Zielpunkt-Aus setzt heimischen Arbeitsmarkt noch stärker unter Druck

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Für die österreichischen Hersteller von Lebensmitteln und Getränken verschärft sich die Situation mit der Zielpunkt-Insolvenz in Österreich insgesamt weiter.
Für die österreichischen Hersteller von Lebensmitteln und Getränken verschärft sich die Situation mit der Zielpunkt-Insolvenz in Österreich insgesamt weiter. - © APA
Der Leiter des Zielpunkt-Eigentümers Pfeiffer, Georg Pfeiffer, hat am Donnerstag die bevorstehende Pleite von Zielpunkt als notwendigen Schritt verteidigt. “Zielpunkt kann auch mittelfristig nicht aus den roten Zahlen kommen”, so Pfeiffer. Die Zielpunkt-Pleite sei schlicht ein Zeichen für den harten Wettbewerb am heimischen Lebensmittelmarkt.

“Eigentlich ist damit schon ein Insolvenztatbestand gegeben.” Laut Gewerkschaft verlieren 3.000 Mitarbeiter ihren Job.

Wien. “Wir haben uns zugetraut, Zielpunkt zu sanieren. Trotz aller Bemühungen war es trotzdem zu wenig”, bedauerte Pfeiffer. Für die nächsten drei bis fünf Jahre wären alleine zum Überleben 60 Mio. Euro, und damit um 20 Mio. Euro mehr als ursprünglich prognostiziert, nötig gewesen: “Diese hätten wir in ein Fass ohne Boden geschüttet.”

Mit dieser Summe wäre Zielpunkt noch nicht saniert gewesen, so Pfeiffer. Eine positive Fortbestehensprognose, die noch Ende Sommer existierte, sei in der laufenden Evaluierung nicht mehr haltbar gewesen.

Allein in Wien bereits über 17.000 Arbeitslose im Handel

Heuer im Oktober waren 49.989 Handelsangestellte und -arbeiter ohne Job. Das waren 4.563 oder 10 Prozent mehr als im Oktober vor einem Jahr. Alleine in Wien gibt es bereits 17.289 Arbeitslose im Handel.

Zum arbeitslosen Handelspersonal kommen noch die Zielpunkt-Leute – so sie nicht Glück haben und von anderen Playern, wenn diese Zielpunkt-Filialen übernehmen, mitübernommen werden, wie dies auch Pfeiffer hofft. Ab Anfang kommender Woche finden der GPA-djp zufolge Betriebsversammlungen statt. Laut der Gewerkschaft vida soll rasch ein Sozialplan für die Zielpunkt-Mitarbeiter erarbeitet werden.

Von den 229 Zielpunkt-Filialen liegt mehr als die Hälfte in Wien, die restlichen verteilen sich auf Niederösterreich, das Burgenland, die Steiermark. An einzelnen Filialen gibt es Interesse, bestätigten Unternehmenssprecher von Spar, Rewe (Penny, Billa usw.), Hofer und Lidl am Donnerstag. Unrealistisch ist jedoch wegen der hohen Marktkonzentration, dass große Pakete vom Masseverwalter angeboten werden. Dieser nimmt ohnehin erst seine Arbeit auf, nachdem der Insolvenzantrag eingebracht und das Verfahren eröffnet ist. Der Antrag soll am Montag zu Mittag eingebracht werden.

Keine Preiserhöhungen in Aussicht

Zu Preiserhöhungen werde es jedenfalls infolge der Zielpunkt-Insolvenz nicht kommen, versicherten die Handelsriesen. Von dort hieß es wie auch von Pfeiffer, die Zielpunkt-Pleite sei schlicht ein Zeichen für den harten Wettbewerb am heimischen Lebensmittelmarkt. Potenzielle Preiserhöhungen wegen der Zielpunkt-Pleite befürchtete zuletzt BWB-Chef Theodor Thanner. Er will die Preissituation weiter genau evaluieren.

Ihr Weihnachtsgeld sowie das November-Gehalt bekommen die Zielpunkt-Mitarbeiter vom Insolvenzentgeltfonds ausbezahlt.

>> Mehr zum Thema: November-Löhne werden bei Zielpunt nicht mehr ausbezahlt.

(APA/Red.)

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