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„In den Alpen“

In regelmässigen Abständen verlautbart die Autorin Elfriede Jelinek ihren Rückzug vom Theater. Meist folgt bald darauf ein neuer Bühnentext. Nun ist es wieder so weit.

Dieser Tage liefert der Berlin Verlag einen Band mit gleich drei neuen Stücken der Österreicherin aus: „In den Alpen“, „Der Tod und das Mädchen III“ und „Das Werk“ heissen die Texte, in denen Jelinek ihre Methode der fast beliebig auf verschiedene Sprecher aufteilbaren Textflächen nochmals radikalisiert hat. Eine Herausforderung für Leser wie für Regisseure.

Kapruner Tragödien

Diese Trilogie handle „von Katastrophen und dem Gegenteil von Katastrophen, dem Bau, dem Aufbau“, meint die Autorin in einer Nachbemerkung zu den Stücken. Die Gletscherbahn-Tragödie von Kaprun steht im Zentrum von „In den Alpen“, dem Stück, das im Juni Christoph Marthaler an den Münchner Kammerspielen uraufführen wird.

Die Arbeiter und Opfer des Staudammbaus von Kaprun stehen im Mittelpunkt von „Das Werk“, dem viel umfangreicheren Text, den Jelinek dem verstorbenen Theatermann Einar Schleef gewidmet hat. Überschneidungen sind immer wieder vorhanden und werden bisweilen ironisch kommentiert: „Ach so, falsches Stück, wir sind doch schon ein Stück weiter, wurscht, es handelt ja immer alles vom Tod, was ich sage.“

Sie nichts als sie

Die Autorin bleibt stets präsent in ihrem Text, nicht nur, wenn sie – wie in „Das Werk“ – sogar als eigene Figur auftritt. Mit Randbemerkungen und scherzhaften Eigenzitaten thematisiert sie immer wieder ihre Rolle, ihr Image und den Schreibvorgang selbst. Selten gönnt sie den einzelnen Figuren ein Eigenleben samt klar abgegrenzter Sprache und eigenständigen Gedanken.

Ob sie nun „Helfer“, „Kind“ oder „Bergrettungsmann“ heissen (wie bei „In den Alpen“) oder „Geissenpeter“, „Heidi“, „Schneeflöckchen und Weissröckchen“ (“Das Werk“), ist einerlei und eher als spöttisches Necken des Theaterbetriebs denn als sachdienlicher Hinweis für Rollengestaltung oder Sprechhaltung zu verstehen.

Gänzlich undramatisch

Wer die Herausforderung der Bühnenrealisierung annimmt, bekommt viel zu tun. Das dramatische Geschehen wird gänzlich undramatisch umgesetzt.

Neben zahlreichen aktuellen Anspielungen, von Hermann Maiers Motorrad-Unfall bis zu den Anschlägen des 11. September, ist auch umfangreiches Fremdmaterial in den Text verwoben:
Untersuchungsberichte und technische Unterlagen, Paul Celans „Gespräch im Gebirg“ oder Dokumente aus der Frühzeit des Alpinismus.

Und noch ein Prinzessinnendrama


Alle Themen des bisherigen Werks, Sport und Tourismus, Tod und Heimat werden in unterschiedlichen Konstellationen miteinander in Beziehung gesetzt. Aus diesem umfangreichen Kommentar gilt es erst, Spielsituationen zu schaffen.

Als zartes Einsprengsel inmitten gewaltiger Themen- und Textmassen wirkt „Der Tod und das Mädchen III“, mit dem Jelinek ihre „Prinzessinnendramen“ abschliesst: Nach Schneewittchen und Dornröschen folgt nun die Paraphrasierung von „Rosamunde“, einem 1823 im Theater an der Wien uraufgeführten und danach in Vergessenheit geratenen Stück von Helmina von Chezy, zu dem Franz Schubert die Bühnenmusik geschrieben hat. Notiz: Elfriede Jelinek, „In den Alpen“, Berlin Verlag 2002, 240Seiten.

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