Zwei Drittel mit Niedriglohn kommen nur knapp aus

1.300 Euro pro Monat reichen oft nicht aus
1.300 Euro pro Monat reichen oft nicht aus - © APA (dpa)
Die Arbeiterkammer Oberösterreich (AK-OÖ) hat sich bei ihrem regelmäßig erhobenen Arbeitsklima-Index diesmal den wenig Verdienenden gewidmet. Das – wenig überraschende – Ergebnis: Zwei Drittel der Beschäftigten, die mit ihrem Vollzeitjob weniger als 1.300 Euro netto pro Monat verdienen, kommen nur knapp mit ihrem Einkommen aus, bei elf Prozent reicht der Lohn gar nicht.

In den vergangenen drei Jahren verdienten demnach konstant zwischen 13 und 15 Prozent der Vollzeitbeschäftigten weniger als 1.300 Euro netto pro Monat (umgerechnet sind das etwas weniger als 1.700 Euro brutto). Mehr als 350.000 Menschen erhalten trotz Vollzeitbeschäftigung sogar nur einen monatlichen Bruttolohn von weniger als 1.500 Euro.

Besonders betroffen von Niedriglöhnen sind in Österreich Frauen: Von den unselbstständig Erwerbstätigen, die durchgängig in Vollzeit arbeiten, sind bei den Frauen 19 Prozent für unter 1.300 Euro netto pro Monat tätig. Bei den Männern verdienen nur neun Prozent der Vollzeitbeschäftigten unter 1.300 Euro netto. Bei den Jungen bis 25 Jahre arbeitet fast ein Viertel (23 Prozent) ebenfalls zu diesem niedrigen Gehalt. Bei den 15- bis 25-Jährigen arbeiten 16 Prozent der jungen Männer und 31 Prozent der jungen Frauen für diesen Niedriglohn. Von jenen Personen, die in den letzten 12 Monaten arbeitslos waren und jetzt wieder einen Job haben, waren 22 Prozent für einen Monatslohn unter 1.300 Euro netto beschäftigt.

Auch die Ausbildung spielt eine große Rolle: Während von den Beschäftigten mit Pflichtschule 26 Prozent in Niedriglohnjobs (unter 1.300 Euro netto) arbeiten, sind es bei jenen mit Lehre nur mehr 17 Prozent. Von den Maturanten arbeiten immerhin noch sechs Prozent im Niedriglohnbereich, von jenen mit Universitätsabschluss nur drei Prozent. Auch Leiharbeiter verdienen tendenziell wenig: 29 Prozent aller Leiharbeiter arbeiten für weniger als 1.300 Euro netto, erläuterte Daniel Schönherr vom Sora-Institut bei der Pressekonferenz der AK OÖ am Mittwoch in Wien. In Betrieben mit Betriebsrat sinkt die Wahrscheinlichkeit der geringen Bezahlung: Beschäftigte mit Betriebsrat zählen nur zu neun Prozent zur Gruppe der Niedriglohnempfänger. Es gebe aber nach wie vor zahlreiche Berufe, in denen der niedrigste (kollektivvertragliche) Monatslohn sogar unter 1.500 Euro brutto liegt, etwa Kellner, Kanzleikräfte, Küchenhilfskräfte, Friseure oder Kosmetikerinnen.

Die Armutsgefährdung für Beschäftigte mit Niedriglohn steigt deutlich, konstatiert Schönherr, besonders bei Vätern und Müttern und insbesondere bei Alleinerziehern. Von den Niedriglohnempfängern (unter 1.300 Euro netto) mit Kindern sagen schon 18 Prozent, dass sie mit dem Einkommen allein nicht mehr auskommen. Fehlt dann auch noch das Partnereinkommen, steigt die Armutsgefährdung nochmals an: Alleinerziehende – meistens Frauen – in dieser Gehaltsgruppe sagen zu 24 Prozent, dass sie mit dem Einkommen nicht mehr auskommen. Für den Sozialforscher bildet der Niedriglohn-Sektor “die negative Seite der Flexibilisierung des Arbeitsmarkts”.

Für den Präsidenten der AK OÖ, Johann Kalliauer, zeigen die Daten die Notwendigkeit einer Einigung auf einen österreichweiten Mindestlohn von 1.700 Euro brutto bei Vollzeit. Rund 420.000 Beschäftigte verdienen weniger als 1.700 brutto im Monat. Die von den Sozialpartnern bis Ende Juni angestrebte Einigung auf 1.500 Euro brutto sieht er optimistisch. Wichtig sei die Beibehaltung der flächendeckenden Abdeckung durch Kollektivverträge: Während in Österreich 95 bis 97 Prozent aller Arbeitnehmer in einem KV-Rahmenrecht arbeiten, sind es in Deutschland nur mehr 53 Prozent. In Deutschland gebe es auch einen größeren Niedriglohnsektor als in Österreich, jeder vierte Beschäftigte arbeite dort schon im Niedriglohnbereich.

Einen Abtausch von 1.500 Euro Mindestlohn gegen eine Arbeitszeitflexibilisierung kann sich der oberösterreichische AK-Chef hingegen schwer vorstellen. “Das ist eine ungleiche Gleichung – hier 400.000 Betroffene, dort über 3 Millionen Betroffene”, meint Kalliauer. Die Flexibilisierung der Arbeitszeit sei in vielen Branchen schon sehr weit fortgeschritten, etwa bei den Metallern. Wenn es der Wirtschaftsseite um die Streichung der Überstundenzuschläge und einseitige Anordnungen ohne Mitbestimmung der Betriebsräte gehe – “dann wird das mit uns nicht funktionieren”, stellte er klar. Die Arbeitnehmerseite sei aber gesprächsbereit, die Wirtschaft solle ihre konkreten Forderungen einmal auf den Tisch legen. Nur der Slogan “gearbeitet werden soll dann, wenn Arbeit da ist” sei zu wenig konkret.

(APA)

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