Zweijährigen Buben in Wien-Favoriten in “Käfig” gesperrt: Urteil gegen Eltern

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Der Vater deckte das Gitterbett mit zusammengenagelten Brettern ab - © Pixabay (Sujet)

Ein ungewöhnlicher Fall beschäftigte ein Wiener Gericht: Ein aufgeweckter Zweijähriger ist im Vorjahr in Favoriten von seinen überforderten Eltern in eine Art selbst konstruierten Käfig gesperrt worden. Der Kleine war immer wieder aus seinem Gitterbett gekraxelt.

Darauf nagelte der Vater Bretter zusammen, legte jene über das Bett und sicherte den Verschlag mit einem Vorhängeschloss. Am Donnerstag wurden der 32-Jährige und die 24-jährige Mutter am Landesgericht verurteilt.

Vater: “Es war auch, um ihn zu schützen”

Die junge Frau war knapp 17, als sie sich in den acht Jahre älteren Burschen verliebte. Die beiden bezogen eine kleine Wohnung in Favoriten. Schon kurz danach bekam die Noch-17-Jährige ihr erstes Kind. Zwei weitere folgten. Spätestens nach der Geburt des jüngsten Sohnes im Mai 2016 dürfte das junge Paar mit den kleinen Kindern überfordert gewesen sein.

Der ältere, im Sommer 2014 geborene Sohn blieb oft die Nacht über nicht in seinem Gitterbettchen liegen. Der Vater zimmerte deshalb aus mehreren Brettern eine Platte und schloss den Kleinen damit im Bett ein, “damit phasenweise a Ruh’ ist”, wie er nun Richter Gerald Wagner gestand. Er habe auch deshalb “den Deckel zu gemacht”, weil die sechsjährige Tochter den Kleinen sekkiert hätte, behauptete er: “Es war auch, um ihn zu schützen. Und damit er in Ruhe sein Flascherl trinken kann.”

Mutter über Gitterbett-Käfig: “Eine hirnrissige Idee”

Während der 32-Jährige keiner Arbeit nachging, hatte die dreifache Mutter zuletzt als Kellnerin gejobbt. “Wenn ich daheim war, habe ich das Schloss immer weg getan”, versicherte sie dem Richter. Sie hätte allerdings auch Nachtschichten geschoben, “und in der Nacht hab’ ich nicht mehr reing’schaut ins Kinderzimmer. Ich war froh, dass ich schlafen hab’ können”.

Ihr sei klar gewesen, dass das Verschließen des Gitterbetts “eine hirnrissige Idee” war. Aus Angst vor ihrem langjährigen Partner habe sie die von ihm gesetzte Maßnahme hingenommen: “Er hat mich schon in der ersten Schwangerschaft geschlagen.” Außerdem habe ihr Freund gedroht, sie werde “ein paar Kugeln” abbekommen, falls sie sich ans Jugendamt wende. “Ich weiß nicht, warum ich nicht weggangen bin und meine Kinder nicht geschützt habe. Mir tut es leid, dass ich nicht gehandelt habe”, schluchzte die Mutter.

Sechsjährige berichtete der Großmutter vom “Wegsperren”

Die Sache flog am 17. September 2016 dank der damals sechsjährigen Tochter auf. Ihr Vater war nicht zu Hause, die Mutter hatte sich nach einer Nachtschicht schlafen gelegt. Das Mädchen nahm in dieser Situation den Wohnungsschlüssel an sich und marschierte zu Fuß zur Großmutter, die ein paar 100 Meter entfernt lebt. Dort angelangt, berichtete die Sechsjährige, ihr jüngerer Bruder werde immer wieder in sein Gitterbett gesperrt. Auch jetzt gerade habe man ihn weggesperrt. Der anwesende Onkel – ein jüngerer Bruder des Angeklagten – ging darauf mit dem Mädchen zurück in die Wohnung und entdeckte den Käfig. Der 17-Jährige verständigte auf der Stelle die Polizei. Noch am selben Tag wurden den Eltern die Kinder abgenommen.

Diese wurden am Ende der Verhandlung wegen Freiheitsentziehung verurteilt, kamen aber noch mit Bewährungsstrafen davon. Der Vater kassierte insgesamt eineinhalb Jahre bedingt – er hatte seine Partnerin im Juli 2016 in einem Wutanfall mit einem Ventilator verprügelt und verbotenerweise ein Butterfly-Messer besessen. Die Mutter erhielt sechs Monate bedingt. Die Urteile sind bereits rechtskräftig. Das Paar hat sich mittlerweile getrennt. Ihre Tochter lebt in einem Heim, die beiden Söhne bei Pflegeeltern.

(apa/red)