„Hütchenspieler“ erobern Mariahilfer Straße

Symbolfoto
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Die „Hütchenspieler“ haben die Wiener Mariahilfer Straße erobert - „Es ist eine richtige Plage“ - Ab September in der Bundeshauptstadt verboten und dann laut Justizministerium auch strafbar.

Montag, 17.00 Uhr, Wiener Mariahilfer Straße: Im Abstand von 50 Metern versuchen mehrere „Hütchenspieler“ Passanten dazu zu bewegen, auf eine der drei Schachteln zu setzen, zwischen denen sie auf einem auf dem Boden ausgebreiteten Filz blitzartig eine Papierkugel hin- und herbewegen und zuletzt unter einer verschwinden lassen. „Wo ist sie? Wo ist sie? 50 Euro!“ ermuntern sie zum Einsatz. „So arg war’s noch nie. Es ist eine richtige Plage“, klagte ein Geschäftsinhaber der APA.

Schwindel beim “Geschicklichkeitsspiel”

Auch die Polizei ist mit dem Problem zuletzt verstärkt konfrontiert worden, kann derzeit aber meistens nur nach der Straßenverkehrsordnung einschreiten, wenn es zu Behinderungen kommt. Dabei ist den Beamten bewusst, dass es sich bei dem angeblichen Geschicklichkeitsspiel um einen Schwindel handelt, auf den vor allem Touristen hineinfallen: Die einzelnen Spieler bilden mit scheinbar unbeteiligten Zusehern eine Bande. Ihre Komplizen beobachten eine Weile das Geschehen, zücken dann bewusst theatralisch die Brieftasche, setzen einen ansehnlichen Betrag auf eine Schachtel und erraten prompt, wo sich die Kugel befindet. Der Spieler zahlt ihnen den doppelten Einsatz als Gewinn aus.

Damit wird den anderen Zusehener suggeriert, dass man nur genau hinsehen muss, um den Spieler zu besiegen. „In Wahrheit ist das Ganze ein abgekartetes Spiel. Du kannst den Spieler natürlich nicht schlagen. Das sind Profis, die von Großstadt zu Großstadt reisen und davon leben“, so ein Polizeibeamter im Gespräch mit der APA. Allein das Wachzimmer Stiftgasse führt mindestens fünf Einsätze pro Tag gegen „Hütchenspieler“ durch, wurde dort am Dienstag auf Anfrage bestätigt.

Ab 1. September strafbar

Das verstärkte Auftreten der Banden dürfte damit zu tun haben, dass das „Hütchenspiel“ in der Bundeshauptstadt ab 1. September illegal ist: Das Wiener Veranstaltungsgesetz wurde novelliert, weil „das geschickte und rasche Bewegen der Hütchen bzw. Hantieren mit den Hütchen durch den Spielveranstalter täuschungsähnliche Wirkungen hat und den Spielteilnehmern nahezu keine Chance gibt, das richtige Hütchen zu erraten“, so der vom Wiener Landtag beschlossene Gesetzesänderungsantrag. „Hütchenspieler“ müssen – so sie erwischt werden – künftig mit Geldbußen zwischen 200 und 7.000 Euro rechnen.

Sie machen sich damit aber nun auch strafbar, wie Roland Miklau vom Justizministerium darlegt: Erst vor wenigen Wochen war ein Spieler im Wiener Straflandesgericht vom Vorwurf des Betrugs freigesprochen werden, weil ihm der Richter „im Zweifel“ zu Gute hielt, seine Mitspieler nicht vorsätzlich hinters Licht geführt zu haben.

Strafen bis zu sechs Monaten Haft

Zukünftig können jetzt zumindest in der Bundeshauptstadt „Hütchenspieler“ nach dem Par. 168 Strafgesetzbuch zur Verantwortung gezogen werden, der Glücksspiel unter Strafe stellt, „wenn dieses ausdrücklich verboten ist und der Spieler daraus eine ständige Einnahmequelle erzielt“, so der Experte aus dem Justizministerium. Die Spieler, aber auch ihre Komplizen müssen – sollte ihnen Gewerbsmäßigkeit nachgewiesen werden können – mit bis zu sechs Monaten Haft rechnen, sagte Miklau.

Bei der Polizei scheint man nicht überzeugt zu sein, dass die legistischen Maßnahmen das „Hütchenspiel“ zum Verschwinden bringen werden. „Ob sich das aufhört, wird sich erst zeigen“, meinte ein Beamter am Dienstag.

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