„Die Stinker sollen draußen bleiben“

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Greenpeace und VCÖ fordern eine ökologisch gestaffelte City-Maut in Wien, um das Feinstaubproblem in den Griff zu bekommen - für ÖAMTC ist City-Maut eine reine "Geldbeschaffungsaktion.

Die Umweltorganisation Greenpeace und der VCÖ setzten sich auf einer gemeinsamen Pressekonferenz in Wien für die Einführung einer ökologisch gestaffelten City-Maut ein, um das Feinstaubproblem in den Griff zu bekommen. „Wien als Bundeshauptstadt sollte hier mit einem Gemeinderatsbeschluss noch vor dem Sommer vorangehen“, fordert Greenpeace-Verkehrsexperte Erwin Mayer. Nach den Vorstellungen von Greenpeace und VCÖ sollen mit den Einnahmen vor allem der Ausbau und die Verbesserung des öffentlichen Verkehrs finanziert werden. „Die Stinker sollen draußen bleiben“, lautet die Kurzformel für eine ökologisch gestaffelte Citymaut, die LKW und PKW ohne Partikelfilter und mit höheren Abgaswerten höher bemautet.

Einnahmen zum Ausbau der “Öffis” verwenden

„Wenn man die Einnahmen auch noch vorwiegend zum Ausbau des öffentlichen Verkehrs verwendet, sind wir optimistisch, dass die Bevölkerung in Wien, Graz, Klagenfurt und anderen Feinstaub-Städten die City-Maut willkommen heißt und wieder durchatmen kann“, so Greenpeace-Experte Erwin Mayer und VCÖ-Experte Martin Blum. In zahlreichen europäischen Städten wird derzeit die Einführung einer City-Maut zur Senkung der Abgasbelastung diskutiert. In London und Oslo ist sie bereits eingeführt, in Stockholm wird die City-Maut im Sommer verwirklicht. Die VCÖ-Analysen der offiziellen Feinstaub-Berichte haben ergeben, dass in Wien an verkehrsnahen Stellen der Verkehr für 49 Prozent des gesamten Feinstaubes verantwortlich ist, an verkehrsfernen Messstationen für 36 Prozent.

“Stadt Wien spielt auf Zeit”

Die Stadt Wien spielt derzeit auf Zeit und will einen Maßnahmenkatalog gegen Feinstaub erst im Herbst vorlegen obwohl sie seit erstem April dazu verpflichtet wäre. In Österreichs Ballungszentren ist der Verkehr der Hauptverursacher des Feinstaubs. „An verkehrsnahen Messstellen waren im Jahr 2003 in Wien 77 Überschreitungen zu verzeichnen, bei Messstellen, die von Straßen weiter entfernt sind, waren es 55 Grenzwertüberschreitungen“, verweist Blum auf die Ergebnisse der VCÖ-Untersuchung.

ÖAMTC gegen City-Maut-Debatte

„Einen Sündenbock zu finden, ist leicht.
Dass immer zuerst die Autofahrer herhalten müssen, ist absolut nicht
fair“, sagt ÖAMTC-Verkehrswirtschaftsexpertin Elisabeth Brugger-Brandau. „Es ist nicht einzusehen, wenn unter dem praktischen
Deckmäntelchen Feinstaub-Belastung wieder eine City-Maut-Debatte angezettelt wird. Eine solche Maut von den Autofahrern zu verlangen,
wäre eine reine Geldbeschaffungsaktion.“ Der ÖAMTC bleibt dabei: Die „dicke Luft“ löst sich durch derartige unsoziale Maßnahmen nicht auf. Gefragt ist ein konstruktives Bündel an verursachergerechten Lösungsansätzen, um das Feinstaub-Problem wirklich in den Griff zu
bekommen.

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