Zwischen Schutz und Vergnügen: 15 Jahre "Condomi"

Zwischen Schutz und Vergnügen: 15 Jahre "Condomi"
Peinlich berührte Interessenten, wenige Angebote und schiefe Blicke der anderen Kunden: Der Kauf von Kondomen war vor etlichen Jahren in Österreich alles andere als angenehm. Das hat sich geändert.

Geändert hat sich das vor 15 Jahren, als die erste Kondomerie in Wien ihre Pforten öffnete und den Kondomeinkauf in Zeiten von HIV/Aids “standardisierte”.

“Beeindruckt und fasziniert” war Ingrid Mack von der Auswahl der Kondomerien im Ausland. “Ich arbeitete als Kellnerin in der Schweiz und Deutschland”, erzählt die Geschäftsführerin. Dort war der Einkauf der “Gummis” in einer entspannten Atmosphäre kein Problem. Und im Hinterkopf hatte Mack immer ihre beste Schulfreundin, die sich Mitte der Achtziger als eine der ersten mit dem HI-Virus infizierte. “Das öffnete mir die Augen.”

“Jeder sollte sich in einem ganz normalen Geschäft sein passendes Kondom aussuchen und kaufen können – aus der europaweiten Angebotspalette auswählen und so verantwortungsvolle Sexualität leben können”, ist Mack überzeugt. Nach einem harten, fast drei Jahre andauernden Kampf mit Bürokratie und Kondomprüfungsverordnungen war es soweit. Am 27. Jänner 1994 eröffnete Mack (“Ein Kochlöffel und ein Vibrator gehören in jeden guten Haushalt!”) das “Condomi” in der Otto-Bauer-Gasse 24 in Wien-Mariahilf.

Unterstützung bekam sie als Franchise-Nehmerin von ihrem Unternehmens-Partner “Condomi” aus Köln, der zwei Jahre zuvor Deutschland erstes Kondomfachgeschäft gründete, sowie den Aids Hilfen. “Endlich wurde darüber geredet, wie wichtig Kondome sind und dass man sich nicht genieren muss, diese zu kaufen und auch zu verwenden”, erinnert sich Mack.

“Natürlich gab es auch Menschen, denen diese Art von Geschäftsidee nicht ganz geheuer war – ‘Pornojäger’ Martin Humer etwa dachte, er könne uns von unserer wichtigen Arbeit abhalten, indem er die Polizei und die Wirtschaftskammer informierte über meine ‘schmutzige’ Geschäftstätigkeit.”

Das “Condomi” in Wien wurde bald zu einem produzierenden Betrieb, der 1997 mit seinen Marken “Condomis Mix” und “Condomis Fruit” die ersten Automatenpackungen herstellte. “Genauso bahnbrechend waren unsere Fun-Condomis, die auf spielerische Weise den Umgang mit Kondomen thematisierte: In jeder Packung waren ein handbemaltes Scherzkondom und zwei geprüfte”, erläuterte Mack.

Für Schnellentschlossene bot Mack sogar den radelnden Kondomboten an. Von 2003 bis 2004 war der “Condomi”-Express am Wochenende von 22.00 bis 2.00 Uhr in Wien unterwegs und brachte auf telefonische Bestellung zwei Packungen Kondome plus Gleitgel mitunter zu den sonderbarsten Adressen. Pärchen auf Parkbänken wurden ebenso beliefert wie Besteller in Discos.

Kurioses sowie Wissenswertes rund um Verhütung und Safer Sex will man auch zum Jubiläum bieten. Am 12. Februar eröffnet das Condomi-Museum, das auf 100 Quadratmetern einen Streifzug durch die Geschichte des “Gummis” zeigt. So wurde mit Leinensäckchen, Schafdärme oder Fischblasen verhütet. Aber auch das flüssige Kondom hat Einzug in die Schau gehalten. Das Museum ist im Gewölberaum des Erotikfachgeschäft “Liebens-wert” eingerichtet. Ein geführter Rundgang dauert etwa eine Stunde. Auch Schulen werden eingeladen, um im Rahmen ihres Aufklärungsunterrichts ab siebenten, achten Schulstufe das Museum zu besuchen.

Condomi-Museum im Shop “Liebens-wert – feminine Lebensart”
1060 Wien, Esterhazygasse 26
Montag bis Freitag von 12.00 bis 19.00 Uhr sowie Samstag von 12.00 bis 18.00 Uhr geöffnet
Anmeldungen unter der Telefonnummer 01/595-52-55 bei Ingrid Mack

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