Zeuge bei Aliyev-Prozess: “Er ist einfach nicht mehr zum Aushalten gewesen”

Beim Aliyev-Prozess in Wien
Beim Aliyev-Prozess in Wien - © APA
Der Aliyev-Prozess um die Ermordung der kasachischen Banker Zholdas Timraliyev und Aybar Khasenov ist am Mittwoch mit weiteren Zeugenbefragungen im Wiener Landesgericht fortgesetzt worden.

So sagte ein Mann aus, der seit 1997 für Rakhat Aliyev – der ehemalige Botschafter in Wien und Schwiegersohn des kasachischen Präsidenten Nursultan Nasarbajew soll den Doppelmord in die Wege geleitet haben – tätig war.

 “Aliyev ist nicht mehr zum Aushalten gewesen”

Zuletzt war der Mann bei einem TV-Sender beschäftigt, der im Eigentum Aliyevs stand. Aliyev sei seit 2005 “einfach nicht mehr zum Aushalten gewesen”, erfuhr das Schwurgericht (Vorsitz: Andreas Böhm). Sein emotionaler und psychischer Zustand habe sich durch große Nervosität ausgezeichnet. Es sei nicht mehr möglich gewesen, sich vor ihm in Sicherheit zu wiegen, deponierte der Zeuge.

Aufforderung, Handschellen zu bringen

Am 31. Jänner 2007 – dem Tag, als die beiden Bankmanager zunächst in der Nurbank festgehalten und dann entführt wurden – sei er angerufen und aufgefordert worden, Handschellen in die Räumlichkeiten der Bank zu bringen, berichtete der Zeuge weiter. Der Anrufer habe sich auf Aliyev bezogen. Der Aufforderung sei er daher umgehend nachgekommen. Die Handschellen habe er noch aus der Zeit besessen, als er bei der Polizei tätig war. Sie hätten sich bei ihm zu Hause am Balkon befunden: “Mein Vater hat sie beim Saubermachen in einen Instrumentenkoffer gegeben.”

Zeuge sprach beim Prozess von Angst

Auf die Frage des Gerichts, weshalb er die ungewöhnliche Lieferung nicht gemeldet habe, als das Verschwinden der Banker bekannt wurde, sagte der Zeuge: “Ich habe nichts unternommen. Selbstverständlich tut es mir leid.” Auf weiteres Befragen bemerkte er: “Sie sitzen da in einem europäischen Land. Wenn ich mich damals an die Polizeiorgane gewandt hätte, hätte das auch anders für mich ausgehen können.” Er habe Angst gehabt.

Aliyev-Prozess dauert länger

Der Prozess gegen die verbliebenen Angeklagten – nach Aliyevs Ableben in der Justizanstalt Wien-Josefstadt müssen sich sein langjähriger Sicherheitsberater Vadim Koshlyak sowie der ehemalige kasachische Geheimdienstchef Alnur Mussayev als angeblich Beteiligte vor Gericht verantworten – wird länger als ursprünglich angenommen dauern. Zur Bewältigung der Zeugenschar wurden drei zusätzliche Verhandlungstage anberaumt. Nach derzeitigem Prozessfahrplan soll das erstinstanzliche Verfahren am 26. Juni zu Ende gehen.

(apa/red)

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