Zuwanderung: Amerika hat es viel besser gemacht

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Zuwanderung: Amerika hat es viel besser gemacht
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Gastkommentar von Andreas Unterberger: Massenzuwanderung kann Nationen stark machen. Wirtschaftlich, militärisch, emotional. Sie kann sie aber auch in eine schwere Krise stürzen. Beispiel für das eine sind die Vereinigten Staaten in den Jahrhunderten ihres Aufstiegs. Zum Gegenbeispiel wird immer mehr Österreich, vor allem Wien.

Österreichs Abstieg lässt sich nicht nur an allen weltweiten Rankings ablesen, ob diese nun die Wirtschaft, das Universitäts- und Bildungssystem, die Bürokratie, das Investititionsklima oder die Staatsschulden vergleichen. Er zeigt sich auch daran, dass Österreich beim Wirtschaftswachstum schon ganz ans Ende der EU-Staaten geraten ist, bei den Daten der Arbeitslosigkeit aber auf die Überholspur.

Die Ursachen sind viele politische Fehler und der kollektive Irrglaube, sich auf vergangenen Erfolgen ausruhen zu können. Sie hängen aber auch mit einer viel zu raschen Massenzuwanderung zusammen.

Rapide Zunahme der Schüler mit Sprachproblemen

Das lässt sich an der brandgefährlichen Dynamik im Bildungssystem ablesen. Etwa an den Zahlen der „außerordentlichen Schüler“ in Wien. Das sind jene Kinder, die der Unterrichtssprache Deutsch nicht ausreichend folgen können. Sie dürfen zwar am Unterricht teilnehmen, werden aber nicht benotet. Ihre Zahl ist in bloß fünf Jahren von 7900 auf 12.100 gestiegen. Das bedeutet den Anstieg um 53 Prozent in kurzer Zeit.

Wien hat viele Klassen, in denen nur noch ein oder zwei Schüler deutscher Muttersprache sitzen. Dort ist nach Aussage aller befragten Lehrer überhaupt kein Unterricht mit der notwendigen Qualität mehr möglich. Dennoch wird nur ein Teil der Schüler als „außerordentliche“ geführt, weil sonst gar kein Unterricht mehr möglich wäre.

Noch eine andere Schreckenszahl, welche die Politik nicht gerne hört: 46 Prozent der Wiener Schüler haben eine andere Muttersprache als Deutsch. In den Hauptschulen und Polytechnischen Schulen beträgt der Anteil der Kinder mit fremder Muttersprache gar schon zwei Drittel. Bei diesen 46 Prozent sind Deutsche, Südtiroler, Schweizer oder Luxemburger noch gar nicht dabei.

Längst ist die Vermutung Gewissheit geworden, dass bei diesen Mengenverhältnissen die Schulen Wiens in großen Mengen Menschen heranziehen, die unfähig sind, Facharbeiter einer modernen Industriegesellschaft zu werden. Von höher qualifizierten Berufen gar nicht zu reden.

Ungelernte Arbeitskräfte finden keinen Job

Das große Pech dieser Zuwanderer-Generation: Ungelernte Arbeitskräfte werden heute in viel geringeren Ausmaßen benötigt als früher. Selbst am Bau gibt es kaum noch Jobs, wo man nur Schaufel und Spitzhacke beherrschen müsste. In der Industrie sind fast alle Produktionsbetriebe mit vielen Arbeitsplätzen im Niedriglohnbereich Richtung Osten (von Ungarn bis Vietnam) ausgewandert, wo Arbeitskräfte oft nur ein Zehntel der niedrigsten Kollektivverträge kosten.

Dennoch wandert kaum eine türkische oder serbische Familie aus Österreich wieder aus, die in Zeiten gekommen war, da man hierzulande noch in Massen ungelernte Arbeitskräfte benötigt hatte. Denn Österreichs hochausgebautes Wohlfahrtssystem ist immer noch weit attraktiver als ein Arbeitsplatz in der alten Heimat.

Zugleich kommen neue Zuwanderer durch die EU-Freizügigkeit nach Österreich, die besser qualifiziert sind als die einstigen Gastarbeiter und deren Kinder. Sie verdrängen die alten Zuwanderer rasch aus der Arbeitswelt – und in eine Welt hinein, wo man fast nur von Mindestsicherung, Familienbeihilfe und den vielen Gratiswohltaten des Systems lebt. Und durchaus leben kann. Das macht freilich die Sozialbudgets zur finanziellen Zeitbombe und zur weitaus größten Last auf den öffentlichen Haushalten. Schon heute lebt die Hälfte der Bezieher von Mindestsicherung in Wien (wo sie um rund 200 Euro pro Monat mehr bekommen als etwa in Niederösterreich). Wohlweislich halten die Behörden geheim, wie viel Prozent der Mindestsicherungs-Empfänger Migrations-Hintergrund haben.

Dennoch drängt ein großer Teil der Politik auf eine weitere Intensivierung der Massenzuwanderung ungelernter Menschen aus der Dritten Welt. Während die Lockrufe an qualifizierte Menschen, nach Österreich zu kommen (Stichwort Rot-Weiß-Rot-Card), weitgehend ungehört verhallen, sind die wichtigsten Zuwander-Wege heute ganz andere: zum einen die „Familienzusammenführung“, zum anderen der Asylantrag.

Familienzusammenführung heißt oft: arrangierte Ehen mit Cousins aus der alten Heimat. Diese kommen meist mit einem noch schlechteren Bildungshintergrund nach Österreich als die (einst) „außerordentlichen Schüler“, die sie hier ehelichen. Man kann sich ungefähr ausrechnen, wie hoch dann das Bildungsniveau der Kinder aus solchen Ehen ist. Bei den Asylanten wiederum öffnet man unter dem Titel „Flüchtlingsrettung“ derzeit fast alle Schleusen für eine ungeordnete Massenzuwanderung. Auch der Großteil der abgewiesenen Asylanten schafft es hierzubleiben.

Gegenbeispiele USA, Kanada, Australien

Warum aber war im Gegensatz zum heutigen Europa in Amerika – und ähnlich in Australien und Kanada – die Zuwanderung von ebenfalls vielen Millionen Menschen jahrhundertelang eine große Erfolgsgeschichte? Die Erklärung in einem Satz: Die Amerikaner haben von der ersten Sekunde an jeden Zuwanderer gezwungen, sich sprachlich und kulturell total zu assimilieren. Es gab gar keinen anderen Weg, im Land bleiben zu können.

Man hatte zugleich eine sehr selektive Einwanderungspolitik. So war es bis ins 20. Jahrhundert für Ostasiaten unmöglich, in die USA zu gelangen (man hielt sie für nicht integrierbar). So konnten auch nur vom Arbeitsmarkt benötigte Menschen zuwandern. Vor New York gibt es in Sichtweite der Freiheitsstatue eine Insel, wo jeder Immigrant an Land gehen musste. Wenn er in der Immigrationshalle auf der Stiege in den ersten Stock hinauf  zu den Beamten ins Schnaufen geraten war, wurde er – als körperlich nicht fit – wieder in ein Schiff nach Europa gesteckt.

Kein Platz für Parallelgesellschaften

Am wichtigsten aber war das, was dann mit den Zig-Millionen Immigranten geschah: Diese wurden ab dem ersten Tag gezielt zu Amerikanern umerzogen. Das bedeutete nicht nur den Zwang, sofort Englisch zu lernen. Wer dazu nicht bereit war, hatte keine Überlebenschance. Das bedeutete auch eine komplette kulturelle Umerziehung zu amerikanischen Werten, von der Freiheit bis zum Patriotismus.

Für das Entstehen von Parallelgesellschaften oder „Multikulti“-Ideologien gab es hingegen keinerlei Raum. Das Schulwesen verhinderte es, dass Immigrantengruppen die Kultur ihrer alten Heimat an ihre in Amerika geborenen Kinder weitergeben. Die Schüler zollten von der ersten Schulstunde an mit der Hand am Herzen der US-Flagge und der Hymne Tribut. Sie lernten fast nur Amerikas Geschichte und nur Amerikas Helden kennen.

Auch die Kirchen und Religionsgemeinschaften wetteiferten darin, die Immigranten zu besseren Amerikanern zu machen. Nicht nur die dominierenden Protestanten, sondern auch Katholiken und Juden.

Das Ergebnis dieser Amerikanisierungs-Bemühungen zeigte sich dann in den Weltkriegen: Auch die Söhne deutscher und österreichischer Einwanderer kämpften voller Begeisterung für ihr neues Vaterland. Und sie kämpften dabei gegen viele Deutsche und Österreicher, die ihre Cousins sein konnten.

Einwanderung bedeutete einerseits große Chancen für die Menschen, die sie durch Leistung und Anstrengung nutzen konnten, aber andererseits untrennbar damit verbundene klare Pflichten.

Was für ein Kontrast zur heutigen österreichischen Realität!

Allerdings ist dieses amerikanische Selbstverständnis seit den Sechziger Jahren zum Teil ins Wanken geraten: eine Folge der gesellschaftszerstörenden Studentenrevolution. Zuwanderer wurden seither nicht mehr so intensiv veranlasst wie in den Jahrhunderten davor, sich zu amerikanisieren.

Das beschert auch Amerika heute wachsende Probleme: mit Teilen der Zuwanderer aus islamischen Ländern und – zahlenmäßig noch bedeutender – mit den „Hispanics“ aus Lateinamerika. Diese kamen zum Unterschied von der früheren Einwanderung meist illegal ins Land. Heute sind viele Bundesstaaten durch sie zweisprachig geworden. Das haben davor weder deutsche, noch holländische noch italienische Einwanderer „geschafft“. Das ist nun zu einem der großen Zukunftsprobleme Amerikas geworden.

Beobachtungen im Schmelztiegel

Dennoch sind bis heute die USA insgesamt noch immer ein erfolgreicher Schmelztiegel, genauso wie Kanada und Australien, die anderen beiden großen Einwanderungsländer. Das konnte ich in den 80er Jahren in Kanada erleben. Ich besuchte damals in vielen Städten die Österreicher-Vereine. In den 50er Jahren sind ja viele Hunderttausend Österreicher Richtung Kanada ausgewandert. Fast alle von ihnen waren dann sehr erfolgreich (Frank Stronach ist da nur der Bekannteste).

Ihre Vereine haben nette, alpin geschmückte Heime mit Zielscheiben, Bierkrügen und Österreich-Bildern. Ein Teil der Gastgeber hatte meinetwegen sogar österreichische Tracht angelegt. Alle sprachen mit mir Deutsch, die Sprache ihrer Jugend und Schuljahre, – jedoch nur die ersten Minuten. Dann wechselte das Gespräch irgendwie automatisch immer auf Englisch. Es stellte sich heraus, dass wirklich alle schon wenige Jahre nach der Auswanderung auch daheim nur noch Englisch gesprochen hatten. Und bei den meisten lernte die nächste Generation überhaupt nicht mehr Deutsch.

Die neue Kultur gibt’s nur, wenn man die alte aufgibt

Nationalromantiker werden das als Kulturverlust sehen. Für die rasche und erfolgreiche Integration in die neue Heimat war das aber sicher der richtige, der einzig mögliche Weg. Die Menschen blickten nach vorne und nicht zurück. Wer eine neue Kultur erobern will, muss eine alte aufgeben.

Sollte man nicht all die rotgrünen Politiker Wiens, die es noch immer für toll finden, dass in immer mehr Klassen und Familien eine der 80 verschiedenen Zuwanderersprachen gesprochen wird und immer weniger deutsch, zu ähnlichen Studien in Nordamerika verpflichten? Damit sie aus ihrer katastrophalen Untätigkeit, Feigheit und Political-Correctness-Ängsten erwachen.

Damit endlich massiv die Integration und Assimilation der Zuwanderer zur obersten politischen Pflicht wird. Im Interesse der Zuwanderer ebenso wie der autochthonen Österreicher.

Der Autor war 14 Jahre Chefredakteur von „Presse“ bzw. „Wiener Zeitung“. Er schreibt unter www.andreas-unterberger.at sein „nicht ganz unpolitisches Tagebuch“, das heute Österreichs meistgelesener Internet-Blog ist.

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