Zelle in Brand gesteckt: Urteil in Wien

Das Urteil gegen den Mann ist bereits rechtskräftig.
Das Urteil gegen den Mann ist bereits rechtskräftig. - © VIENNA.at/David Mayr
Ein schwer alkoholabhängiger und drogensüchtiger Mann legte in einer Zelle in Wien-Landstraße Feuer, nachdem er wegen eines Streits mit seiner damaligen Freundin festgenommen worden war.

Zu 15 Monaten unbedingter Haft ist am Dienstag am Landesgericht für Strafsachen ein 38-jähriger Wiener verurteilt worden, weil er am 31. Dezember 2016 eine Zelle in einer Polizeiinspektion (PI) angezündet hatte. Der Mann war nach einem Konflikt mit seiner Freundin, bei der die Polizei auf den Plan gerufen wurde, im Arrest gelandet, da er äußerst aggressiv war und sich nicht beruhigen ließ.

Der 38-Jährige wurde in die PI Juchgasse in Wien-Landstraße gebracht, wo er sich weiter renitent verhielt. “Er war höchst aggressiv. Er hat uns alle aufs Wüsteste beschimpft und in unsere Richtung gespuckt. Ich mach’ das Geschäft seit 34 Jahren, aber in der Art passiert so was selten”, schilderte ein 52-jähriger Beamter. Quasi zur Abkühlung wurde der Mann schließlich in eine Zelle gebracht. Dort zündete er kurze Zeit später die Matratze an.

Brandstiftung in Zelle: Chefinspektor rettete Häftling

Als die Polizisten den Brandgeruch wahrnahmen und die Zellentür aufrissen, schlug ihnen dichter Rauch entgegen. “Es hat komplett schwarz raus g’raucht”, erinnerte sich der 52-jährige Polizist. Der Chefinspektor der PI rettete dem Häftling das Leben, indem er ein Tuch befeuchtete, dieses gegen Mund und Nase drückte, in den Haftraum stürmte und den 38-Jährigen, der sich in Embryonalstellung in eine Ecke verkrochen hatte, in den Vorraum zog. “Außer dem Chef wär’ da keiner mehr rein”, gab sein 52 Jahre alter Kollege als Zeuge zu Protokoll.

Insgesamt sieben Polizeibeamte und der Täter selbst erlitten bei dem Vorfall Rauchgasvergiftungen. Die Zelle wurde komplett zerstört. Die PI musste über den Jahreswechsel zwecks Sanierungsmaßnahmen sogar für drei Tage gesperrt werden.

“Für Ihr verpfuschtes Leben kann keiner was”

“Es tut mir leid”, entschuldigte sich der Angeklagte bei jenen zwei Polizisten, die zur Verhandlung erschienen waren. “Jetzt sitzen’s da rum wie ein Ministrant. Denken’s mal nach, was Sie tun. Für Ihr verpfuschtes Leben kann keiner was”, entfuhr es dem 52-jährigen Beamten.

Elf Vorstrafen wies der 38-Jährige bis zur Verhandlung am Dienstag auf. Seit Jahren ist er alkohol- und drogensüchtig. Dem psychiatrischen Sachverständigen, der ihn im Zuge des Ermittlungsverfahrens begutachtet hatte, erklärte er, er wäre damals “völlig verzweifelt” gewesen und hätte in selbstmörderischer Absicht Feuer gelegt. Diese Verantwortung hielt er vor Gericht nicht mehr aufrecht. Nun behauptete der 38-Jährige, er hätte ein Feuerzeug in beziehungsweise auf der Matratze gefunden: “Ich hab’ blöd damit herumgespielt. Dann hat die Matratze Feuer gefangen.”

Richter Johannes Varga glaubte diese Darstellung nicht und verurteilte den Mann wegen Begehung einer Straftat im Zustand der vollen Berauschung. Der Angeklagte hatte angegeben, er hätte vor dem Streit mit der Freundin, die sich kurz danach von ihm trennte und die mittlerweile an Leberzirrhose gestorben sein soll, zwei Flaschen Wodka und Drogenersatz-Präparate konsumiert. Das Urteil ist bereits rechtskräftig.

(APA, Red.)

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