Zukunftsvision der motorisierten Fortbewegung

1Kommentar
Zukunftsvision der motorisierten Fortbewegung
© Pixabay.com/tookapic
Zuletzt haben wir uns die Frage gestellt, was sich die beiden größten Automobilhersteller dieser Welt (Toyota und Volkswagen) davon erwarten in Firmen wie Uber und Gett zu investieren.

VW rechtfertig dies als den ersten Meilenstein auf dem Weg zu ganzheitlichen Mobilitätslösungen. Weiters wollen die Wolfsburger die Gett-Dienste mit einer gemeinsamen Wachstumsstrategie noch ausbauen. Konkreter wird Volkswagen jedoch nicht und lässt sich keinerlei Details aus der Nase ziehen. Deshalb wollen wir unsere Fantasie anstrengen und mögliche Zukunftsvision kurz andenken.

Im Grundinteresse eines herkömmlichen Automobilherstellers liegt der Absatz von möglichst vielen Fahrzeugen. In dieser Hinsicht wechseln sich Toyota und Volkswagen im Ranking der Nummer 1 der Welt regelmäßig ab, und setzen alles daran, ihren Absatz auch weiterhin noch zu steigern. Warum um alles in der Welt investiert man dann in Firmen welche Fahrdienste anbieten? Wenn immer mehr Menschen diese Dienste nützen würden, bräuchten immer weniger Menschen ein eigenes Automobil. Ist das nicht kontraproduktiv? Aus der heutigen Sicht und nach Stand der Dinge selbstverständlich schon. Aber versucht man in die Zukunft zu denken, wird einem schnell bewusst, dass es so nicht immer weiter gehen kann. Entweder sind die Märkte gesättigt, oder die Städte überfüllt und es gibt keinen Platz mehr für noch mehr Fahrzeuge. Gesättigt werden die Märkte so schnell nicht sein, denn die Lebenszeit eines Autos ist bekanntlich begrenzt, und früher oder später braucht jeder von uns ein neues KFZ. Doch wenn die Kapazitäten unserer Städte, Straßen und generell unserer Infrastrukturen ausgeschöpft sind, braucht es Alternativen. Man sollte jedoch nicht so lange warten, bis dieser Zustand erreicht ist, sondern in weiser Voraussicht Möglichkeiten zur Lösung dieser Probleme entwickeln. Genau dies könnte der Grund für die Investitionen in Uber und Gett sein.

BMW und Mercedes sind sowohl auf dem Sektor e-Autos als auch auf dem Gebiet Carsharing sehr aktiv und, wie bereits geschrieben, damit in vielen Städten Europas mit Car2Go und DriveNow vertreten. Von allen anderen Herstellern ist, zumindest im Sektor Carsharing und Mobilität der Zukunft, noch nicht viel zu sehen. Wenn gleich natürlich alle Hersteller mittlerweile Autos mit Hybrid-, Gas-, oder Elektroantrieben anbieten. Doch wie wir bereits in dieser Artikelserie gesehen haben, wird dies alleine nicht ausreichen. Volkswagen möchte bis 2025 vom klassischen Automobilhersteller zum ganzheitlichen Mobilitätsanbieter aufsteigen. Was dies genau bedeuten soll, wissen wir leider noch nicht und daher können wir nur darüber spekulieren. Einmal angenommen, einer der weltgrößten Automobilhersteller erweitert sein Angebot von klassischen Automobilien um, Ja, um was denn genau? Durch den Einstig bei Gett dürfte die Marschrichtung auf die Bereiche Fahrdienstleistung und Carsharing ausgerichtet sein. Wenn man sich ansieht, wie viele Autos in Wien von Montag bis Freitag an ein und demselben Parkplatz abgestellt werden, wird schnell klar, dass es diese Fahrzeuge eigentlich gar nicht brauchen würde. An jedem Tag, an dem diese nicht genutzt werden, kosten diese PKW’s nur Geld im Unterhalt und nehmen massiv Platz in unseren engen Großstädten in Anspruch. Ein Fahrzeug wurde auch zum Fahren konzipiert und nicht zum Stehen, andernfalls würde es wohl „Stehzeug“ heißen.

Sollten also alle großen Hersteller von Automobilen den Sektor Carsharing und alternative Fahrdienste erobern, so könnte sich unser heutiges automobiles Weltbild in der Tat ordentlich verändern. Man nehme alle diese stillstehenden Fahrzeuge aus unserer Stadt heraus und ersetze diese durch stets abrufbare Fahrzeuge, mit oder aber auch ohne Fahrer. Wobei selbstverständlich jene Variante des Selbstfahrens entscheidend billiger sein wird und zumindest den Autopuristen unter uns wesentlich mehr Spaß bringen dürfte. Man stelle sich vor, man könnte für ein Wochenende einfach einen Lamborghini oder einen Ferrari wählen, und das für einen kleinen Mehrpreis, ohne sich darüber Gedanken machen zu müssen, wann das nächste Service fällig ist, oder wie viel die demnächst fälligen Autoreifen kosten werden. Von der Anschaffung wollen wir gar nicht erst reden, denn für den normalen Bürger bleibt ein solches Auto ohnehin auf Lebenszeit nur ein Traum. Doch allein die Chance, einmal oder vielleicht sogar öfters, ein solches Auto fahren zu können, wäre uns bestimmt auch einen kleinen Aufpreis für das sonstige „Dauer-Abo“ für die Mobilität von Morgen wert, oder?

Wie wir bereits geschrieben haben, brauchen wir nicht immer einen SUV für die Familie oder den Großeinkauf, aber ein kleines Fahrzeug reicht eben auch nicht immer aus. Ebenso wie wir nicht immer ein Auto mit mehr als 200PS brauchen, doch für so manche Ausfahrt, außerhalb der Stadtgrenzen, wäre es schon sehr angenehm und würde selbstverständlich auch wesentlich mehr Fahrfreude bedeuten. Vorausgesetzt man ist nicht einer dieser, mittlerweile in Überzahl befindlichen, „Dauerlinks- oder Mittelspurfahrer“ mit einer Höchstgeschwindigkeit von maximal 120km/h. Aber das ist eine andere Geschichte.

Würden uns die klassischen Automobilhersteller nun stets das Modell unserer Wahl, abhängig vom Bedarf und der gerade vorherrschenden Leidenschaft, zur Verfügung stellen, so könnte dies sowohl für uns als Nutzer einen wesentlichen Mehrwert und weniger Sorgen um Kosten bereiten, als auch dem Hersteller ganz neue Möglichkeiten, seine Modelle in größerer Stückzahl unter das Volk zu bringen. Notwendig wäre dafür lediglich ein neuartiges Finanzmodell seitens der Hersteller, um weiterhin gewinnbringend arbeiten zu können. Dies ergäbe eine neue Art des Konkurrenzkampfes. Je nach Qualität und Komfort würde man sich als Nutzer stets für die beste Möglichkeit entscheiden, man müsste diese Entscheidung nicht für mehrere Jahre treffen. Meistens gehen wir einen Kompromiss ein und oftmals muss die Freude durch den Nutzen ersetzt werden. Es wäre uns als Verbraucher schlussendlich auch gänzlich egal, womit diese Fahrzeuge angetrieben werden. Man müsste sich keine Gedanken darüber machen, wie lange die Haltbarkeit der Batterien für den e-Antrieb ist oder wie viel das Service der verbauten Hochvoltanlagen kosten wird. Dies wäre für uns alle eine ganz neue Perspektive auf das Thema Mobilität. Erweitern könnte man dies noch um die Perspektive und Möglichkeit des Autopiloten. Man stelle sich vor, dass man freitagnachmittags aus der Großstadt hinaus möchte um das Wochenenddomizil zu besuchen. Wir alle kennen die Problematik und den Stress auf der Straße, bis man sich endlich im Grünen entspannen kann. Autopilot EIN und bitte einmal aus der Stadt raus bringen, bis wir dahin kommen, wo das Autofahren wieder selbst Spaß macht. Eine derartige Vision gab es schon in den 1980er Jahren in Form einer berühmten Fernsehserie mit dem Namen Knight Rider: „KITT, bring mich hier raus…“

Doch nun genug zum Thema Automobil. Denn jener Bereich, den wir noch gar nicht betrachtet haben, ist jener der einspurigen Verkehrsteilnehmer. Diesem Thema wollen wir uns im kommenden Artikel widmen.

Leserreporter
Bild an VOL.AT schicken


1Kommentar

Herzlichen Dank für Ihren Kommentar - dieser wird nach einer Prüfung von uns freigeschaltet. Beachten Sie, dass dies gerade an Wochenenden etwas länger dauern kann. Kommentare von registrierten Usern werden sofort freigeschaltet - hier registrieren!

noch 1000 Zeichen

HTML-Version von diesem Artikel