18. Februar 2010 13:14; Akt.: 18.02.2010 13:14

"Zettelpoet" Seethaler wegen Sachbeschädigung verurteilt

Wiener Zettelpoet musste vor Gericht Wiener Zettelpoet musste vor Gericht - © APA
Der Wiener “Zettelpoet” Helmut Seethaler, der seit 35 Jahren im öffentlichen Raum seine sogenannten Pflück-Texte hinterlässt, ist am Donnerstag im Straflandesgericht wegen Sachbeschädigung zu zwei Monaten bedingter Haft verurteilt worden. Seethaler bleibt weiterhin kämpferisch: “In einer halben Stunde mach’ ich weiter. Das ist mein Job.”

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Richterin Andrea Wolfrum achtete es als erwiesen an, dass der 56-Jährige im vergangenen Herbst am Vorplatz des Museumsquartiers 13 Steinplatten mit einem Textmarker verunstaltet hatte, indem er den Schriftzug “www.hoffnung.at” und seine Telefonnummer hinterließ.

Seethaler, der “im Sinne der Freiheit der Kunst” einen Freispruch verlangt hatte, meldete volle Berufung an, verließ den Verhandlungssaal, zückte einen Filzstift und beschriftete in großen Lettern den Fußboden mit “www.hoffnung.at” und der Nummer seines Festnetzanschlusses. Zusätzlich brachte er den Schriftzug “Kunstverbreitung bringt mi ins Häf’n” an.

Die Richterin hatte mit einer Provokation des Künstlers gerechnet und daher vorsorglich Saalschutz angefordert. Die zwei dafür abgestellten Uniformierten sahen Seethaler jedoch seelenruhig zu, wie er sich am Fußboden “verewigte” und nachher bereitwillig anwesenden Medienvertretern Interviews gab, was die Richterin “unglücklich” machte, wie sie verriet.

Seethaler bekannte sich in seiner Verhandlung dazu, “pausenlos” und “ununterbrochen” im öffentlichen Raum Texte zu hinterlassen: “Ich habe aber noch nie in meinem Leben etwas gemacht, wofür ich vor Gericht stehen müsste.” Auch im Museumsquartier sei er “oft” tätig gewesen, allerdings nicht im Tatzeitraum – laut Anklage zwischen 30. Oktober und 2. November 2009 -, was der “Zettelpoet” ausdrücklich bedauerte.

“Schade, dass ich es nicht war”, gab er zu Protokoll. Die Documenta Kassel habe sich nämlich inzwischen bei ihm gemeldet: “Hätte ich es mit Lack gemacht, hätten sie das als Kunst ausgestellt.” Er, Seethaler, sei “ein berühmter Wiener Dichter”, offensichtlich habe ihn jemand auf den Steinplatten vor dem Museumsquartier kopiert.

Ein vom Gericht beigezogener Schriftsachverständiger stellte in Bezug auf die inkriminierten Verunstaltungen jedoch in seinem Gutachten fest: “Aufgrund der Schriftformen spricht alles dafür, dass es der Herr Seethaler geschrieben hat.”

Bei dieser Gelegenheit ersuchte der Graphologe den Künstler, ihn zukünftig nicht mehr mit Mails “zuzumüllen”, worauf ihm Seethaler beschied: “Jeder, der sich anmaßt, in diesem Theater mitzuspielen, wird von mir informiert. Alle sollen Bescheid wissen.”

Unmittelbar nach seiner – nicht rechtskräftigen – Verurteilung bekräftigte Seethaler, seine Gedichte und Texte weiter im öffentlichen Raum anbringen zu wollen: “In einer halben Stunde mach’ ich weiter. Das ist mein Job.”


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