„Der Mensch ist mit schuld“

Überschwemmungen: Wiener Hydrologe nennt den Mensch als Hauptschuldigen an den immer brekäreren Hochwassersituationen - Regulierungen und bauliche Maßnahmen machen Flüsse „bissiger“.

Nach dem Hochwasser tauchen verstärkt Fragen nach den möglichen Ursachen auf. Für den Wiener Hydrologen Bernhard Pelikan ist klar: „Der Mensch ist mit schuld.“ Die heftigen Niederschläge seien oberflächlich zwar nicht beeinflussbar, sehr wohl aber das Tempo, mit dem diese in die Gewässer gelangen. „Der Mensch hat in den letzten Jahrzehnten dazu beigetragen, dass die Flüsse viel schneller die Niederschläge aufnehmen müssen“, so der am Institut für Wasserwirtschaft, Hydrologie und Konstruktiver Wasserbau der Wiener Universität für Bodenkultur tätige Experte am Mittwoch im APA-Gespräch.

“Hund nicht an die Kette legen”

Flussregulierungen, Kanalisierungen, bauliche Maßnahmen – all das hätte die Flüsse schmäler gemacht. Das Wasser sei dabei aber nicht weniger geworden. Pelikan bemüht den Vergleich mit einem Hund: „Rabiat wird er, wenn man ihn an die Kette legt.“ Ähnlich verhalte es sich mit einem Fluss: „Wenn man ihm Fläche wegnimmt, wird er brisant, bissiger.“

Das Miteinander von Mensch und Fluss sei jahrelang sehr einseitig betrieben worden. Man habe diese ihres Rückhalte-Vermögens beraubt, „riesige Profile“ hinein gebaut, Querschnitte vergrößert. Die Fließgeschwindigkeit habe sich in Folge der strengen Regulierungen dementsprechend gesteigert.

Keine Lehren aus letztem Hochwasser?

Ob die Verantwortlichen aus dem Hochwassersommer 2002 gelernt hätten? „Ich hoffe es. Aber wahnsinnig viele Anzeichen dafür habe ich nicht“, so Pelikan. Die Aist in Oberösterreich sei beispielsweise mit einem mächtigen Trapez-Profil versehen worden, während langfristig ein naturnaher Fluss-Rückbau vernünftiger sei. „Dafür würden sich auch die Flüsse revanchieren“, meinte der Hydrologe.

Fragwürdig ist für ihn auch, wie flussnahe manche Siedlungen entstanden sind. Die Flächenwidmungs- und Bebauungsprobleme seien in vielen Fällen bedenklich: „Man wundert sich schon, wie manche Siedlungen als Wohngebiet gewidmet haben werden können.“

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