25. Mai 2009 11:41; Akt.: 25.05.2009 11:41

Zehn Jahre Titan Minimal Art

Zehn Jahre Titan Minimal Art © Silhouette
“Made in Austria”, federleicht, formschön und mehr als acht Millionen Mal verkauft: Vor zehn Jahren präsentierte die Firma Silhouette die weltweit erste randlose Brille ohne Schrauben und Scharniere.

Heute verhilft sie – ganz ohne Werbegage – Stars wie Tom Cruise und Sarah Jessica Parker, den NASA-Astronauten und den Wiener Philharmonikern zu besserem (Aus)Sehen. Seit 2007 konzentriert sich der Linzer Familienbetrieb ungeachtet aller Moden nur noch auf randloses Design.

“Um Langläufe zu erzielen, kann man nicht alle zwei Minuten woanders hinspringen”, sagte Firmenvorstand Klaus Schmied der APA. Er führt die Firma, die im Südwesten von Linz 900 Menschen Arbeit gibt, mit seinem Bruder Arnold. Auf dem Material Titan, das die ohne Gläser nur 1,8 Gramm leichte Brille erst möglich gemacht hat, “da bleiben wir drauf”. Auf der Randlosigkeit sowieso. “Ich glaube nicht, dass es nur ein Modetrend ist. Wenn ich auf eine Brille angewiesen bin, möchte ich mir das Tragen so angenehm wie möglich machen.”

“Heute sehen Sie in der Brillenmode viel Rand, es passiert viel im Gesicht. Wir sind aber der Meinung: Das ist von gestern”, meinte Brand Manager Andreas Aschauer Martinelli. “Die Randlose ist die Brille der Zukunft. Mit ihr bleibt das Gesicht authentisch.” Der Mann sollte es wissen, er kommt aus der Modebranche. Bevor der Italiener im Linzer Stadtteil Neue Heimat landete, werkte er u.a. bei Wolford, Versace und Ferre. Sein oberstes Gebot: “Du sollst Dich nicht hinter Deiner Brille verstecken.” Da liegt er auf einer Linie mit Firmenvorstand Arnold Schmied, der überzeugt ist: “Der schönste Rahmen für eine Brille ist das Gesicht ihres Trägers.”

Und wer hat’s erfunden? Gerhard Fuchs (43) begann mit 15 als Werkzeugmacher bei Silhouette. “Ich bin 1990 zufällig zum Design gekommen, nachdem ich in der Werkstatt ein paar Modelle für Brillen auf Schmirgelpapier gezeichnet hatte.” Ein Techniker zeigte die Entwürfe der Designverantwortlichen, zwei Wochen später stand Fuchs vor Arnold Schmied sen., der die Firma 1964 gegründet hatte. Der Chef finanzierte dem Jugendlichen noch ein Jahr Schule, dann fing er im Designteam an. Mittlerweile ist er selbstständig, im Brillenbereich aber immer noch exklusiv für Silhouette tätig. “80 Prozent der Brillen sind meine Babys”, sagt er.

Kann man die reduzierteste Brille der Welt noch verbessern? “Es gab Versuche mit noch dünnerem Draht, aber da wird der Komfort schlechter”, so Fuchs. “An den Steckplättchen und Bügelenden arbeiten wir aber immer wieder.” Deshalb sind die aktuellen Modelle “geräuschlos”. Zuvor erzeugten die Edelbrillen ein leises Klirren, wenn man sie an den Bügelenden hielt und hin und her “wachelte”. Nicht wenigen Trägerinnen und Trägern war dieses Geräusch so etwas wie das Markenbewusstsein erzeugende “Swooosch”, mit dem die Tür eines Luxusautos ins Schloss fällt. Mindestens ebenso vielen ist es vermutlich gar nie aufgefallen.

Jetzt scheppert nichts mehr. In der Chefetage war nämlich befunden worden, was scheppert, klinge womöglich billig. Und das sind die Rahmenlosen sicher nicht. Ein Gestell kostet rund 250 bis 400 Euro. Der hohe Preis erklärt sich durch den Aufwand, sagte der in der Produktion tätige Johannes Engleder: “260 Arbeitsgänge sind für eine Titan Minimal Art notwendig. Vom Drahtholen bis zur Verpackung.” 80 Prozent der Fertigung geschieht mit der Hand. Bügel und Stege werden geschnitten, gepresst, geformt, gebogen, lackiert, gefärbt, gebürstet, poliert und montiert. Allein für das Scheuern, das Modelle mit glänzender Oberfläche erzeugt, verbraucht Silhouette pro Monat vier Tonnen Granulat aus Walnussschalen.

Angst, dass man mit den Randlosen in eine Sackgasse steuern könnte, hat bei Silhouette niemand: “Die Begrenzung des Designs war das, was man anfangs gefürchtet hat. Aber zehn Jahre später fällt den Designern immer noch mehr ein, als Silhouette herausbringen kann”, sagt Klaus Schmied.

Die Silhouette International Schmied AG mit weltweit 1.630 Beschäftigten exportiert 95 Prozent ihrer Brillen ins Ausland. 100 Länder werden beliefert. Rund drei Millionen Brillen stellt das Unternehmen jedes Jahr her, 1,8 Millionen der Marke Silhouette, rund eine Million der Lizenzmarke adidas eyewear und 100.000 Stück der Lizenzmarke Daniel Swarovski crystal eyewear.


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