshauptstadt heute österreichweit die niedrigste Inzidenz bestätigter Neuinfektionen aufweist.

Das kann sich ändern und auch Wien kann noch Schlimmeres bevorstehen. Was sich Ludwig aber nicht vorwerfen lassen muss, ist, dass er – wie etwa Altkanzler Sebastian Kurz (ÖVP) – im Sommer zu Sorglosigkeit ermuntert und den Eindruck vermittelt hätte, dass alles vorbei sei.

Ebenso wenig kann man Ludwig ankreiden, dass er die Entwicklungen verharmlose. Im Gegenteil, er zählt zu denen, die Dinge beim Namen nennen und frühzeitig reagieren. Das ist ein großer Unterschied zu den Landeshauptleuten Thomas Stelzer (Oberösterreich) und Wilfried Haslauer (Salzburg).

Vor einer Woche noch tat Stelzer so, als würde es keine Probleme geben, zumal man ohnehin viele Intensivbetten habe. Keine 24 Stunden später musste er das nach schockierenden Berichten aus Spitälern korrigieren. Mittlerweile hat er einen Lockdown angekündigt. Für dutzende Menschen kommt ein solcher zu spät. Sie sind bereits gestorben oder liegen im Sterben.

Ähnlich der Salzburger Haslauer, der ebenfalls der ÖVP angehört: Noch Mitte dieser Woche wollte er darauf setzen, dass sich mehr Menschen impfen lassen. Zumal das erst irgendwann im Dezember wirken würde, war das fahrlässig. Am Donnerstag kündigte auch er einen Lockdown an, der vor allem auch Schulschließungen mit sich bringen soll; sein Zögern ist somit auch zum Schaden der gesamten Jugend.

Man könnte meinen, die beiden seien abschreckendes Beispiel genug: Aber nein, der Tiroler Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) will Haslauers gescheitertes Impf-Experiment nachmachen und mit einem Lockdown zuwarten. Zu befürchten ist, dass damit nicht nur die Intensivstationen volllaufen, sondern auch Bestatter zusätzliche Arbeit bekommen. Die politische Verantwortung dafür trägt Platter. Das muss man ihm und Seinesgleichen in aller Deutlichkeit sagen.

Dass sie das vor allem auch tun, um ihrem Bundesparteiobmann Sebastian Kurz bei seinen Bemühungen um eine Rückkehr ins Kanzleramt behilflich zu sein, macht die Sache nicht besser, sondern verwerflicher: Es geht ihnen nicht darum, allen Menschen in ihrem Land zu dienen, sondern eher dem einen, der keine Fehler eingestehen und daher auch um jeden Preis einen Lockdown verhindern möchte; ein solcher unterstreicht, dass seine Behauptung vom Sommer, die Pandemie „gemeistert“ zu haben, vollkommen daneben war.

Johannes Huber betreibt den Blog dieSubstanz.at – Analysen und Hintergründe zur Politik

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