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„Zum Lachen in den Keller“ - Buch über 95 Jahre Kabarett Simpl

www.simpl.at
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Aus der Maturaarbeit wurde eine umfangreiche Chronik über eine Wiener Institution. Die junge Autorin Julia Sobieszek recherchierte und schrieb über die Geschichte des 1912 gegründeten Hauses.

Zu einer für das Kabarett recht ungewöhnlichen Tageszeit lud der Amalthea Verlag heute, Montag, Vormittag zur Buchpräsentation „Zum Lachen in den Keller – Der Simpl von 1912 bis heute“ ins Kabarett Simpl. Rechtzeitig zum 95-Jahr-Jubiläum des Hauses hat die 1986 geborene Theaterwissenschafterin Julia Sobieszek eine eindrucksvolle Chronik der traditionsreichen Bühne an der Wollzeile 36 vorgelegt. Auf fast 300 Seiten hat die Studentin einen Bogen von den Anfängen über die schwierige NS-Zeit bis hin zu Karl Farkas und schließlich die jüngere Generation um Michael Niavarani gespannt, von dem auch das Vorwort stammt.

Betont angeschlagen begrüßte Gerold Rudle das nicht sehr zahlreich erschienene Publikum, das zu dieser „frühen Stunde“ gekommen war, um einen bunten Streifzug durch den Humor des 20. Jahrhunderts zu erleben. Den Anfang machte Rudle selbst mit einer kurzen Lesung aus einem Text Paul Morgans, in dem er seinen Weg vom „ernsthaften Schauspieler“ ins Kabarett Simpl aufs Korn nahm. Noch bevor Niavarani und Sobieszek das Buch vorstellten, trugen Werner Brix und Gregor Seberg die „Gespräche über Einstein“ von Fritz Grünbaum und Farkas vor, Monica Weinzettl schlüpfte in die Rolle von Gisela Werbezirk, die ihr Publikum 1916 mit einer „Gerichtsszene“ begeisterte.

Sigrid Hauser gab schließlich ein Lied von Dolores Schmidinger zum Besten („I bin in Ottakring daham“). Den Höhepunkt des Vormittags – den alle Beteiligten konsequent als „Abend“ bezeichneten – bildete jedoch der Auftritt von Ernst Stanovski, der als Ehrengast – als einziger ohne Mikrofon und elegant im Smoking – einige Gedichte Fritz Grünbaums rezitierte und von anwesenden Kollegen und Freunden gefeiert wurde.

Am Ende des einstündigen Programms stellte Julia Sobieszek ihr Buch vor, an dessen Gerüst sie schon im Rahmen einer Maturaarbeit geschrieben hatte. Schon mit 14 sei sie in Viktor Gernot verliebt gewesen, nach den zahlreichen Kabarett-Besuchen in Wien und Salzburg habe sie sich schon als junges Mädchen darum gerissen, nach den Programmen mit den Kabarettisten „noch was trinken“ zu gehen, wie Rudle erzählte. Mit eben dieser Hartnäckigkeit und viel Enthusiasmus habe sie sich auch in die Arbeit an „Zum Lachen in den Keller“ gestürzt.

Herausgekommen ist ein Geschichtsbuch, das trotz der wissenschaftlichen Herangehensweise nicht zuletzt durch die zahlreichen Zitate aus Interviews, Fotos und Faksimiles lebendig zu lesen ist. Es ist ein Buch über die guten und schlechten Zeiten des Hauses und seine Stars, in mehreren Kapiteln beschäftigt sich Sobieszek mit der Verfolgung mehrerer Künstler während der NS-Zeit – Grünbaum etwa starb 1941 im KZ Dachau, Morgan 1938 in Buchenwald. Abgeschlossen wird der Band mit dem Kapitel „Einfach GENIAL – Michael Niavarani und der ’Simpl’“, was für Niavarani und Co. als Zeichen gedeutet wurde: „Die Geschichte ist schon geschrieben.“

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